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James McNerney Mister "Post-it" hebt ab

 ·  Fast vier Monate hat sich der Flugzeugbauer Boeing Co. aus Chicago für die Suche nach einem neuen Chef Zeit gelassen, aber am Ende fiel die Wahl auf den Mann, der von Anfang an der Favorit war.

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Fast vier Monate hat sich der Flugzeugbauer Boeing Co. aus Chicago für die Suche nach einem neuen Chef Zeit gelassen, aber am Ende fiel die Wahl auf den Mann, der von Anfang an der Favorit war: James McNerney wird mit Wirkung vom heutigen Freitag Chairman und Chief Executive Officer des Flugzeugbauers und Rüstungskonzerns Boeing Co. aus Chicago. McNerney kommt vom Mischkonzern 3M, der für seine "Post-it"-Haftzettel bekannt ist, sich daneben aber in vielen anderen Geschäftsfeldern wie Sicherheitstechnik und Elektronik bewegt.

Der Chefposten bei Boeing war in jüngster Zeit skandalträchtig, und McNerney wird nun der dritte Chef innerhalb von eineinhalb Jahren. Im März mußte der 68 Jahre alte Harry Stonecipher seinen Posten räumen, nachdem er eine Liebesaffäre mit einer Boeing-Mitarbeiterin zugegeben hatte. Was genau an der Affäre zur Entlassung Stoneciphers geführt hat, ist bis heute nicht bekannt. Der Sturz Stoneciphers hatte eine gewisse Ironie, weil er selbst an die Spitze berufen worden war, um Verhaltensfehltritte der Vergangenheit auszubügeln. Sein Vorgänger Phil Condit ist Ende 2003 im Zusammenhang mit einer Affäre um unlautere Methoden bei der Vergabe von Aufträgen der amerikanischen Regierung zurückgetreten.

Der 55 Jahre alte McNerney wurde sofort nach dem Rücktritt Stoneciphers als Top-Kandidat gehandelt: Zum einen weil er bereits einen Sitz im Verwaltungsrat von Boeing hatte und deshalb mit dem Unternehmen vertraut ist. Zum anderen weil sein Name immer genannt wird, wenn in Amerika ein hochrangiger Chefposten zu besetzen ist. McNerney kam als einer der Kandidaten in dem Rennen um die Nachfolge von Manager-Legende Jack Welch beim Mischkonzern General Electric (GE) zu Prominenz. Welch selbst hat schließlich im Jahr 2001 Jeffrey Immelt ausgewählt. Der enttäuschte McNerney soll damals zu Welch gesagt haben, er habe eine Fehlentscheidung getroffen. Kurz danach verließ er GE und ging zu 3M, auch der zweite unterlegene Kandidat Bob Nardelli wanderte ab und wurde Chef der Heimwerkerkette Home Depot.

3M steckte zur Zeit des Amtsantritts von McNerney in großen Schwierigkeiten: Der Traditionskonzern aus dem Bundesstaat Minnesota litt unter seinen verkrusteten Strukturen, Innovationen blieben aus, und die Umsätze entwickelten sich schwach. McNerney hat 3M aggressive Management-Philosophien verordnet, die er bei GE gelernt hatte, außerdem hat er Tausende von Stellen abgebaut. Die Ergebnisse sprechen für ihn: Im vergangenen Jahr legte der Umsatz um 10 Prozent auf 20,0 Milliarden Dollar zu, der Nettogewinn stieg um 24 Prozent auf 2,99 Milliarden Dollar.

Die Wahl McNerneys bedeutet, daß die beiden internen Kandidaten nicht zum Zuge gekommen sind. So waren Alan Mulally, der Chef der Zivilflugsparte, und Jim Albaugh, der Chef des Rüstungsbereichs, in der Endauswahl. Ob die beiden Manager nun noch eine Zukunft bei Boeing sehen, gilt als offene Frage.

McNerney rückt zu einer Zeit auf den Chefposten von Boeing, in der sich das Unternehmen nach einer Serie von Rückschlägen wieder stabilisiert hat. Im Zivilgeschäft, wo Boeing in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Boden gegenüber dem europäischen Wettbewerber Airbus verloren hat, haben die Amerikaner in jüngster Zeit wieder kräftig aufgeholt. Im Rüstungsbereich konnte Boeing die Auswirkungen der vergangenen Ethik-Affären zumindest zum Teil ausbügeln: So darf das Unternehmen wieder bei Auftragsvergaben der amerikanischen Luftwaffe für Raketenstarts mitbieten. Um einen auf Eis gelegten Milliardenauftrag für Tankflugzeuge der amerikanischen Regierung muß Boeing aber noch immer kämpfen. Um diesen Auftrag bewirbt sich auch die Airbus-Muttergesellschaft EADS. Eine der ersten Entscheidungen von McNerney wird sein, ob Boeing eine aufgefrischte Version des Großflugzeugs 747 entwickeln wird, um besser mit dem Airbus-Modell A380 konkurrieren zu können. Diese Entscheidung dürfte schon bald fallen. 3M hingegen bestimmte am Donnerstag interimistisch Verwaltungsratsmitglied Robert Morrison zum Chief Executive Officer.

Quelle: F.A.Z., 01.07.2005, Nr. 150 / Seite 17
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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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