27.06.2006 · Israel ist ein fußballbegeistertes Land und die Aufmerksamkeit somit besonders groß. Sie gilt aber dem Sport und weniger neuen deutschen Befindlichkeiten. Berichtet wird über die neue Begeisterung in Schwarz-Rot-Gold. Mahnende Töne tauchen nicht auf.
Von Majid SattarWerden Deutsche in Amerika zumeist auf Bier und Autobahn angesprochen, so ist deren Markenzeichen in Israel die Bundesliga. Israel ist ein fußballbegeistertes Land, und deutsche Kicker werden - neben englischen und italienischen - intensiv im Kabelfernsehen verfolgt. Da sich die israelische Nationalmannschaft diesmal fast für die Endrunde qualifiziert hätte - die Franzosen machten ihr einen Strich durch die Rechnung -, ist die Aufmerksamkeit besonders groß. Sie gilt dem Sport und weniger neuen deutschen Befindlichkeiten.
Keine mahnenden Töne
„Weltmeisterschaft wühlt Nationalstolz der Deutschen auf“, schreibt die Tageszeitung „Haaretz“ und berichtet über die neue Begeisterung in Schwarz-Rot-Gold. Mahnende Töne tauchen nicht auf. Statt eigener Kommentare überläßt man deutschen Feuilletonisten die Deutung, die sich über den „natürlichen, leichten, feierlichen“ Patriotismus auslassen. In der neuen deutschen Befindlichkeit sucht das linksliberale Blatt aber auch nach Kontinuitätslinien und wird sogleich fündig: Daß es Berliner Polizeistreifen untersagt wird, ihre Wagen mit der deutschen Fahne zu schmücken, wird festgehalten: Ordnung muß sein.
Neugierig geworden auf die deutsche Leichtigkeit ist scheinbar der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert. „Haaretz“ will erfahren haben, daß dieser am 9. Juli zum Finale nach Berlin fliegen will. Noch ist die Reise nicht bestätigt. Die schreibende Zunft übt sich aber dennoch bereits in einer sehr deutschen Tugend und rechnet auf, wieviel Steuergelder für den Besuch im Berliner Olympiastadion draufgehen. Olmert könnte darauf verweisen, daß Politik und Sport sich nicht immer trennen lassen: Die Ehrentribüne wird am Endspiel-Sonntag so prominent besetzt sein wie mancher G-8-Gipfel. Und soviel ist auch klar: Ahmadineschad wird nicht dasein.