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Islamistischer Terror „Abu Talha, der Deutsche“ droht wieder

20.09.2009 ·  Der aus Bonn stammende Islamist Bekkay Harrach, der abermals in Video- und Audiobotschaften im Internet mit Terror gegen Deutschland droht, ist für die deutschen Sicherheitsbehörden kein Unbekannter. „Abu Talha“ soll in Kontakt mit der Führungsebene des Terrornetzes Al Qaida stehen.

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Der aus Bonn stammende Islamist Bekkay Harrach, von dem am Wochenende im Internet Terrordrohungen gegen Deutschland publik wurden, hat nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden Zugang zur Führungsebene des Terrornetzes Al Qaida. Dem vermutlich 32 Jahre alten Harrach werden Kontakte zu Islamisten unter anderem in Frankfurt am Main, Braunschweig und Ulm nachgesagt.

Schon nach einer ersten Propagandabotschaft Mitte Januar leitete die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ein Ermittlungsverfahren gegen den gebürtigen Marokkaner wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung ein. Harrach, der seit 1997 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, soll innerhalb von Al Qaida an führender Stelle mit der Planung von Anschlägen betraut sein. Demnach ist Harrach, der sich „Abu Talha, der Deutsche“ nennt, offenbar in der Abteilung für „Auswärtige Operationen“ aktiv. Dort fungiert er als eine Art Nachrichtensprecher, der sich direkt an das deutsche Publikum wendet. Laut Bundesanwaltschaft wurde Harrach wohl in Deutschland von dem inzwischen zu acht Jahren Haft verurteilten hochrangigen Al-Qaida-Mitglied Aleem N. für das Terrornetz angeworben.

Nach den Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden soll sich Harrach seit 2007 im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet aufhalten. Dort in der Region Waziristan soll er unter dem Schutz eines örtlichen Kriegsherrn stehen. Mit dem glatt rasierten Gesicht, mit dem er sich in einem der beiden jüngsten Videos zeigt, dürfte er dort allerdings auffallen. Bei dem ersten, am 17. Januar aufgetauchten Video hatte er noch mit einer Panzerfaust posiert und sie abgefeuert. Bei einer weiteren Aufnahme stand er in einem abgedunkelten Raum neben einem Gewehr und erklärte: „Mich für Allah in die Luft zu sprengen ist mein Wunsch seit 1993.“ Das BKA hatte von einer „erheblichen Drohkulisse“ gesprochen. Diesmal erschien Harrach vermeintlich seriös in dunklem Anzug, weißem Hemd und hellblauer Krawatte vor einem roten Vorhang.

Am Sonntag folgte eine weiter in deutscher Sprache gesprochene Audiobotschaft unter dem Titel „O Allah, ich liebe dich“. Ein Standbild zeigt mutmaßlich Harrach mit verhülltem Gesicht. Laut BKA enthält es aber keine konkrete Anschlagsdrohung. Schon im Januar nannte Harrach die Deutschen „leichtgläubig und naiv“, wenn sie meinten, in Afghanistan „als drittgrößter Truppensteller ungeschoren davon zu kommen“. In einer weiteren Botschaft Ende Februar pries er die Vorzüge des islamischen Wirtschaftssystems und kritisierte den Kapitalismus - verzichtete damals aber im Gegensatz zum dritten Video auf konkrete Drohungen.

Dank für Hilfe der Regierung

Nach unbestätigten Presseberichten soll Harrach von 2002 bis 2004 an der Fachhochschule Koblenz Lasertechnik und Wirtschaftsmathematik studiert haben, bis er sich im Jahr 2004 erst in den Irak und dann nach Syrien abgesetzt habe, wo er vorübergehend in Haft gewesen sei. In einem jüngsten Videos nimmt Harrach möglicherweise darauf Bezug, denn er bedankt sich bei der Bundesregierung für „ihre schnelle Hilfe aus meiner Haft in Syrien“. Zudem bedankt er sich für die schnelle Hilfe der Regierung „nach meiner Schussverletzung in Hebron/Palästina“ und dafür, dass seine (damals schwangere) Frau nach seiner Reise nach Afghanistan nicht belästigt und später auch nicht an der eigenen Ausreise gehindert worden sei.

In dem am Freitag öffentlich gewordenen Video hatte Harrach erklärt, wegen der Hilfe, die ihm die Bundesrepublik persönlich habe zuteil werden lassen, wolle er sich „erkenntlich zeigen“. Al Qaida gebe „dem deutschen Volk die Möglichkeit“, das Bevorstehende zu verhindern: „Sollte allerdings das deutsche Volks seine zur Auswahl stehenden Parteien mehrheitlich nicht dazu bewegen wollen, seine Soldaten aus Afghanistan abzuziehen“, werde es nach den Wahlen „ein böses Erwachen geben“.

Das sogenannte Drohvideo hat sich zu einem beliebten Propaganda-Instrument islamistischer Terroristen entwickelt. Die mehr oder weniger kurzen, von wirren Koran-Auslegungen und Beschimpfungen durchwirkte Filmchen gelangen seit längerem über islamistische Internetseiten wie beispielsweise die der Global Islamic Mediafront (GIMF) zunächst an eine Art Fachöffentlichkeit, die aus Islamisten, Polizisten und Journalisten besteht.

Mit Analysen und Kommentaren versehen, werden die Videos dann weltweit publiziert und entfalten eine vielfache Wirkung. Einerseits ziehen sie mit Verherrlichungen des Terrorismus junge Islamisten an. Andererseits schüren sie in der westlichen Öffentlichkeit ein Klima der Angst. Es reichen dazu eine Videokamera, eine Schneideprogramm vom Laptop und einige exhibitionistische Laiendarsteller in schmuddeligen Kampfmonturen vor Afghanistan-Kulisse. (Siehe auch: Internet-Drohungen: Al Qaidas Video-Club)

Quelle: FAZ.NET mit AFP / AP ; gif.
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