23.11.2003 · Bei einer Serie blutiger Anschläge kamen am Wochenende im Irak 21 Menschen ums Leben. Unbekannte erschossen in Mossul zwei amerikanische Soldaten in ihrem Fahrzeug. Am Samstag starben allein 14 Menschen bei zwei Selbstmordanschlägen.
Eine Serie blutiger Anschläge und Attentate hat am Wochenende im Irak 21 Menschen das Leben gekostet. Am Sonntag erschossen Unbekannte in Mossul im Norden des Landes zwei amerikanische Soldaten in ihrem Fahrzeug und schlugen anschließend mit Pflastersteinen auf ihre Leichen ein. Allein am Samstag kosteten zwei Selbstmordanschläge innerhalb einer halben Stunde 14 Menschen das Leben.
Am selben Tag wurde in Bagdad erstmals ein Zivilflugzeug mit einer Rakete beschossen. Augenzeugen in Mossul berichteten zunächst, den beiden Soldaten sei die Kehle durchgeschnitten worden. Später hieß es jedoch, sie seien im Bezirk Ras el Dschadda auf dem Weg zu einer Garnison erschossen worden. Dutzende Schaulustige hätten anschließend auf die Leichen eingeprügelt und die Ausrüstung der Soldaten geplündert.
In Latifijah, 30 Kilometer südlich von Bagdad, erschossen Unbekannte laut irakischen Angaben den Polizeichef sowie seinen Leibwächter und seinen Fahrer. Am Samstag wurde in Mossul ebenfalls ein Polizeihauptmann erschossen. Bei der Explosion einer Bombe in Bakuba nördlich von Bagdad starb am Sonntag ein amerikanischer Soldat, zwei weitere wurden verletzt. Auf das Gebäude der Nationalen Ölgesellschaft in Kirkuk wurde in der Nacht zu Sonntag ein Bombenanschlag verübt, bei dem drei amerikanische Mitarbeiter der amerikanischen Firma Kellog Brown & Root verletzt wurden.
Amerikanische Behörden warnen vor weiteren Anschlägen
Zum Ende des Fastenmonats Ramadan am Dienstag warnten die amerikanischen Behörden vor einer Zunahme von Anschlägen. Die Koalitionsstreitkräfte setzten derweil ihre Offensive fort und bombardierten am Sonntag laut Augenzeugenberichten Ziele in Mittelirak. In Samara eröffneten sechs Militärhubschrauber das Feuer, nachdem vier Panzerabwehrraketen auf eine Garnison abgefeuert wurden, wie die Polizei mitteilte. Ein Iraker sei dabei getötet worden.
Die Selbstmordanschläge vom Samstag richteten sich gegen zwei Polizeistationen in den Städten Bakuba und Chan Bani Saad, das zwischen Bagdad und Bakuba liegt. In Chan Bani Saad starben nach Angaben eines amerikanischen amerikanischen Militärsprechers sechs Polizisten, drei Zivilisten und der Selbstmordattentäter. In Bakuba riß ein Selbstmordattentäter nach irakischen Angaben drei Polizisten mit in den Tod, ein weiterer wurde noch vermißt. Bei den Anschlägen seien mindestens 20 weitere Personen verletzt worden.
Frachtmaschine getroffen - DHL setzt Flüge aus
Die Frachtmaschine des Paketdienstes DHL wurde nach Angaben der Besatzung kurz nach dem Start „von einer unbekannten Waffe“ getroffen, wie ein Militärsprecher am Sonntag mitteilte. Das Bodenpersonal habe zwei Raketen gesehen, der Airbus A-300 sei vermutlich von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden, erklärte Brigadegeneral Mark Kimmitt. Die Maschine mußte mit einer brennenden Tragfläche notlanden. DHL setzte bis Montag alle weiteren Flüge nach Bagdad aus. Auch die jordanische Fluggesellschaft Royal Jordanian stellte ihre Flüge für drei Tage ein.
Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari ernannte die irakisch-amerikanische Politikerin Rend Rahim Francke zur neuen Botschafterin in den Vereinigten Staaten. Francke war lange Jahre Vorsitzende der prodemokratischen Irak-Stiftung mit Sitz in Washington. Der amerikanische Außenminister Colin Powell bat unterdessen bei palästinensischen Politikern um Unterstützung für die irakische Übergangsregierung, die im Juni eingesetzt werden soll. Er habe einen entsprechenden Brief von Powell erhalten, sagte Außenminister Nabil Schath.