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Israel Fischer: Scharon war kein Mann des Friedens

11.01.2006 ·  Es könne womöglich noch Monate dauern, das Ausmaß der Schädigungen Scharons zu bestimmen, sagt sein behandelnder Arzt. Für den früheren deutschen Außenminister war der israelische Premier „weder als Politiker noch gar als Militär ein Mann des Friedens“.

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Es könne womöglich noch Wochen und Monate dauern, den Gesundheitszustands von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon zu beurteilen, sagt sein behandelnder Arzt. „Wir sind immer noch weit davon entfernt, das Ausmaß der Schädigungen zu bestimmen“, sagte Felix Umansky, Chefchirurg am Jerusalemer Hadassah-Krankenhaus, am Mittwoch der Tageszeitung „Jediot Ahronot“.

Der Neurochirurg erklärte, es sei nicht vorherzusehen, ob Scharon sich vollständig erholen werde. „In manchen Fällen kehren alle Funktionen zurück, in anderen nicht.“. Scharons Ärzte verringerten die Dosis der Narkosemittel am Mittwoch weiter, um den Patienten schrittweise aus dem künstlichen Koma zu holen. Er schwebt inzwischen nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr. Scharons Ärzte hatten am Montag begonnen, ihn aus dem künstlichen Koma zu holen, in das er nach seinem schweren Schlaganfall am vergangenen Mittwoch versetzt worden war. Seither wird getestet, wie Scharon auf Reize wie Schmerz, Geräusche oder Gerüche reagiert.

Fischer würdigt Abzug aus dem Gazastreifen

Der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat unterdessen eine kritische Bilanz der Amtszeit des israelischen Ministerpräsidenten gezogen. „Er war weder als Politiker noch gar als Militär ein Mann des Friedens“, schrieb Fischer in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“.

Video: Hoffen auf Genesung von Scharon

Einerseits sei es Scharons bleibendes Verdienst, mit dem israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen zum ersten Mal besetztes palästinensisches Gebiet ohne Gegenleistung aufgegeben zu haben. Hinter diese strategische Wende Israels werde kaum ein Weg zurückführen, egal, wie die bevorstehenden Wahlen auf beiden Seiten ausgehen würden. Andererseits sei Scharon jedoch „der politische Ziehvater der territorialen Expansion und damit der israelischen Siedlungsbewegung“, schrieb Fischer weiter.

„Entscheidende Schwächen“ der Politik Scharons

Fischer, der am Entwurf eines Friedensfahrplans für den Nahen Osten, der so genannten „Roadmap“, beteiligt war, schrieb weiter, Scharon habe niemals ernsthaft an die Möglichkeit eines Friedens mit den Palästinensern geglaubt. Auch in der Frage des Status' von Jerusalem sei er „völlig unbeweglich“ gewesen. Die Perspektive für die ehemals besetzten Gebiete habe Israels Regierungschef nicht gekümmert. Gazas Entwicklung sei in seinen Augen fortan eine Sache der Palästinenser gewesen.

Es komme daher nun darauf an, die „entscheidenden Schwächen“ von Scharons Politik auszubessern. Fischer warnte, ein palästinensischer De-facto-Staat, der aus von Israel militärisch aufgegebenen, miteinander kaum verbundenen und nicht wirklich lebensfähigen palästinensischen Territorien bestehe, könne nicht im Interesse Israels sein.

Fischer dementiert Harvard-Professur

Indes hat Fischer Meldungen dementiert, er sei an die amerikanische Elite-Universität Harvard berufen worden. Sichtlich erzürnt sagte Fischer am Rande der Grünen-Fraktionsklausur in Wörlitz, er habe „nicht die Absicht auszuwandern“. Eine entsprechende Meldung „wird die Anwälte beschäftigen“. „Mein Hauptwohnsitz ist und bleibt Berlin.“ Er habe allerdings ein Angebot von einer anderen amerikanischen Universität. „Ich denke darüber nach.“

Die „Bild“-Zeitung hatte unter Berufung auf Informationen aus dem Freundeskreis des Politikers berichtet, Fischer wolle künftig an der amerikanischen Elite-Universität Harvard als Gastprofessor Internationale Beziehungen lehren. Danach wolle Fischer, der selbst nie ein Studium abgeschlossen hat, das Angebot für eine Gastprofessur an der Harvard-Universität bei Boston einer Offerte der angesehenen Princeton-Universität bei New York vorziehen. Die Zeitschrift „Stern“ berichtet, Fischer wolle mit seiner Ehefrau für zwei bis drei Jahre in die Vereinigten Staaten ziehen.

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