Home
http://www.faz.net/-gpf-oaq9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Irak Zentrale der Zivilverwaltung in Bagdad beschossen

25.11.2003 ·  „Angriff. In Deckung. Das ist keine Übung“, hieß es am späten Dienstagabend bei der amerikanischen Zivilverwaltung für den Irak. Raketen oder Granaten gingen in Bagdad nieder.

Artikel Lesermeinungen (0)

Widerstandskämpfer haben am Dienstag in der irakischen Hauptstadt Bagdad die Zentrale der amerikanischen Zivilverwaltung mit Raketen oder Granaten beschossen. Korrespondenten berichteten, bei der Zivilverwaltung hätten Sirenen geheult.

"Angriff. In Deckung. Das ist keine Übung", wurde über Lautsprecher durchgesagt. Die Zivilverwaltung, die in einem Palast des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein am Westufer des Tigris untergebracht ist, war in diesem Monat mehrmals unter Granatenbeschuß gekommen. Der Chef des Central Command der Streitkräfte, John Abizaid, hatte zuvor gesagt, wegen der Militärschläge gegen Freischärler in den vergangenen beiden Wochen seien die Angriffe auf amerikanische Truppen zurückgegangen.

Explosionen in der Dunkelheit

Die Explosionen erschütterten das Zentrum von Bagdad nach Einbruch der Dunkelheit. Anwohner in einem benachbarten Stadtteil berichteten, mindestens zwei Raketen seien in der Nähe eingeschlagen. Ein großer Krater wurde in eine Straße gerissen. Es gab aber keine Anzeichen dafür, daß jemand verletzt wurde. Auch ein leer stehendes Wohnhaus wurde beschädigt.

Die Angriffe auf Truppen der von Amerika geführten Koalition seien zuletzt um die Hälfte zurückgegangen, sagte Abizaid. „Aber unglücklicherweise haben wir festgestellt, daß die Angriffe auf Iraker zugenommen haben", sagte Abizaid.

Der Chef der Zivilverwaltung, Paul Bremer, rechnete mit weiterer Gewalt. „Wir müssen davon ausgehen, daß es in den kommenden Monaten in diesem Land weiterhin Terrorismus geben wird.“

Erst am Samstag hatte ein Frachtflugzeug der DHL, des Kurierdienstes der Deutschen Post, auf dem Flughafen Bagdad notlanden müssen, nachdem es von einer Rakete getroffen worden war. Ein Videoband, das ein französischer Journalist erhalten hatte, zeigte vermutlich Aufnahmen von dem Beschuß der Maschine. Auf dem Band waren mehrere mit Tüchern verhüllte Männer zu sehen, die Granaten- und Raketenwerfer trugen. Einer zielte mit einer Rakete auf ein Flugzeug. Die Männer wurden gezeigt, wie sie in einem Auto flüchteten. Dann war ein Flugzeug zu sehen, dessen eine Tragfläche qualmte.

Die Vereinigten Staaten machen Anhänger des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein sowie aus dem Ausland eingesickerte Kämpfer für die Angriffe auf ihre Truppen verantwortlich. Seit die amerikanische Regierung am 1. Mai die Hauptkampfhandlungen im Irak für beendet erklärte, sind mehr als 180 amerikanische Soldaten bei Angriffe getötet worden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Brandsatz Syrien

Von Günther Nonnenmacher

In Syrien ist ein voll entfalteter Bürgerkrieg im Gang. Assad geht mit aller Härte vor, weil er fürchtet, dass jedes Nachgeben als Zeichen der Schwäche gewertet wird. Die Opposition hofft, das Regime mit der Zeit zu zermürben. Dieser Konflikt könnte den gesamten Mittleren Osten in Brand setzen. Mehr 1