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Jakob Augstein ein Antisemit? Kein Spaß mehr

Henryk M. Broder bleibt bei seinen Antisemitismus-Vorwürfen gegen Jakob Augstein. Der sagt, Broder spinne - nur habe sein Spinnen einen Grad erreicht, wo der Spaß aufhört.

© Dpa Picture-alliance Vergrößern Henryk M. Broder und Jakob Augstein bei einer Veranstaltung in Berlin im März 2011

Der Journalist Henryk M. Broder sagt, er halte den Journalisten Jakob Augstein für „extrem interessant und angenehm“. Augstein habe gute Manieren. Neulich, so Broder, habe er sogar gesehen, wie Augstein einer Frau die Tür aufgehalten habe.

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Dieser laut Broder so sympathische Mann steht nun wegen ein paar Israel-kritischen „Spiegel-online“-Kolumnen auf der „Top Ten“-Liste der antisemitischen/antiisraelischen Verleumdungen 2012. Dass das so ist, liegt auch an - Broder. Das Simon Wiesenthal Center (SWC) in Los Angeles, das die Liste erstellt hat, führt ihn als einzigen Gewährsmann für die Einstufung Augsteins auf Platz neun an. Broder, früher selbst auf „Spiegel online“ vertreten, hatte Augstein zuvor nicht nur als sympathisch, sondern auch als „kleinen Streicher“ und „lupenreinen Antisemiten“ bezeichnet. Diese Vorwürfe - Broder sagt: „Ich werfe nicht vor, ich stelle fest“ - hat das SWC auf seiner Liste wiedergegeben.

Als weitere Beweise für Augsteins angebliche Gefährlichkeit wurden Sätze aus seiner Kolumne zitiert, etwa: „Das Feuer brennt in Libyen, im Sudan, im Jemen . . . Aber die Brandstifter sitzen anderswo. Die zornigen jungen Männer, die amerikanische - und neuerdings auch deutsche - Flaggen verbrennen, sind ebenso Opfer wie die Toten von Bengasi und Sanaa. Wem nützt solche Gewalt? Immer nur den Wahnsinnigen und den Skrupellosen. Und dieses Mal auch - wie nebenbei - den US-Republikanern und der israelischen Regierung.“

„Antisemitismus-Vorwurf absurd“

Augstein gesteht zu, dass man sich im einen oder anderen Fall über seine Wortwahl streiten könne. Gegen die Streichung des Begriffs „Lager“ für Gaza durch die Redigatur hätte er sich nicht gesträubt, auch wenn er die Bezeichnung für zutreffend halte. Den Antisemitismus-Vorwurf sieht er aber als so absurd an, dass er sich dagegen am liebsten gar nicht verteidigen würde. Auch die Top-Ten-Liste sei „unseriös“, ein „Propagandainstrument aus der unteren Schublade“. Die „Gleichsetzung von Israel-Kritik und Antisemitismus“, die vom SWC bestritten wird, aber in der Bezeichnung der Liste dennoch angedeutet (Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs) ist, verstehe in Deutschland keiner, so Augstein.

Broder hält die Liste zumindest für „albern“ und „sinnlos“. Einerseits. Andererseits für „einen gelungenen PR-Gag“. Auch ist er der Ansicht, dass Augstein dort genau richtig steht, und zwar gerade deshalb, weil er kein „Klassiker des Genres“ sei wie etwa der iranische Präsident Ahmadineschad (Platz 2) oder Hitler. Vielmehr entspreche Augstein dem modernen Typus des Antisemiten, welcher der eigentlich relevante sei und von dem es auf der Liste viel zu wenige gebe. „Mich interessiert nicht der letzte Holocaust“, sagt Broder, „sondern der mögliche nächste, dem mit Texten wie denen von Augstein der Weg geebnet wird.“

Augstein gehöre sogar noch besser plaziert, „ins obere Drittel“ der Top Ten, also vor die ungarische Jobbik-Partei oder antisemitische Fußballfans, auf eine Stufe mit Günter Grass. Dass der Schriftsteller, der Israel als „Gefahr für den Weltfrieden“ bezeichnet hatte, auf der Liste gar nicht aufgeführt wird, hat Broder überrascht.

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