16.11.2003 · Auf zwei Synagogen in Istanbul haben Terroristen Bombenanschläge verübt. 23 Menschen starben, hunderte wurden verletzt. Vier Verdächtige wurden festgenommen und wieder freigelassen. Einer Zeitung zufolge hat sich Al Qaida zu den Anschlägen bekannt.
Nach den verheerenden Terroranschlägen auf zwei Synagogen in Istanbul sind vier Verdächtige festgenommen und verhört, kurz darauf aber wieder freigelassen worden. Bei dem Doppelanschlag waren am Samstag 23 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt worden. Das Terrornetzwerk Al Qaida von Usama bin Ladin hat sich nach Angaben der in London erscheinenden arabischen Zeitung „Al Kuds Al Arabi“ zu den Anschlägen bekannt.
Der israelische Außenminister Silvan Schalom traf am Sonntag in Istanbul ein und legte einen Kranz vor der halbzerstörten Synagoge Neve Shalom nieder. Unter den Getöteten waren nach Angaben der türkischen Behörden fünf Juden, bis zu 80 wurden verletzt. Die meisten Opfer waren muslimische Passanten und Anwohner der beiden Gotteshäuser. Von den insgesamt 303 Verletzten lagen am Sonntag noch 71 im Krankenhaus.
Nach türkischen Angaben mehren sich die Hinweise auf eine Urheberschaft der Terrororganisation Al Qaida. Zwar hatte sich bereits am Samstag die militante Gruppe Kampffront des Großen Islamischen Ostens (IBDA-C) zu dem Anschlag bekannt. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan äußerte jedoch Zweifel daran, daß der Doppelanschlag von einer türkischen Organisation allein hätte bewerkstelligt werden können. „Dieser Vorfall geht, glaube ich, über die nationale Dimension hinaus auf die internationale“, sagte Erdogan. Nahezu zeitgleich waren am Samstag während der Sabbatgebete zwei Autobomben vor der Neve-Shalom-Synagoge, der größten Istanbuls, und der fünf Kilometer entfernten Beth-Israel-Synagoge explodiert. Sie seien vermutlich von Selbstmordattentätern gezündet worden, sagte Außenminister Abdullah Gül am Samstagabend.
Zeitgleiche Explosionen
Nahezu zeitgleich waren während der Sabbatgebete zwei Autobomben vor der Neve-Shalom-Synagoge, der größten Istanbuls, und der fünf Kilometer entfernten Beth-Israel-Synagoge explodiert. Sie seien vermutlich von Selbstmordattentätern gezündet worden, sagte Außenminister Abdullah Gül. Laut einem Anadolu-Bericht waren die beiden Tatfahrzeuge mit gefälschten Nummernschildern ausgestattet und mit je 400 Kilogramm Sprengstoff beladen. Die Sprengsätze seien in Säcke gewickelt und zwischen Behältern mit Reinigungsmitteln versteckt worden. In jeder der beiden Synagogen befanden sich zum Zeitpunkt der Anschläge rund 300 Gläubige.
"Die Bombe explodierte, als wir mitten im Gebet waren“, sagte der Rabbiner Yitzhak Haliva von der Synagoge Neve Shalom, die sich im europäischen Teil der türkischen Metropole befindet. Ein Kleinlaster explodierte vor dem jüdischen Gotteshaus, dessen Name eigentlich „Oase des Friedens“ bedeutet. Viele dachten zuerst an ein Erdbeben. Eine gewaltige Explosion riß einen Krater in die Straße vor dem jüdischen Gotteshaus und brachte die Fassade zum Einsturz. Auf den Straßen lagen die Splitter teilweise knöcheltief. Tote lagen auf der Straße, Leichenteile waren notdürftig mit Zeitungen bedeckt. In 23 Istanbuler Krankenhäusern kämpften die Mediziner um das Leben von Verletzten.
Enge Beziehungen zu Israel
Die Türkei ist das einzige muslimische Land, das enge Beziehungen zu Israel unterhält. Für einen Angriff auf die Neve-Shalom-Synagoge im Jahr 1986, bei dem Bewaffnete 22 Besucher eines Gottesdiensts töteten, wurden Palästinenser verantwortlich gemacht. Der israelische Außenminister äußerte sich indessen zurückhaltend zu dem Verdacht, das Terrornetzwerk Al Qaida könnte hinter den Anschlägen stehen. Die Ermittlungen in Istanbul werden von israelischen Experten unterstützt.
Weltweit Trauer und Entsetzen
Die Anschläge haben die Türkei geschockt. Von einer Bombe, die gegen den Frieden in der Türkei gerichtet war, sprach Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Die Türken sind stolz darauf, daß sie auch als moslemisches Land ein für die Juden gastfreundschaftlicher Staat sind. Vor einem halben Jahrtausend schon luden die Türken im damaligen Osmanischen Reich spanische Juden in ihr Land ein, die in ihrer Heimat von der Inquisition verfolgt wurden. In der Nazi-Zeit öffnete die Türkei ihre Tore für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland, darunter war auch der spätere Berliner Bürgermeister Ernst Reuter.
Weltweit riefen die Attentate Trauer und Entsetzen hervor. Der amerikanische Präsident George W. Bush und Bundesaußenminister Joschka Fischer verurteilten die Angriffe aufs Schärfste. Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach Erdogan seine Anteilnahme aus. Nato-Generalsekretär George Robertson sprach von barbarischen Angriffen auf unschuldige Menschen. Auch Griechenland, Frankreich, Großbritannien und Schweden verurteilten die Anschläge.