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Jaap de Hoop Scheffer Brückenbauer

23.09.2003 ·  Zwei Jahrzehnte nach dem Rückzug des legendären Nato-Generalsekretärs Joseph Luns wird wieder ein Niederländer den höchsten zivilen Posten der atlantischen Allianz bekleiden.

Von Michael Stabenow
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Zwei Jahrzehnte nach dem Rückzug des legendären Nato-Generalsekretärs Joseph Luns wird wieder ein Niederländer den höchsten zivilen Posten der atlantischen Allianz bekleiden. Anders als der spitzzüngige Luns, dessen Auftritte gelegentlich Kabarettcharakter annehmen konnten, ist Jaap de Hoop Scheffer ein Mann der leisen Töne. Der 1948 in Amsterdam geborene Diplomatensohn trat nach dem Jurastudium in den Haager auswärtigen Dienst ein und damit in die Fußspuren des Vaters. Seit der Rückkehr des Christlich Demokratischen Appells (CDA) an die Macht im vergangenen Jahr ist de Hoop Scheffer Außenminister.

Die niederländische Haltung während der Irak-Krise, in der die Regierung zwar die militärische Intervention politisch unterstützte, aber keine eigenen Truppen schickte, trägt seine Handschrift. Obwohl der kommende Nato-Generalsekretär in der niederländischen Tradition einer äußerst engen transatlantischen Zusammenarbeit steht, gilt er auch innerhalb der Europäischen Union als ausgesprochen integrationsfreundlich. Deshalb scheint der Minister ideal zu verkörpern, was Regierungschef Jan Peter Balkenende jetzt zur Rolle seines Landes gesagt hat: "Wir werden als Brückenbauer zwischen Europa und den Vereinigten Staaten anerkannt."

So verständlich die Genugtuung Balkenendes sein mag, so deutlich sind dennoch die Zweifel an den politischen Führungsfähigkeiten de Hoop Scheffers geblieben. Nato-Luft konnte er zwar Ende der siebziger Jahre in der niederländischen diplomatischen Vertretung im zivilen Hauptquartier der Allianz sammeln. Als Politiker trat de Hoop Scheffer erst in den neunziger Jahren ins Rampenlicht. Drei Jahre nach der Wahlschlappe des früheren Regierungschefs Ruud Lubbers rückte er zum Spitzenkandidaten seiner Partei auf. In den Hochzeiten des lilafarbenen Bündnisses aus Sozialdemokraten sowie Links- und Rechtsliberalen gelang es de Hoop Scheffer indessen nicht, den Niedergang des CDA aufzuhalten. Im Jahr 2001 warf de Hoop Scheffer dann das Handtuch, ehe ihm nach der überraschenden Rückkehr der Christlichen Demokraten an die Macht im Frühsommer 2002 der Posten des Außenministers zufiel.

Auf Tagungen der Nato und der EU hielt er sich meistens mehr im Hintergrund; als turnusgemäßer Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bewies er dagegen häufig taktisches Geschick, nicht zuletzt in der Diskussion um die Achtung der Menschenrechte in der früheren Sowjetunion. Als die Debatte um die Nachfolge des zum Jahresende aus dem Amt scheidenden Nato-Generalsekretärs Lord Robertson entbrannte, tauchte auch der Name de Hoop Scheffer auf. Daß die niederländische Regierung in der Irak-Krise nicht den als Ergebenheitsadresse gegenüber Washington empfundenen Brief von acht europäischen Partnern mit unterzeichnet hat, brachte dem Außenminister auch bei den östlichen und südlichen Nachbarn Respekt ein. Und nach drei sozialdemokratischen Nato-Generalsekretären (Claes, Solana und Robertson) schien es in der Brüsseler Zentrale einfach wieder einmal Zeit für einen Mann aus dem bürgerlichen Lager zu sein.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2003, Nr. 222 / Seite 10
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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in Brüssel.

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