17.03.2004 · Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat nach den Anschlägen von Madrid vor einem Generalverdacht gegen in Deutschland lebende Muslime gewarnt.
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Karl Lehmann, hat nach den Anschlägen von Madrid vor einem Generalverdacht gegen in Deutschland lebende Muslime gewarnt. Die Taten rechtfertigten nicht eine generelle Skepsis gegenüber dem Islam, sagte Lehmann am Mittwoch im Deutschlandfunk.
Moderate Muslime müßten sich aber klar von radikalen Vertretern ihrer Religion abgrenzen. Gleichzeitig verlangte Lehmann, den Dialog mit den Moslems zu verstärken. Wichtig sei, daß auch die Integration verbessert werde. Zudem sprach sich Lehmann für mehr Aufklärung von Seiten der Kirchen aus.
Partner im Kampf gegen Terror
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland distanzierte sich entschieden von der Gewalt und den jüngsten Terroranschlägen. Der Islam könne solche Taten nicht rechtfertigen, sagte der Vorsitzende des Zentralrats, Nadeem Elyas, im DeutschlandRadio Berlin. Religiöse Rechtfertigungen und Slogans seien ein Mißbrauch der Religion: „Davor ist weder der Islam, noch das Christentum, noch die Demokratie gefeit.“
Den Vorschlag einer Videoüberwachung von Moscheen wies Elyas zurück. Viele deutsche Moslems fühlten sich durch solche Vorschläge pauschal verurteilt. Die bisherigen Durchsuchungen islamischer Einrichtungen hätten nicht zu Ergebnissen geführt, betonte er. Die Extremisten seien nicht in den Moscheen zu finden. Elyas forderte, die Moslems in Deutschland zukünftig mehr als Partner im Kampf gegen den Terrorismus anzusehen.