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Freitag, 17. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Israelische Militäraktion Blindwütig

12.06.2006 ·  Noch ist unklar, wie es zur Auslöschung einer palästinensischen Familie am Strand von Gaza durch die israelische Armee kam. In den Augen der Weltöffentlichkeit wird Israels Armee den Terroristen immer ähnlicher.

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Der Empfang für den israelischen Ministerpräsidenten Olmert, der in dieser Woche London und Paris besucht, dürfte kühler ausfallen als erhofft. Die Bilder von der Auslöschung einer friedlich am Strand picknickenden palästinensischen Familie durch die israelische Armee haben ihm ein denkbar schlechtes Entree verschafft.

Noch ist unklar, wie es dazu kam. Doch es gibt zu viele "versehentliche" Opfer von Militäraktionen, als daß man von einem bedauerlichen Einzelfall sprechen könnte. In den Augen der Weltöffentlichkeit wird Israels Armee den Terroristen immer ähnlicher, die ihre Kassem-Raketen wahllos auf israelische Städte richten. Noch treffen sie nicht, aber die Terroristen lernen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die zermürbten Bürger von Sderot und Aschkelon ebenso um ihre Toten trauern werden wie die unschuldigen Familien im Gazastreifen.

Verteidigen ja - aber nicht blindwütig

Natürlich muß sich Israel gegen Kassem-Stellungen verteidigen - aber nicht blindwütig. Mit Vergeltungsschlägen, die zivile Opfer fahrlässig in Kauf nehmen, kann man ideologisch verbohrte Terroristen nicht abschrecken, nur unschuldiges Blut vergießen.

Verteidigungsminister Peretz, Chef der Arbeiterpartei und Bürger von Sderot, treibt noch dieselbe Politik wie sein Vorgänger Mofaz, dem er einst brutales und geistloses Draufhauen vorwarf. Auch Ministerpräsident Olmert geht keine neuen Wege. Vielmehr benimmt sich Israel wie der Elefant im Porzellanladen.

Verstand und Dialog für einen sicheren Staat

Der stärkste Staat der Region bittet Ägypten, in Gaza für Ruhe zu sorgen, seinen Flughafen in El Arish für palästinensische Güter zu öffnen und womöglich einem Landtausch zuzustimmen, damit Siedler ihr besetztes Land behalten können. Der jordanische König soll Mitverantwortung tragen für einseitige Schritte Israels beim Abzug aus dem Westjordanland.

Endlich wagt der palästinensische Präsident Abbas, die Hamas-Regierung per Referendum in ihre Schranken zu weisen, doch Olmert hat für den Schwächeren, den bankrotten Verwalter eines besetzten Landes, nur Kritik übrig: Das Referendum sei keine Basis für ernsthafte Gespräche. Nach Washington sollten nun auch die EU-Partner Olmert darauf verweisen, daß Israel zu einem sicheren Staat in sicheren Grenzen nicht nur mit der Waffe gelangt, sondern auch Verstand und Dialog dazu braucht.

Quelle: jöb., F.A.Z., 12.06.2006, Nr. 134 / Seite 1
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