19.04.2003 · Die amerikanischen Truppen in Bagdad haben den ehemaligen Finanzminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten festgenommen. Ein international gesuchter Terrorist der Abu Nidal-Gruppe stellte sich den Alliierten.
Der Finanzminister Saddam Husseins ist gefasst. Die irakische Polizei habe Hikmat Ibrahim el Assaui festgenommen und amerikanischen Soldaten überstellt, teilte das amerikanische Oberkommando in Katar mit. Assaui befinde sich in der Hauptstadt Bagdad in Gewahrsam. Auf der Liste der Amerikaner mit den 55 meistgesuchten Mitglieder der entmachteten Führung des Landes stand der ehemalige Finanzminster auf Rang 45. Auf der Fahndungsliste der Amerikaner, von denen 52 durch Spielkarten symbolisiert werden, steht Hikmat el Assaui für die Karo-Acht.
Assaui war auch stellvertretender Ministerpräsident. Er könnte möglicherweise Auskünfte über im Ausland vermutete Gelder Saddams geben. Assaui war das fünfte Führungsmitglied, das die USA von ihrer Fahndungsliste streichen konnten. Zuvor waren unter anderem zwei Halbbrüder Saddams festgenommen worden.
Terrorist von Abu Nidal stellt sich
Nach Angaben des Oberkommandos in Katar stellte sich zudem ein „internationaler Terrorist“ der Gruppe des militanten Palästinensers Abu Nidal den amerikanischen Truppen. Chala Chadr el Salahat habe sich am Freitag in Bagdad ergeben. Es war zunächst unklar, welche Rolle Salahat in der Organisation Nidals gespielt hatte. Der im vergangenen Jahr gestorbene Nidal galt als Drahtzieher von Anschlägen in 20 Ländern, bei denen in den 70er und 80er Jahren Hunderte Menschen getötet worden waren.
Bislang für „Spielkarten“ gefasst
52 der von den Amerikanern steckbrieflich Gesuchten werden in Form eines „Kartenspiels“ gelistet. Die fünf bislang Festgenommenen zählen zu den eher kleinen Karten. Von den „Trümpfen“, dem engeren Führungszirkel um Ex-Staatschef Saddam Hussein, haben die Alliierten noch keinen in die Hände bekommen.
Der nach der amerikanischen Liste bislang ranghöchste gefasste Iraker ist mit der Nummer 24 der frühere Ölminister Samir Abd Al-Aziz Al Nadschim. Der Bezirkschef der Baath-Partei für Bagdad wurde in der Nacht zum Freitag in der Nähe von Mossul im Norden des Landes gefangen genommen. Nadschim wurde in dem Kartenspiel mit der Kreuz-Vier gesucht.
Zwei Halbbrüder Husseins festgenommen
Barsan Ibrahim Hassan el Tikriti, ein Halbbruder von Saddam Hussein, wurde am Donnerstag von amerikanischen Marineinfanteristen in Bagdad festgenommen. Er soll über weit reichende Kenntnisse der Strukturen des inneren irakischen Führungszirkels verfügen und war Anfang der 80er Jahre Geheimdienstchef. Barsan el Tikriti steht auf der Fahndungsliste an 52. Stelle und wird im Kartenspiel von der Kreuz-Fünf symbolisiert.
Watban Ibrahim el Tikriti ist ein weiterer Halbbruder des entmachteten Staatschefs aus dessen Heimatstadt Tikrit. Der frühere Präsidentenberater und einstige Innenminister wurde am 13. April an der Grenze zu Syrien festgenommen, als er versuchte, sich in das westliche Nachbarland abzusetzen. Er steht auf der Liste vor Barsan el Tikriti an 51. Stelle. Für ihn steht im Kartenspiel die Pik-Fünf.
Von Hussein fehlt jede Spur
Saddam Husseins wissenschaftlicher Berater Amir Hammudi Hassan el Saadi stellte sich den amerikanischen Truppen am 12. April freiwillig als erster aus der Führungsriege. Der Raketenspezialist und Waffenberater von Saddam Hussein, der mit einer Deutschen verheiratet ist, wies in einem Interview mit dem ZDF zurück, dass Irak über Massenvernichtungswaffen verfügt. Der General war vor dem Krieg unter anderem Verhandlungspartner der UN-Waffeninspekteure Hans Blix und Mohamed el Baradei. El Saadi ist die Nummer 55 auf der Liste und wird von der Karo-Sieben symbolisiert.
Von Saddam Hussein und seinem unmittelbaren Führungskreis fehlt bislang jede Spur. Der entmachtete Staatschef wird in dem Fandungs-Kartenspiel mit Pik-Ass gesucht. Der Pik-König, der als „Chemie-Ali“ berüchtigte Ali Hassan el Madschid und Cousin des Staatschefs, soll bei einem Luftangriff in Basra ums Leben gekommen sein. Er wird für den Tod tausender Kurden durch Giftgaseinsätze in den 80er Jahren verantwortlich gemacht.