30.10.2003 · Die jüngsten Terroranschläge im Irak werden angeblich von Izzat Ibrahim Al Duri - einst die Nummer zwei hinter Saddam - koordiniert. Unterdessen ziehen die internationalen Hilfsorganisationen immer mehr Mitarbeiter aus dem Land ab.
Die Angriffe auf die Besatzungstruppen in Irak werden möglicherweise von einem der meistgesuchten Männer des Landes koordiniert. Es gebe Hinweise darauf, daß der frühere General Essat Ibrahim el Duri die Attacken von ausländischen Kämpfern und Anhängern der entmachteten Regierung koordiniere, sagte ein Sprecher des Pentagon am Mittwoch in Washington.
Essat Ibrahim war die Nummer zwei in der irakischen Hierarchie unter Saddam Hussein. Die Informationen über Essat Ibrahim wurden dem Pentagon-Sprecher zufolge offenbar gewonnen, nachdem kürzlich sein ehemaliger Sekretär sowie zwei ranghohe Vertreter der Terrorgruppe Ansar el Islam in Mossul festgenommen wurden. Ob Essat Ibrahim auch für die Anschlagsserie vom Montag Verantwortung trägt, bei der in Bagdad 43 Menschen getötet wurden, blieb unklar. Nach kurdischen Angaben verfügt er über Kontakte zu ehemaligen irakischen Militärs sowie zu der paramilitärischen Fedajin-Miliz, der einstigen Elitetruppe Saddam Husseins.
Ranghöchste noch gesuchte Iraker nach Saddam
Izzat Ibrahim Al Duri war vor der Entmachtung Saddam Husseins Vizepräsident des Revolutionären Kommandorats und stellvertretender Kommandeur der Streitkräfte. Nach Saddam Hussein ist er der ranghöchste von den Vereinigten Staaten noch gesuchte Iraker, auf der amerikanischen Liste der 55 meistgesuchten Iraker steht er an sechster Stelle.
Wegen der anhaltenden Terroranschläge in Bagdad ziehen die Vereinten Nationen (UN) „zeitweilig“ alle ausländischen Mitarbeiter aus der irakischen Hauptstadt ab. Sie wurden aufgefordert, sich zu Gesprächen mit Vorgesetzten über die Zukunft der UN-Operationen im Irak nach Jordanien zu begeben, sagte eine UN-Sprecherin am Donnerstag. Sie bestand darauf, daß dies „keine Evakuierung, sondern eine vorübergehende Maßnahme“ sei. Wann die UN-Mitarbeiter nach Bagdad zurückkehren sollen, konnte die Sprecherin Marie Okabe nicht sagen. Die im Norden des Irak stationierten ausländischen UN-Helfer würden dort bleiben, sagte sie. Nach Angaben aus UN-Kreisen hielten sich am Mittwoch noch etwa 20 ausländische UN-Mitarbeiter in Bagdad und etwa 40 weitere in anderen Teilen des Irak auf.
Auch Rot-Kreuz-Mitarbeiter verlassen Land
Die ausländischen Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Irak sollen in den kommenden Tagen nach Angaben eines IKRK-Vertreters in Bagdad über das weitere Vorgehen beraten. Alle ausländische Mitarbeiter würden am Donnerstag oder Freitag Irak verlassen und „mindestens eine Woche“ lang in einem Nachbarland mit Vertretern der Genfer Zentrale über das weitere Vorgehen beraten.
Die Vereinigten Staaten hatten nach dem Bombenanschlag auf das Gebäude des Internationalen Roten Kreuzes am Montag mehrfach an ausländische Helfer appelliert, ihre Arbeit in Bagdad und anderen gefährdeten Orten fortzusetzen. Bei dem Anschlag waren zwei Mitarbeiter des Irakischen Roten Kreuzes sowie zehn andere Menschen außerhalb des Gebäudes getötet worden. Die UN hatten bereits nach dem verheerenden Bombenattentat auf ihr Hauptquartier in Bagdad, bei dem 22 Mitarbeiter getötet worden waren, ihr ausländisches Personal weitgehend nach Jordanien zurückgezogen.
Annan unter Druck
UN-Generalsekretär Kofi Annan geriet inzwischen durch einen Untersuchungsbericht unabhängiger Experten unter Druck, in dem den Verantwortlichen der Weltorganisation schwere Versäumnisse bei der Gewährleistung der Sicherheit ihrer Mitarbeiter im Irak vorgeworfen werden.
Der türkische Präsident Ahmed Necdet Sezer sagte unterdessen, er halte die Diskussion über eine Entsendung von türkischen Truppen nach Irak für beendet: „Meiner Ansicht nach ist die Sache erledigt“, sagte er am Mittwoch in Ankara. Die Vereinigten Staaten hatten die Türkei um militärische Unterstützung gebeten; das Parlament in Ankara biligte Anfang Oktober die Truppenstationierung im Nachbarland. Die irakische Übergangsregierung hatte jedoch vehement gegen die Pläne protestiert.