30.05.2011 · Der Anschlag im nordafghanischen Talokan, bei dem zwei deutsche Soldaten ums Leben kamen, wurde vermutlich mit einem ferngezündeten Sprengsatz verübt. Bisher hieß es, es habe sich um einen Selbstmordattentäter in Polizeiuniform gehandelt.
Die Internationale Schutztruppe Isaf geht nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen nicht mehr davon aus, dass ein Selbstmordattentäter den Anschlag im nordafghanischen Talokan verübt hat. „Es hat sich allem Anschein nach nicht um einen Selbstmordattentäter gehandelt, sondern um einen ferngezündeten Sprengsatz in oder an einer Gebäudewand“, sagte ein Isaf-Sprecher in Masar-i-Scharif der Nachrichtenagentur dpa am Montag. „Die Feststellungen des afghanischen Geheimdienstes decken sich mit ersten Untersuchungsergebnissen von Isaf.“
Bei dem Anschlag auf den Sitz des Gouverneurs in der Provinz Takhar waren am Samstag zwei Soldaten aus Rheinland-Pfalz und Niedersachsen sowie der Polizeichef von Nordafghanistan und drei weitere Afghanen getötet worden. Die Zahl der verletzten Bundeswehrsoldaten korrigierte das Einsatzführungskommando in Potsdam am Montag von fünf auf sechs. Zu ihnen zählt General Kneip als Kommandeur des Regionalkommandos Nord der Nato-Truppe Isaf
Erste Festnahmen
Erste Erkenntnisse hatten darauf hingedeutet, dass es sich um einen Selbstmordattentäter in Polizeiuniform gehandelt habe. Vor der Isaf hatte am Montag bereits der NDS mitgeteilt, der Anschlag in der nordafghanischen Stadt sei nach einer vorläufigen Untersuchung des Geheimdienstes und des Innenministeriums kein Selbstmordattentat gewesen.
NDS-Sprecher Lutfullah Maschal sagte, nach Erkenntnissen des Ermittlungsteams sei Sprengstoff in der Eingangshalle des Gouverneurssitzes vergraben gewesen. Der Sprengstoff sei ein oder zwei Tage vor dem Anschlag am vergangenen Samstag versteckt worden. Der oder die Attentäter müssten Verbindungen in das Büro des Gouverneurs haben. Es habe erste Festnahmen gegeben.
Trauerfeier in Hannover
Für die zwei getöteten Bundeswehrsoldaten sowie einen am Mittwoch vergangener Woche nahe Kundus getöteten Kameraden findet am Freitag eine Trauerfeier in Hannover statt., an der auch General Kneip teilnehmen wird.
Dies teilte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums mit. Der leicht bis mittelschwer verwundete Generalmajor werde am Dienstag nach Deutschland ausgeflogen und nach etwa drei Wochen nach Afghanistan zurückkehren. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos werden drei weitere verletzte Soldaten nach Deutschland verlegt, darunter eine schwerverletzte Soldatin, deren Gesundheitszustand aber stabil sei.
Nato bedauert Tod von Zivilisten
Die Nato bedauerte derweil den Tod von Zivilisten bei einem Einsatz in der südafghanischen Provinz Helmand. Der Kommandeur der Isaf-Truppen im Südwesten Afghanistans, der amerikanische Generalmajor John, sagte, die Allianz entschuldige sich „von ganzem Herzen bei den Familien und Freunden der Getöteten“.
Nach seinen Angaben wurden bei dem Angriff am Samstag insgesamt neun Zivilisten getötet. Die Provinzbehörden hatten von 14 Toten gesprochen, darunter zehn Kinder und zwei Frauen. Bei zwei Selbstmordanschlägen im Westen Afghanistans wurden mindestens vier Menschen getötet.
Ein Selbstmordattentäter habe sich in Herat am Tor eines Nato-Wiederaufbauzentrums unter italienischer Führung in die Luft gesprengt, teilte die Polizei mit. Die zweite Explosion habe sich im Stadtzentrum ereignet. Weitere 24 Menschen seien durch die Anschläge verletzt worden, wie ein Behördenvertreter sagte. Über die Nationalität der Todesopfer war zunächst nichts bekannt. Laut Verteidigungsministeriums in Rom wurden fünf italienische Soldaten verletzt. Der Taten bezichtigten sich die Taliban.
In Südafghanistan erschoss ein Mann in einer afghanischen Uniform einen Nato-Soldaten, wie die afghanische Armee mitteilte. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte bei einem Treffen der parlamentarischen Versammlung des Verteidigungsbündnisses im bulgarischen Warna, die Isaf müsse in Afghanistan bleiben, bis sie ihre Aufgabe erfüllt habe.
Was macht das für einen Unterschied ?
Stefan Schulz (civilservant)
- 30.05.2011, 19:38 Uhr