30.06.2005 · War der neugewählte iranische Präsident Ahmadineschad an der Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran im Jahr 1979 beteiligt? Amerikas Präsident Bush verlangt Aufklärung über die Gerüchte.
Amerikas Präsident George W. Bush hat Antworten zu den Vorwürfen gefordert, der neugewählte iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad sei ein Anführer bei der Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran im Jahr 1979 gewesen.
Zwei der damals festgehaltenen Amerikaner hatten am Donnerstag in Interviews erklärt, sie hätten den Ultra-Konservativen ohne Zweifel wiedererkannt. „Ich habe keine Informationen. Aber offensichtlich wirft seine Verwicklung viele Fragen auf“, sagte Bush. Er äußerte sich zuversichtlich, daß Antworten auf diese Fragen gefunden werden.
„Schweine und Hunde“
Nach der islamischen Revolution in Iran 1979 hatten Extremisten in Teheran 444 Tage lang 52 Amerikaner in ihrer Gewalt. Der Vorfall führte zum Bruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern. „Er war nicht sehr nett damals. Er nannte uns Schweine und Hunde“, sagte Marine-Offizier Donald Sharer. Eine weitere ehemalige Geisel bestätigte dies: Menschen, die einem so etwas antäten, vergesse man nicht.
Auch in der „Washington Times“ bezeichneten frühere Geiseln den vor einer Woche gewählten Ahmadineschad als früheren Extremisten. „Der neue Präsident Irans ist ein Terrorist“, sagte der pensionierte Oberst Charles Scott. „Als ich sein Bild in der Zeitung gesehen hatte, wußte ich sofort: Er war einer der zwei oder drei Anführer.“
Beteiligte dementieren
Die Zeitung berichtete auch, Ahmadineschad sei ein Gründungsmitglied der radikalen Studentengruppe gewesen, die die Stürmung organisiert habe. Zwei Hauptverantwortliche des Geiseldramas dementierten die Berichte über die Vergangenheit Ahmadineschads. „Ahmadineschad war nicht dabei, als nach der Islamischen Revolution die US-Botschaft besetzt wurde“, sagte Abbas Abdi, einer der damaligen Geiselnehmer. Die Ex-Geiseln, die die Vorwürfe erhoben hatten, verfügten über ein schlechtes Erinnerungsvermögen. Abdi gehört mittlerweile dem reformorientierten politischen Flügel an, den politischen Gegnern Ahmadineschads.
Auch das Büro Ahmadineschads erklärte, dieser habe bei der Stürmung damals nicht geholfen. Während des Wahlkampfes in Iran waren bereits Vorwürfe über angebliche Verbindungen Ahmadineschads zu extremistischen Gruppen laut geworden. Oppositionelle sagten, er sei an grenzüberschreitenden Untergrundeinsätzen während des Iran-Irak-Kriegs von 1980 bis 1988 beteiligt gewesen. Die Anhänger Ahmadineschads wiesen auch diese Vorwürfe zurück.
Gespräche mit Blair und Schröder
Bush sagte zudem, er habe mit dem britischen Premierminister Tony Blair und mit Bundeskanzler Gerhard Schröder über die Anstrengungen gesprochen, den Iran von seinem Atomprogramm abzubringen. Er werde auch mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac darüber sprechen. Die drei europäischen Länder führen derzeit im Namen der Europäischen Union (EU) die Atomverhandlungen mit dem Golfstaat.
„Meine Botschaft lautet, daß es sehr wichtig für die drei EU-Länder ist, eine starke Botschaft an die neue Person zu schicken, daß die Welt einig ist und sagt, ihr solltet nicht die Fähigkeit erhalten, Uran anzureichern, das in eine Atomwaffe eingesetzt werden kann“, sagte Bush. „In anderen Worten: Wir haben einen neuen Mann, der die Macht übernommen hat, und er muß eine konzentrierte Botschaft zu hören bekommen.“ Die Vereinigten Staaten werfen Iran vor, Atomwaffen bauen zu wollen. Die Regierung in Teheran hat dies stets zurückgewiesen.