http://www.faz.net/-gpf-us8s

Islam-Kritik : „Moscheebau ein falsches Zeichen“

  • Aktualisiert am

Nach seiner Kritik am Bau einer Moschee in Köln-Ehrenfeld hat der Schriftsteller Giordano seinen Unmut über die Verschleierung islamischer Frauen bekräftigt. Nirgendwo werde die Würde der Frau so verletzt wie in der islamischen Gesellschaft, sagte er im Deutschlandfunk.

          Der Schriftsteller Ralph Giordano hat die Debatte über den Neubau einer Moschee in Köln-Ehrenfeld neu entfacht. Giordano, der in seiner Jugend wegen seines jüdischen Glaubens von den Nationalsozialisten verfolgt worden war, nannte den Neubau ein „falsches Zeichen“. Den Kölner Stadtrat, der fast vollständig hinter dem Projekt steht, forderte er auf, den Bau aufzuhalten. Giordano sagte, er sei für die Integration der Muslime in Deutschland. Doch müsse man zur Kenntnis nehmen, dass die bisherigen Integrationsbemühungen nicht zum gewünschten Erfolg geführt hätten. Den Kölner Politikern warf er vor, sie „ignorierten den Willen der Bevölkerung, die mehrheitlich gegen den Bau der Moschee ist“. Es sei erschreckend, dass sich viele Menschen nicht trauten, dies öffentlich zu zeigen, „weil sie entweder Angst haben, in die rechtsextreme Ecke gestellt oder von Muslimen bedroht zu werden“. Dies sei „eine höchst gefährliche Situation“, warnte der Publizist.

          Am Mittwoch wandte sich Giordano im Deutschlandfunk abermals gegen die Verschleierung islamischer Frauen. „Ich will auf deutschen Straßen keine Burka-Trägerinnen sehen“, sagte er. Dies störe seine Ästhetik. In einem Streitgespräch hatte er „eine von oben bis unten verhüllte Frau“ als „menschlichen Pinguin“ bezeichnet. Die Kölner SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün wies Giordanos Äußerungen als unberechtigt und unüberlegt zurück. In einem Interview für die Nachrichtenagentur ddp sagte Giordano, das von ihm gebrauchte Wort richte sich „selbstverständlich nicht gegen die Würde der Frau, sondern gegen diejenigen, die dafür sorgen, dass eine Frau von Kopf bis Fuß verschleiert ist“.

          Das Zentrum für Türkeistudien in Essen gestand zu, dass die Sorgen Giordanos über einen islamistisch motivierten Antisemitismus berechtigt seien. „Wenn er aber nun das Recht auf Religionsfreiheit vom Mehrheitswillen der deutschen Bevölkerung abhängig machen will und sogar Protest gegen dieses Recht wünscht, stellt er, offenbar aus Islamangst, seine eigenen und die Prinzipien des Rechtsstaats in Frage“, hieß es in dem Institut.

          Kritiker werfen Giordano vor, sich zum Sprachrohr der Initiative „Pro Köln“ zu machen, die gegen den Moscheebau auftritt. „Pro Köln“ hatte bei der Kommunalwahl 2004 auf Anhieb 4,7 Prozent der Stimmen erhalten und stellt im Kölner Stadtrat seither fünf Abgeordnete. Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2006 heißt es zu der Gruppierung, es lägen „Anhaltspunkte vor, die in ihrer Gesamtbetrachtung den Verdacht einer rechtsextremistischen Bestrebung bei ,Pro Köln' begründen“. Giordano verwahrte sich gegen die Beschuldigung, er besorge das Geschäft dieser Gruppierung: „Diese Leute würden mich, wenn sie könnten, wie sie wollten, in die Gaskammer stecken.“ Diese Äußerung brachte ihm eine Strafanzeige der Initiative ein. „Pro Köln“ ist in der vergangenen Woche mit einem Bürgerbegehren gegen den Moscheebau gescheitert. Nur 15 000 der eingereichten 23 000 Unterschriften hielten einer Überprüfung stand. Ein Bürgerbegehren gegen die Bauleitplanung ist rechtlich nicht zulässig.

          Der Rat der Religionen in Köln, der zwanzig Mitglieder hat, hatte sich einhellig für den Bau der Moschee ausgesprochen. In einer Erklärung heißt es, „dass jeder Religionsgemeinschaft ein offenes und würdiges Haus als Ort des Gebetes zur Verfügung stehen soll“. Der stadtbekannte katholische Pfarrer Franz Meurer von der Gemeinde Sankt Theodor im Arbeiterstadtteil Köln-Vingst rief zu Spenden für die Moschee auf. Meurer sagte: „Köln braucht diese Moschee.“ Sie hole „viele Muslime, die ja unsere Mitbürger sind, heraus aus den Hinterhöfen“. Auch der Kölner Oberbürgermeister Schramma (CDU) will in dem Neubau eine „Chance für die Integration“ erkennen.

          Quelle: P.S..; F.A.Z., 24.05.2007, Nr. 119 / Seite 4

          Weitere Themen

          Per Bulldozer ins Massengrab Video-Seite öffnen

          Tote IS-Kämpfer : Per Bulldozer ins Massengrab

          Das sogenannte Kalifat der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien bröckelt immer weiter. Das Schicksal der getöteten Kämpfer sorgt bei den Menschen vor Ort nicht für Mitleid: Im irakischen Dhuluijah sind die Verstorbenen mit Bulldozern in Massengräbern am Stadtrand verscharrt worden, nachdem die Leichen offen herumgelegen hatten.

          Topmeldungen

          So sauber kann eine U-Bahn sein

          Singapur macht’s vor : Was den Öffis fehlt

          Ist der öffentliche Personennahverkehr die Zukunft des Massentransports? Wer dieser Meinung ist, kann in Singapur lernen, wie es wirklich geht. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.