02.08.2005 · Am Mittwoch steht James Murdoch im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Der Chef von BSkyB legt in London den vorläufigen Geschäftsbericht für Europas größten Bezahl-Fernsehsender vor.
Von Ulrich FrieseAm heutigen Mittwoch steht James Murdoch im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Der Chef von BSkyB legt in London den vorläufigen Geschäftsbericht für Europas größten Bezahl-Fernsehsender vor. Bei dem Routinetermin in London muß der 32 Jahre alte Sohn des gleichnamigen Medien-Tycoons jedoch mit Fragen zur beruflichen Zukunft rechnen. Wie lange dauert sein Interregnum bei BSkyB? Und vor allem: Ist James Murdoch grundsätzlich bereit, die interne Nachfolge seines Vaters anzutreten und zum Alleinherrscher im globalen Murdoch-Imperium aufzurücken? Die Fragen provoziert der kürzlich vollzogene Ausstieg von Lachlan Murdoch. Der um ein Jahr ältere Bruder verkündete Ende vergangener Woche, daß er seine aktiven Ämter im viertgrößten Medienkonzern der Welt abgibt und aus privaten Gründen mit seiner Familie in die Wahlheimat Australien zurückkehrt. Lachlan galt bis dahin als designierter Nachfolger des 74 Jahre alten Konzernherrn, der bis heute bestreitet, amtsmüde zu sein, und sich hütet, einen Termin für seinen Rücktritt zu nennen.
Ähnlich wie jetzt Lachlan hatte sich fünf Jahre zuvor auch Schwester Elisabeth aus dem Reich der News Corp. ausgeklinkt - jenem Unternehmen, das neben BSkyB weltweit 175 Zeitungen, den amerikanischen Fernsehsender Fox oder das Hollywood-Studio Twentieth Century Fox steuert. Elisabeth ist mit heute 37 Jahren die älteste der drei MurdochGeschwister. Sie war erfolgreiche Programmchefin bei BSkyB, bevor sie Mitte 2000 kündigte und in London ihre eigene Fernsehproduktionsfirma gründete.
Fast zwangsläufig avanciert James damit zum Kronprinzen der News Corp. Denn Rupert senior, der mit einem Anteil von 30 Prozent größter Aktionär der amerikanischen Holding-Gesellschaft ist, macht sich für einen familieninternen Nachfolger stark. Investoren in New York sowie der ebenfalls an News Corp. mitbeteiligte Kabelunternehmer John Malone (Anteil: 18 Prozent) sehen das anders. In ihren Augen wäre auch Peter Chernin für das Spitzenamt bestens qualifiziert. Der Chief Operating Officer der News Corp. ist mit der Steuerung des Tagesgeschäfts seit Jahren vertraut und gilt zudem als enger Vertrauter des Konzerndoyens. James, heißt es, muß sich solche Meriten erst noch verdienen. Der zweitälteste Sohn des Murdoch-Clans rückte im November 2003 zum Chef von BSkyB auf und avancierte so zum jüngsten Vorstandschef unter den 100 größten Börsenwerten in Großbritannien. Seine Berufung an die Spitze des mit heute 15 Milliarden Euro Börsenwert größten Bezahl-Fernsehsenders in Europa war intern wie auch im Londoner Finanzdistrikt heftig umstritten. Einige Großinvestoren witterten "Vetternwirtschaft" im Murdoch-Imperium und versuchten sich gegen die Nominierung von James zu stemmen. Ohne Erfolg. Großaktionär Rupert Murdoch, der auch den Verwaltungsrat von BSkyB führt, paukte die Besetzung des Chefpostens gegen alle Widerstände durch. "James ist einfach der Beste für diesen Job", begründete er damals seine Wahl. Das Entree bei BSkyB verschaffte sich James mit seinem erfolgreichen Einsatz beim Murdoch-Sender "Star TV" in Hongkong. In seiner fast vierjährigen Amtszeit steigerte er Reichweite und Effizienz und führte das defizitäre Medien-unternehmen so in die Gewinnzone.
James liebt Musik und schnelle Autos. Nach seinem Abitur in New York startete er an der Kaderschmiede Harvard ein Filmstudium. Als sich diese Wahl jedoch rasch als Fehlentscheidung entpuppte, brach er ab und machte sich mit einer Schallplatten-Firma für Hip-Hop-Musik selbständig. Allen Gerüchten zum Trotz hatte James mit diesem Projekt wirt-schaftlichen Erfolg. Rupert Murdoch fühlte sich nach dem unternehmerischen Alleingang jedenfalls animiert, seinen Sohn in die New Yorker Konzernzentrale zu berufen und ihn zum Chef der Musiksparte zu machen. Bewährt er sich auch als Chef bei BSkyB in London, gilt seine Rückkehr nach New York als ausgemacht.