30.07.2010 · Berlusconi kann es offenkundig nicht verwinden, dass Kammerpräsident Fini sein Amt nicht ausübt, als sei es ein Werkzeug des Regierungschefs. Zu einer Zeit, da Italien eine stabile Regierung brauchte, um die Sparpolitik durchzusetzen, demontiert diese sich selbst.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerWenn der Cavaliere sich mal nicht täuscht: Seine Mehrheit sei nicht in Gefahr, ruft Italiens Ministerpräsident Berlusconi frohgemut aus. Aber das Zerwürfnis mit Kammerpräsident Fini, das ein Kampf um Macht, Führung und Stil ist, könnte ihn ebendiese Mehrheit kosten.
Was die satisfaktionsunfähige Opposition nicht schafft und auch die Justiz nicht, das besorgen die führenden Leute in der Regierungspartei „Volk der Freiheit“ nun selber. Sollte eine hinreichend große Zahl von Fini-Anhängern das Bündnis verlassen, dürfte es eng werden für Berlusconi.
Der kann es offenkundig nicht verwinden, dass Fini, nach wirren Anfängen mehr und mehr zum Staatsmann gereift, das Amt des Kammerpräsidenten nicht so ausübt, als sei es ein Werkzeug des Regierungschefs. Schon hier und da zum Erben Berlusconis in der Partei promoviert, hat Fini mehrfach Moral und Legalität in der Politik angemahnt - und den Regierungschef mitsamt seiner Umgebung gemeint. Zu einer Zeit, da Italien eine stabile Regierung brauchte, um die Sparpolitik durchzusetzen, ist die dabei, sich selbst zu zerlegen.
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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