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Irak Tausende bei Trauermärschen

31.08.2003 ·  Tausende Schiiten haben am Sonntag im Irak an Trauermärschen für den getöteten Religionsführer Ajatollah Mohammed Baqir al-Hakim teilgenommen. Der Bruder des Ermordeten kritisierte die Besatzungstruppen.

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Tausende Schiiten haben am Sonntag im Irak an Trauermärschen für den bei einem Attentat getöteten Religionsführer Ajatollah Mohammed Baqir al-Hakim teilgenommen. Die Prozession mit einem mit schwarz-grünem Tuch verhüllten Sarg an der Spitze begann an der Imam-al-Chadam-Moschee am Tigris-Ufer in Bagdad. Dann bewegte sie sich in Richtung der den Schiiten heiligen Stadt Kerbela, rund 80 Kilometer südlich der Hauptstadt.

Amerikanische Truppen hielten sich im Hintergrund. Die Sicherheit lag in den Händen von Milizen des Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) - der Organisation, die Baqir al-Hakim geführt hatte. Es gab keine Berichte über Zwischenfälle. In einer Ansprache kritisierte der Bruder des Ermordeten, Abdelasis al-Hakim scharf die Besatzungstruppen und ihre Politik. „Die US-Besatzungstruppen sollten für das in Bagdad, Nadschaf und anderswo vergossene irakische Blut verantwortlich gemacht werden“, sagte Abdelasis al-Hakim, der dem Provisorischen Regierungsrat angehört und seinem Bruder als Chef des SCIRI nachfolgen wird. „Sie haben uns von Anfang an gesagt, daß sie für die Sicherheit verantwortlich seien, aber sie haben ihr Versprechen gebrochen. Sie sollten die bislang verfolgte Politik aufgeben.“

Von langer Hand vorbereitet

Von mehr als einem Dutzend nach dem Attentat vom Freitag Festgenommenen waren am Sonntag nur noch zwei in Haft, berichtete der Sender CNN. Dabei soll es sich um Araber handeln, die nicht aus dem Irak selbst stammen. Der Anschlag soll der „Washington Post“ zufolge von langer Hand vorbereitet worden sein. Der Wagen mit dem Sprengstoff habe vor der Tat bereits 24 Stunden an der Mauer der Moschee gestanden und sei dann vermutlich mittels Fernzündung zur Explosion gebracht worden. Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf amerikanische Sicherheitskräfte.

Inzwischen sammelten sich auch Tausende von Trauernden in der Stadt Nadschaf, rund 150 Kilometer südlich von Bagdad, wo bei dem Attentat vor der Imam-Ali-Moschee über 100 Menschen getötet worden waren. Baqir al-Hakim war dabei von der Bombe so zerfetzt worden, daß kaum identifizierbare Überreste von ihm gefunden worden konnten.

Beisetzung am Dienstag

Der Sarg Hakims soll am Dienstag feierlich in Nadschaf beigesetzt werden. Der Provisorische Regierungsrat hat eine dreitägige Staatstrauer verkündet. Die Spannungen in der Stadt sind gestiegen. Am Sonntag eröffneten die Leibwächter eines anderen Geistlichen das Feuer auf ein Fahrzeug, das mit hoher Geschwindigkeit an dem Haus des Mullahs vorbeifuhr. Dabei wurden die beiden Insassen getötet, meldete CNN.

Amerikanische Soldaten sind am Sonntag im Irak erneut unter Beschuß gekommen, meldete der arabische Fernsehsender Al Dschazira. Der amerikanische Stützpunkt in der Stadt Al-Huweija nordöstlich von Bagdad wurde mit Panzerfäusten angegriffen. Ein weiterer Angriff richtete sich gegen einen amerikanischen Militärkonvoi westlich von Bagdad. Ziel der dritten Attacke war nach Angaben vonm Al Dschazira ein Straßenkontrollpunkt westlich der Stadt Hit. Es gab keine Todesopfer.

Zweifel an Waffenfunden

Der britische Außenminister Jack Straw hat Zweifel an der Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak genährt. In einem Interview mit der BBC räumte er am Sonntag ein, es sei nicht sicher, was die britischen und amerikanischen Truppen bei ihrer Suche nach chemischen oder biologischen Waffen finden würden. „Ich kann nicht präzise sagen, was entdeckt werden wird, niemand kann das sagen“, sagte der Minister. Trotzdem sei der Krieg gegen den Irak gerechtfertigt gewesen.

Straw räumte in dem Interview ein, daß die Sicherheitslage im Irak nach den jüngsten Anschlägen überdacht werden müsse. Jedoch hätten die amerikanisch-britischen Koalitionstruppen keinesfalls die Kontrolle verloren. Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich für eine neue UN-Resolution zum Irak ausgesprochen. „Eine neue Resolution ist möglich und auch wünschenswert, falls die UN wirklich bereit sind, eine wichtige und substanzielle Rolle zu spielen“, sagte Putin am Samstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem italienischen Ministerpräsidenten und EU-Ratspräsidenten Silvio Berlusconi auf Sardinien.

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