In Wahlkampfzeiten stehen staatliche Aktionen in einem politischen Kontext. Die Razzia gegen eine salafistische, radikalislamistische Gruppierung in Frankreich ist da keine Ausnahme. Die Organisation wurde schon vor den Serienmorden von Toulouse verboten, aber dass die Festnahme von Verdächtigen und das Ausheben eines Waffenlagers - die Rede ist von mehreren Kalaschnikows - jetzt stattfanden, ist kein Zufall. Es ist auch keine Frage, dass das Vorgehen gegen tendenziell gewaltbereite Gruppen oder Hassprediger dem Präsidenten-Kandidaten Sarkozy zugute kommt. Er beweist damit die Entschlossenheit des Staates, also derzeit seine eigene, im Kampf gegen religiös motivierte Gewalt.
Doch auch die Fakten sind besorgniserregend. In Vorstädten, wo junge Franzosen leben, deren Eltern oder Großeltern einst aus islamischen Ländern eingewandert waren, gibt es eine Abwendung von der Mehrheitsgesellschaft. Aus der sozialen Deklassierung kann die Suche nach Identität per Religion erwachsen. Das führt nicht automatisch zu Gewalt, aber manchmal auf eine schiefe Ebene, die dort enden kann.