14.11.2003 · Das amerikanische Militär hat im Norden des Irak bei einer Operation gegen Aufständische sieben Menschen getötet. Präsident Bush bekräftigte, daß die alliierten Truppen erst dann abziehen würden, wenn sie Saddam Hussein gefunden haben.
Das amerikanische Militär im Irak hat in der Nacht zum Freitag seine Operation „Iron Hammer“ gegen Aufständische fortgesetzt. Im Nordirak in der Nähe Takrits wurden dabei bei einem Hubschrauberangriff der amerikanischen Armee sieben Menschen getötet. Nach Angaben einer Armeesprecherin wollten die Getöteten einen amerikanischen Stützpunkt mit Raketen angreifen. In der Region seien mehr als 600 Granaten und Raketen sichergestellt worden.
Außerdem wurden in Takrit sechs Iraker festgenommen, die an Angriffen auf amerikanische Hubschrauber beteiligt gewesen sein sollen. Bei einem weitere Zwischenfall bei Balad, 70 Kilometer nördlich von Bagdad, erschossen Bewaffnete am Freitag einen amerikanischen Geschäftsmann und verletzten einen zweiten. Die beiden waren in einem Autokonvoi unterwegs. Auch in der Hauptstadt des Irak selbst waren abermals Gefechtslärm und heftige Detonationen zu hören. Korrespondenten berichteten von Geschützdonner an der Peripherie der Millionenstadt. Ein Militärsprecher hatte zuvor angekündigt, daß die am Vorabend eingeleitete Operation zur Bekämpfung antiamerikanischer Widerstandsnester fortgesetzt werde.
Auf der Suche nach Saddam
Unterdessen machte der amerikanische Präsident George W. Bush klar, daß sich die amerikanischen Streitkräfte erst dann aus dem Irak und aus Afghanistan zurückziehen werden, wenn sie Saddam Hussein und Usama bin Ladin gefunden haben. Bush gab sich in diesem Zusammenhang zuversichtlich. „Wir ziehen erst ab, wenn der Job erledigt ist“, sagte der Präsident, der in der kommenden Woche nach Großbritannien reist, in einem Interview der „Financial Times“.
Einen Tag nach dem verheerenden Anschlag auf Italiener im Südirak mit 28 Todesopfern bestätigte Bush, daß seine Regierung an einem Plan arbeitet, den Irakern mehr Verantwortung zu übertragen. Deshalb sei der oberste amerikanische Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, nach Gesprächen im Weißen Haus nach Bagdad zurückgereist, um mit dem provisorischen irakischen Regierungsrat die Strategie abzusprechen, sagte Bush in Washington.
Japan will vorerst keine Truppen entsenden
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte während einer Asienreise, die geplante Beschleunigung des politischen Prozesses bedeute nicht einen schnelleren Abzug der amerikanischen Truppen aus Irak. Rumsfeld führte am Freitag Gespräche in Japan. Die Regierung von Ministerpräsident Junichiro Koizumi hat beschlossen, den geplanten Beschluß über die Entsendung von Truppen zunächst zu vertagen. Die Lage in Irak sei nicht stabil genug, um japanische Kräfte in das Land zu schicken, sagte Kabinettsminister Yasuo Fukuda.
Unterdesen nahme ein Sprecher des irakischen Übergangsrates nahm die Pläne für einen strategischen Kurswechsel der USA mit Zurückhaltung auf. „Wir haben unsere eigenen Vorstellungen“, sagte der kurdische Vertreter Mahmud Othman am Freitag in Bagdad zur Ankündigung Bushs, die Übergabe der politischen Verantwortung an die Iraker zu beschleunigen. In Bagdad kehrte am Freitag der amerikanische Zivilverwalter Paul Bremer von Krisengesprächen in Washington zurück. „Wir werden Bremer zuhören, und er wird uns zuhören“, sagte Othman.
Briten erwägen Entsendung weiterer Truppen
Angesichts der Gewalteskalation schloß der britische Außenminister Jack Straw eine Erhöhung des britischen Truppenkontingents nicht aus. „Die Art der Bedrohung hat sich geändert“, sagte Straw dem Sender BBC. „Falls es nötig werden sollte, die Truppen zu verstärken, dann wird das sicher geschehen“, fügte er hinzu. Nach Straws Angaben sind gegenwärtig 10.000 britische Soldaten im Südirak stationiert.
Ungeachtet des Blutbads in der Stadt Nassirija brach eine portugiesische Einheit von 128 Polizisten in das Konfliktgebiet auf. Um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, entsandte auch die italienische Regierung 50 weitere Elitesoldaten in den Irak. Der französische Außenminister Dominique de Villepin bot den Amerikanern Hilfe an. Frankreich hatte den Irak-Krieg abgelehnt.