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Iran Tote in der Drogenhochburg

14.02.2007 ·  Ein Angriff auf eine Eliteeinheit der Islamischen Republik bei helllichtem Tage und auf offener Straße, das hat es so noch nicht gegeben - in Zahedan vermengt sich Vieles: Organisierte Kriminalität, Hass auf die iranische Regierung und der Konflikt von Schiiten und Sunniten.

Von Rainer Hermann
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Einen Angriff auf eine Eliteeinheit der Islamischen Republik bei helllichtem Tage und auf offener Straße hatte es bisher selbst in Zahedan noch nicht gegeben. Dabei gab es in der Hauptstadt der iranischen Provinz Sistan-Belutschistan schon viele Revolten gegen die Staatsmacht und Überfälle auf ihre Institutionen.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen führt der Weg eines Großteils des Rauschgifts aus Afghanistan nach Europa über Zahedan. Zum anderen sind Einwohner der Stadt Sunniten, während die Staatsreligion der Islamischen Republik die schiitische Version des Islams ist. Vieles vermengt sich daher in Zahedan: Der Kampf des Staats gegen die organisierte Kriminalität, das Aufbegehren von ethnischen Belutschen gegen die iranische Zentralregierung und der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten.

Elf Tote, 31 Verletzte

Der Anschlag vom Dienstag war der schlimmste, seit im März 2006 Aufständische zwölf Zivilisten getötet hatten. Dieses Mal wurden elf Personen getötet und 31 verletzt. Augenzeugen aus der Stadt berichten, bewaffnete Motorradfahrer hätten einen Bus der Revolutionsgarde, Pasdaran, zum Halten gebracht. Dann wurde, mutmaßlich aus der Ferne, in einem iranischen Personenwagen eine Bombe gezündet. Die Revolutionsgardisten sollten von ihrer Kaserne zu ihrem Einsatzort gebracht werden. Die Pasdaran bekämpfen in der Unruheprovinz den Drogenschmuggel. Nachts ziehen sie sich aus Furcht vor Gefechten mit den Drogenkriminellen in ihre Kasernen und gut gesicherten Forts zurück.

Mohammad Dschawad Ethna-Ashari, der lokale Kommandant der Revolutionsgarden, machte „Banditen und Geächtete“ für den Anschlag verantwortlich. Er korrigierte die ursprüngliche Totenzahl von achtzehn auf elf. Der arabischsprachige Satellitensender Irans „Al Alam“ zeigte die Überreste des Busses. Passanten hätten zwei mutmaßliche Komplizen der Attentäter der Polizei überstellt, drei weitere Verdächtige wurden im Lauf des Tages festgenommen.

Tragen die Soldaten Gottes die Verantwortung?

In den ersten Stunden nach dem Anschlag gab es noch keinen Hinweis darauf, ob die sunnitische Terrorgruppe „Dschund Allah“, Soldaten Gottes, das Attentat verübt hat. In den vergangenen Monaten war sie für alle Anschläge in der Provinz Zahedan verantwortlich, auch den im Januar, bei dem vier Soldaten getötet worden waren. Im Januar hatten die iranischen Sicherheitskräfte zudem mehrere Sunniten verhaftet, die am 14. Dezember 2006, am Tag vor der Wahl, in Zahedan angeblich eine Autobombe zünden wollten. Bei dem Anschlag wurde ein Mensch getötet.

Zuvor waren am 6. November in Zahedan sechs Mitglieder der Terrorgruppe öffentlich gehängt worden. Ihnen wurde vorgeworfen, im Dezember 2003 an der Entführung von zwei deutschen und einem irischen Touristen in der Provinz beteiligt gewesen zu sein. Die drei wurden später unversehrt auf freien Fuß gesetzt. Entführungen dienen meist dazu, inhaftierte Drogenbosse freizupressen.

Religiöse Spannungen und der Kampf gegen Teheran

Zahedan gilt als Hochburg des Drogenschmuggels, weshalb es immer wieder zu Gefechten mit der Revolutionsgarde kommt. Aber schon vor der Revolution von 1979 hatten die Belutschen gegen Teheran aufbegehrt. Religiöse Spannungen kamen hinzu, als die neuen Machthaber Schiiten als Gouverneure nach Zahedan schickten.

Iranische Regierungsvertreter sprechen nicht von „Dschund Allah“, sondern von „einer Terroristengruppe unter Führung von Abdolmalik Rigi“. Im Mai 2006 übernahm „Dschund Allah“ die Verantwortung für den Anschlag auf zwölf Zivilisten auf dem Weg nach Kerman, im März 2006 für den Mord an 22 Zivilisten, die von Zahedan nach Zabol reisten. Bei dem Anschlag sollen auch Sunniten aus Afghanistan beteiligt gewesen sein. Im November 2005 hatten sich die Entführer einer Gruppe iranischer Soldaten als Mitglieder der „Dschund Allah“ bezichtigt.

Sistan-Belutschistan ist die iranische Provinz mit den meisten Anschlägen. Anfällig ist auch die Ölprovinz Chusistan, in der ethnische Araber wohnen. Die iranische Regierung wirft den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Israel vor, ethnische Minderheiten zu unterstützen und mit Hilfe von Agenten in Randprovinzen Unruhe zu schüren. Erst in der vergangenen Woche hatte Geheimdienstminister Mohseni Edscheie gesagt, in Grenzgebieten seien hundert Agenten identifiziert worden, die für die Vereinigten Staaten und Israel arbeiteten.

Quelle: F.A.Z., 15.02.2007, Nr. 39 / Seite 3
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Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.

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