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Veröffentlicht: 19.06.2013, 11:45 Uhr

Japan Grundwasser in Fukushima radioaktiv verseucht

Bislang hatte der Kraftwerksbetreiber Tepco behauptet, es gebe keine Probleme. Jetzt zeigt sich: Das Grundwasser nahe Fukushima ist stark mit Strontium und Tritium belastet.

von , Tokio
© AP Die Konzentration von Strontium liegt 30 Mal über dem zulässigen Höchstwert.

Die Betreibergesellschaft der nach dem Erdbeben und dem Tsunami am 11. März 2011 havarierten Atomreaktoren im Kraftwerk Fukushima Daiichi hat eingeräumt, dass das Grundwasser nahe dem Atomkraftwerk mit krebserregenden radioaktiven Substanzen belastet ist. Wie die Elektrizitätswerke von Tokio (Tepco) am Mittwoch in Tokio mitteilten, ist bei Messungen im Trinkwasser hochgiftiges Strontium nachgewiesen worden. Die Konzentration dieses Elements im Grundwasser liegt demnach 30 Mal über dem zulässigen Höchstwert.

Carsten Germis Folgen:

Auch radioaktives Tritium ist in achtfach höherer Konzentration als zulässig gefunden worden. Bislang hatte das Unternehmen behauptet, es gebe keine gesundheitsgefährdende Belastung des Grundwassers um das Atomkraftwerk.

Rund 400 Tonnen Grundwasser dringen derzeit täglich in die Atomreaktoren ein, bei denen es nach dem Ausfall der Kühlung infolge des Tsunamis im März 2011 zur Kernschmelze gekommen ist. Hinzu kommen rund 300 bis 400 Tonnen Wasser, mit denen die Brennstäbe in den havarierten Reaktoren gekühlt werden.

Lecks in den Behältern

Für Tepco kommen die neuen Meldungen zur Unzeit. Das Unternehmen, das bislang behauptet hatte, das Grundwasser sei kaum belastet, wollte es teilweise in den Pazifik leiten - gegen den Widerstand ansässiger Fischer.

In den vergangenen Wochen ist immer wieder über Lecks in den Behältern berichtet worden, in denen das belastete Wasser derzeit gelagert wird. Die neuesten Tests zeigen, dass das Grundwasser um Reaktor 2 zwischen Dezember und Mai um hundertfach gestiegene Werte von Strontium 90 aufweist. Noch zu Beginn dieses Monats hatte Tepco behauptet, es gebe keine Probleme und erklärt, es sei sicher, rund 100 Tonnen Grundwasser pro Tag in den Pazifik zu leiten.

Die japanische Atomaufsicht hat unterdessen Richtlinien beschlossen, nach denen die Sicherheit von Atomkraftwerken überprüft werden soll. Die japanischen Energieunternehmen, die nach der Katastrophe in Fukushima fast alle ihre 50 Atomreaktoren vom Netz genommen haben, dürften auf der Grundlage dieser Richtlinien - die von der Überprüfung auf Erdbebensicherheit über Filteranlagen bis zu Sicherheitsmaßnahmen vor terroristischen Angriffen reichen - schon bald beantragen, die ersten Atomreaktoren wieder hochzufahren. Eine Entscheidung darüber wird aber nicht vor den japanischen Oberhauswahlen erwartet, die für Ende Juli angesetzt sind.

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Quelle: FAZ.NET

 

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