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Iran : Hilfe vom „Großen Satan“

Nach der Katastrophe in Iran sind die diplomatischen Kontakte mit Amerika wiederaufgenommen worden. Daß ein Erdbeben, das Verhältnis zweier Länder verbessern kann, bewiesen bereits 1999 die Türkei und Griechenland.

          Die verheerenden Erdstöße in Iran haben zu einer Verbesserung der diplomatischen Beziehungen mit mehreren Ländern geführt, die in der Vergangenheit abgekühlt, eingefroren oder abgebrochen waren. Von "Erdbebendiplomatie" ist die Rede. Der Begriff war nach einem ähnlich schweren Erdbeben in der Türkei geprägt worden. Dort waren am 17. August 1999 östlich von Istanbul mehr als 17 000 Menschen gestorben. Die ersten ausländischen Rettungsmannschaften kamen damals aus Griechenland. Als dann die Erde am 5. September desselben Jahres in Athen bebte, revanchierten sich die Türken für die erfahrene Hilfeleistung. Die lange miteinander verfeindeten Völker zeigten endlich Sympathien füreinander, nachdem die Politiker beider Länder schon eine vorsichtige Annäherung eingeleitet hatten. Nun begann sich auch die öffentliche Stimmung zugunsten einer politischen Einigung zu wandeln.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Nach der Katastrophe von Bam ist wieder etwas "Erdbebendiplomatie" in Gang gekommen, in diesem Fall zwischen Iran und den Vereinigten Staaten. Der iranische Revolutionsführer Chomeini hatte 1979 für Amerika das Wort vom "Großen Satan" geprägt. Amerika erwiderte, indem es Iran auf die "Achse des Bösen" setzte. Die Rhetorik zwischen den beiden Hauptstädten war lange Zeit an Feindseligkeit kaum zu übertreffen. Doch aus einem gemeinsamen Interesse gegenüber dem Irak sind sich die beiden Länder in den vergangenen Monaten schon nähergekommen. Nachdem das Erdbeben von Bam Zehntausende Menschenleben gekostet hat, ist es zwischen Iran und Amerika nun erstmals wieder zu ranghohen direkten Kontakten gekommen.

          Keinerlei politischer Bezug

          Der stellvertretende amerikanische Außenminister Richard Armitage rief zunächst in New York den ständigen Vertreter Irans bei den Vereinten Nationen, Mohammad Dschawad Zarif, an, um mit ihm über Möglichkeiten humanitärer Hilfe zu sprechen. Der Sprecher des State Department rechtfertigte die direkte Kontaktaufnahme mit der Dringlichkeit der Hilfe und beeilte sich hinzuzufügen, daß die humanitäre Hilfe Washingtons keinerlei politischen Bezug enthalte. Am Ton Washingtons gegenüber Teheran werde sich nichts ändern, hieß es. Doch dieser Ton war in den vergangenen Monaten schon um so zurückhaltender geworden, je mehr die Vereinigten Staaten im Irak auf die Schiiten zu setzen begonnen hatten. Dafür erkannte Teheran den von den Amerikanern ernannten Übergangsrat als Vertretung des irakischen Volks an.

          Sogar der Sprecher des Weißen Hauses, McClellan, ließ verlauten, die Vereinigten Staaten würden "mit den iranischen Behörden, den Vereinten Nationen und dem Internationalen Roten Kreuz zusammenarbeiten", um so rasch wie möglich Hilfe in das Land zu bringen. Am Sonntag morgen kam die Hilfe an. Erstmals seit der gescheiterten Geiselbefreiung im April 1980 landeten auf iranischem Boden wieder amerikanische Flugzeuge. Die diplomatischen Beziehungen waren abgebrochen, seitdem iranische Revolutionäre am 4. November 1979 in der amerikanischen Botschaft 66 Geiseln genommen hatten. Das Scheitern der "Operation Desert One" zur Befreiung der Geiseln kostete Präsident Carter die Wiederwahl, nach 444 Tagen kamen die Geiseln aber frei.

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