22.04.2003 · Mohammed Subeidi, das bislang ranghöchste Mitglied der entmachteten irakischen Führung, ist in Haft. Verteidigungsminister Rumsfeld trat Spekulationen entgegen, Amerika wolle dauerhaft im Irak bleiben.
In Irak ist das bislang ranghöchste Mitglied der entmachteten irakischen Führung gefasst worden. Die Truppen der Oppositionsgruppe Irakischer Nationalkongress (INC) nahmen das frühere Mitglied des Revolutionären Kommandorats, Mohammed Hamsa Subeidi, in Hillah 80 Kilometer südlich von Bagdad gefangen, wie der INC am Montag mitteilte.
Subeidi sei anschließend den amerikanischen Truppen übergeben worden. Das amerikanische Zentralkommando in Qatar bestätigte die Festnahme. Subeidi stand an 18. Stelle der amerikanischen Fahndungsliste der 55 meistgesuchten Iraker und war in einem vom Pentagon herausgegebenen Kartenspiel mit 52 der Gesuchten die Pik-Dame. Sechs weitere der Gesuchten waren in den vergangenen Tagen bereits gefasst worden, einer gilt als tot. Das bislang wichtigste Mitglied der Führungsspitze um Saddam Hussein in der Gewalt der Alliierten war Samir el Asis el Nadschim, Bezirkschef der Baath-Partei in Bagdad und früherer Ölminister.
Rumsfeld: Keine dauerhafte Präsenz
Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wies derweil einen Bericht zurück, wonach die Vereinigten Staaten irakische Stützpunkte langfristig nutzen wollen. Der Pentagon-Chef betonte, es gebe „überhaupt keine Diskussion“ über eine längere Nutzung von vier irakischen Militärstützpunkten, die derzeit für den Militäreinsatz gegen letzte Anhänger der irakischen Führung genutzt würden. Die „New York Times“ hatte berichtet, das Pentagon wolle eine Basis am Bagdader Flughafen, eine weitere in Tallil nahe Nassirija, eine in der westirakischen Wüste und eine vierte im Kurdengebiet langfristig nutzen. Rumsfeld sagte dagegen, die Vereinigten Staaten erwögen auf lange Sicht wohl eher eine Truppenreduzierung, da „ein befreundetes Irak ohne einen Saddam Hussein an der Spitze logischerweise weniger Soldaten in der Region erfordert und nicht mehr“.
Die Arbeit der amerikanischen Zivilverwaltung zum Wiederaufbau Iraks nimmt weiter Gestalt an: Zum Beauftragten für die irakische Landwirtschaft wurde der Chef einer Washingtoner Beratungsfirma, Dan Amstutz, ernannt. Amstutz werde bei der Bildung eines demokratischen und prosperierenden Irak helfen, indem er die Ressourcen der amerikanischen Bauern und der Ernährungsindustrie nutzen werde, erklärte die amerikanische Agrarministerin Ann Veneman. Am Montag hatte der oberste Zivilverwalter, der frühere General Jay Garner, seine Arbeit in Bagdad aufgenommen.