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Italien Mafia-Verbindungen: Berlusconi-Vertrauter verurteilt

11.12.2004 ·  Keine 24 Stunden nach dem Freispruch des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hat ein Gericht in Palermo einen seiner Vertrauten wegen Verbindungen zur Mafia zu neun Jahren Haft verurteilt.

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Keine 24 Stunden nach dem Freispruch des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hat ein Gericht in Palermo einen seiner Vertrauten wegen Verbindungen zur Mafia zu neun Jahren Haft verurteilt. Nach einer Prozeßdauer von rund sieben Jahren und einer Rekord-Beratungszeit von 13 Tagen gaben die Richter am Samstag der Anklage Recht, der zufolge Marcello Dell'Utri Verbindungsmann zwischen der Mafia und der politischen und wirtschaftlichen Elite des Landes gewesen ist.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Senator der Berlusconi-Partei Forza Italia vorgeworfen, zwischen 1974 und 1994 regelmäßig Kontakte zu Vertretern der sizilianischen Cosa Nostra gehabt zu haben, und elf Jahre Haft gefordert. Dell'Utri war zu dieser Zeit für Berlusconis Firmenimperium Fininvest tätig. Er gilt als enger Vertrauter des milliardenschweren Medienmoguls und Regierungschefs.

Berlusconi: Kein Kommentar

Dell'Utri unterstützte Berlusconi bei der Gründung seiner Partei, verhalf ihm als Wahlkampfmanager 1994 zum ersten Mal an die Spitze der italienischen Regierung und leitete seine Werbeagentur Pubitalia. Im April wurde er in einem anderen Verfahren der Erpressung für schuldig befunden und zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Berlusconi hatte den angeklagten Dell'Utri vergangene Woche in den Vorstand seiner Partei gehoben und wiederholt erklärt: „Für ihn würde ich nicht eine Hand ins Feuer legen, sondern beide.“ Berlusconi wollte zu dem Urteil gegen seinem Vertrauensmann am Samstag nicht Stellung nehmen: „Nein. Ich werde keinen Kommentar abgeben", sagte er Reportern in Venedig.

Der Ministerpräsident selbst war am Vortag durch eine Verjährungsfrist vor einer Verurteilung in einem Korruptionsprozeß bewahrt worden. Ein Gericht in Mailand verwarf einen Anklagepunkt zur Komplizenschaft bei der Richterbestechung unter Hinweis auf den Ablauf der Frist.

Politisch motivierte Hexenjagd?

In einem zweiten Punkt wurde der 68 Jahre alte Dell'Utri, der die Vorwürfe abstreitet und sich als Opfer einer politisch motivierten Hexenjagd bezeichnet, freigesprochen. Der Anklage zufolge soll Berlusconi in den Achtziger Jahren und noch einmal 1991 Richter bestochen und sich so seinem Firmenimperium Fininvest dienliche Entscheidungen erkauft zu haben.

Ein Fininvest-Anwalt und ein Richter sind in diesem Fall im vergangenen Jahr zu fünf und acht Jahren Haft verurteilt worden. „Gestern wurde der Ministerpräsident um Haaresbreite gerettet und heute wird sein Vertrauter Marcello Dell'Utri verurteilt.

Erste Runde eines langen Kampfes

„Diese politische Klasse ist es nicht wert, das Land zu regieren", sagte der Oppositionspolitiker und ehemalige Anti-Korruptions-Ermittler Antonio di Pietro. Dell'Utris Verteidiger kündigten an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen, das den Politikern auch von all seinen öffentlichen Ämtern entbinden würde. „Das ist die erste Runde eines langen Kampfes", sagte einer seiner Verteidiger.

Der Prozeß gegen Dell'Utri begann im Jahr 1997 und bekam durch die Verhaftung eines ranghohen Mitglieds der Cosa Nostra im Jahr 2002 eine neue Wende. Der Verhaftete wurde zum Hauptzeugen der Anklage und stützte die schwersten Vorwürfe. Dem Mafioso zufolge war Dell'Utri der wichtigste Verbindungsmann der Cosa Nostra zu Berlusconis Partei. Die Forza Italia habe von der Mafia Unterstützung bei Wahlen und politische Gefälligkeiten erhalten. Ihm zufolge hat auch Berlusconi persönlich einen Mafia-Paten getroffen. Der italienische Regierungschef bezeichnet die Vorwürfe als absurd.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters
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