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Irak "Usama II." verdächtigt

12.05.2004 ·  Abu Musab al Zarqawi wird des Mordes an Nick Berg verdächtigt. Der wichtigste Verbindungsmann zwischen Al Qaida und anderen Organisationen gilt als Bin Ladins Verbündeter und Rivale.

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Die Entführer von Nick Berg hätten ihre Geisel auch erschießen können, doch sie enthaupteten den Amerikaner vor der Kamera. Die besonders archaische Bluttat sollte nach den Angaben der Täter "Vergeltung" sein für die Folterungen von Irakern durch die Amerikaner, aber wohl auch dem "Krieg der Bilder" eine weitere Stufe der Eskalation hinzufügen, denn natürlich kalkulierten die Mörder ein, wie solche Bilder auf westliche Menschen wirken.

Die Islamisten bezogen sich in ihrer Erklärung auf Abu Musab al Zarqawi, der schon seit geraumer Zeit mit den brutalsten Gewalttaten im Irak, unter anderem einem mörderischen Anschlag in Kerbela, aber auch in der Region zwischen Casablanca und Istanbul in Zusammenhang gesehen wird. Zuletzt hatte man ein terroristisches Komplott, das in der jordanischen Hauptstadt Amman vorgesehen gewesen, aber von den Sicherheitsbehörden rechtzeitig verhindert worden war, mit seiner Person in Verbindung gebracht; ebenso Sprengstoffanschläge in der saudiarabischen Hauptstadt Riad. In Amman hatte der wichtigste Zeuge ausgesagt, er selbst habe bei einem Aufenthalt im Irak Instruktionen über Giftgas-Anschläge gegen die amerikanische Botschaft, auf das Amt des jordanischen Ministerpräsidenten sowie zwei andere bedeutende Ziele von al Zarqawi selbst erhalten. In Jordanien ist al Zarqawi in Abwesenheit zum Tod verurteilt worden, weil man ihm vorwarf, Anschläge gegen amerikanische und israelische Einrichtungen geplant zu haben. Die Amerikaner haben zehn Millionen Dollar für seine Ergreifung ausgesetzt. Außenminister Powell hatte schon am 5. Februar 2003 in al Zarqawi den Verbindungsmann Al Qaidas zum Irak vermutet.

Rivale und Verbündeter Bin Ladins

Der 38 Jahre alte, aus der Stadt Zarqa kommende Jordanier, der aus einer Familie palästinensischer Flüchtlinge stammt, war einige Jahre nur einer von vielen tausend Anhängern der Dschihadisten und des Al-Qaida-Gründers und -Führers, des aus einer reichen saudiarabisch-jemenitischen Familie kommenden Usama Bin Ladin. Heute kann er als dessen wahrscheinlichster Nachfolger gelten, wenn Bin Ladin gefaßt oder getötet würde. Vom einfachen Kämpfer in Afghanistan gegen die sowjetische Besatzung in den achtziger Jahren schaffte es al Zarqawi, folgt man den Angaben westlicher und nahöstlicher Geheimdienste, zum gleichberechtigten Befehlshaber und schließlich wichtigsten Verbindungsmann zwischen der Führung von Al Qaida und anderen, zu deren Netz gehörenden Organisationen in großen Teilen der Welt. Inzwischen spricht man sogar von einem eigenen Terrornetz al Zarqawis, das Beziehungen bis nach Spanien und Deutschland unterhalte, etwa über die Organisation al Tawhid. Manche wollen in al Zarqawi auch mehr einen Rivalen Bin Ladins als einen Verbündeten sehen.

Der gelegentlich auch als Usama II. bezeichnete Terroristenführer gilt als fanatischer Sunnit mit starken Aversionen gegen die schiitischen Muslime. Er soll die Schiiten mit "Giftschlangen" verglichen haben. Anders als Usama Bin Ladin, der Anschläge vornehmlich gegen nichtmuslimische Fremde befürwortet, will al Zarqawi auch "abtrünnige und verräterische Muslime" töten. Im Irak wird er verdächtigt, mit Hilfe von Anschlägen einen Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten vom Zaun brechen zu wollen.

Quelle: wgl., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2004, Nr. 111 / Seite 7
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