19.03.2004 · Zum ersten Jahrestag des Einmarsches in Irak hat Präsident Bush zu weltweiter Geschlossenheit im Kampf gegen den Terror aufgerufen. Jedes Zeichen von Schwäche oder Rückzug bestätige die Terroristen, sagte Bush.
Zum ersten Jahrestag des Einmarsches in Irak hat der amerikanische Präsident George W. Bush zu weltweiter Geschlossenheit im Kampf gegen den Terror aufgerufen. Jedes Zeichen von Schwäche oder Rückzug bestätige die Terroristen, sagte Bush am Freitag im Weißen Haus.
„Jegliches Anzeichen von Schwäche oder Rückzug provoziert mehr Gewalt in allen Nationen“, sagte Bush am Freitag im Weißen Haus in Washington vor Vertreten von 83 Nationen. „Der einzige sichere Weg, die Menschen zu schützen ist gemeinsames und entschiedenes Handeln", sagte er.
Koalition beginnt zu wanken
Die von dem Amerikanern geführte Irak-Koalition ist in den letzten Tagen ins Wanken geraten. Zuletzt zog Südkorea ein Angebot zurück, Soldaten in die nordirakische Stadt Kirkuk zu entsenden. Bagdad wurde am Freitagabend erneut von mehreren Explosionen erschüttert. Kein Staat sei vor Gewalttaten gefeit, sagte Bush mit Blick auf die Anschläge von Madrid vergangene Woche. Mit dem Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein sei aber eine Quelle der Gewalt und Instabilität beseitigt worden, betonte Bush.
Der französische Außenminister Dominique de Villepin erklärte dagegen, der Irak-Krieg habe die Welt noch gefährlicher gemacht. Seit der Invasion sei das Land heute die wichtigste Quelle des weltweiten Terrors, wurde der Minister von der Zeitung „Le Monde“ zitiert. Nach dem angedrohten Truppenabzug Spaniens kündigte Südkorea am Freitag an, keine Truppen in Kirkuk zu stationieren, sondern nach einem anderen Standort für die zugesagten 3.600 Soldaten zu suchen. Seoul sei von Washington zur Beteiligung an Militäroffensiven gedrängt worden, hieß es zur Begründung.
Rückendeckung kam jedoch von Polen und der Nato. Der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski versicherte seinem Sicherheitsberater zufolge, die polnischen Truppen würden „so lange wie notwendig und noch einen Tag länger“ in Irak bleiben. Am Donnerstagabend hatte Kwasniewski noch erklärt, Polen sei hinsichtlich irakischer Massenvernichtungswaffen von Washington getäuscht worden und erwäge einen frühzeitigen Abzug seiner Soldaten. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer forderte die Alliierten auf, ihre Soldaten nicht aus Irak abzuziehen.
Der amerikanische Außenminister Colin Powell traf in Bagdad mit Zivilverwalter Paul Bremer zusammen, vorgesehen war zudem ein Treffen mit Mitgliedern des irakischen Regierungsrats und amerikanischen Soldaten. Die Vereinigten Staaten sähen sich Schwierigkeiten in Irak gegenüber, räumte Powell ein.
Seit Kriegsbeginn kamen dort nach Angaben des Verteidigungsministeriums 570 amerikanische Soldaten ums Leben. Als Reaktion auf den Tod mehrerer Medienmitarbeiter verließen mehrere arabische Journalisten demonstrativ eine Pressekonferenz Powells. Nach Angaben des Senders El Arabija hatten amerikanische Soldaten in Bagdad zwei Mitarbeiter des Senders erschossen.
Annan erwägt Entsendung eines neues Expertenteams
UN-Generalsekretär Kofi Annan stellte am Donnerstagabend in New York die Entsendung eines neuen Expertenteams der Vereinten Nationen in Aussicht. Der irakische Regierungsrat hatte in einem Schreiben an den Weltsicherheitsrat um Hilfe bei der Vorbereitung der Machtübernahme bis hin zu freien Wahlen gebeten. Auch Bremer hatte die UN um die Entsendung eines weiteren Teams gebeten.
Ein Mitarbeiter des dänischen Geheimdienstes hat nach eigenen Angaben vor zwei Jahren einen geheimen Bericht an eine Zeitung weitergegeben, demzufolge Irak keine Massenvernichtungswaffen besaß. Eine Zeitung hatte im Februar Auszüge des Berichts gedruckt. Die dänische Regierung hatte die Annahme auf Existenz solcher Waffen vor dem Parlament heftig verteidigt, ihre Beteiligung am Irak-Krieg jedoch nicht nur darauf gestützt.