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Irak Rumsfeld kommen Zweifel am Kriegsgrund

05.10.2004 ·  Der amerikanische Verteidigungsminister zweifelt an einer Verbindung zwischen Saddam Hussein und Al Qaida. Und der frühere Zivilverwalter im Irak, Bremer, kritisiert, es sei dort eine „Atmosphäre der Gesetzlosigkeit“ entstanden.

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Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat erstmals eingestanden, daß die Informationen über irakische Massenvernichtungswaffen falsch gewesen sind. „Es hat sich herausgestellt, daß wir keine Waffen (im Irak) gefunden haben“, sagte er am Montag vor dem Rat für auswärtige Beziehungen in New York.

„Warum das Geheimdienstmaterial falsch war, kann ich nicht sagen.“ Noch in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem Sender Fox News hatte Rumsfeld behauptet, Saddam Hussein habe seine Waffen vermutlich vor Beginn der Invasion versteckt.

Zudem mußte Rumsfeld eingestehen, daß sich Informationen über eine Verbindung zwischen dem gestürzten irakischen Staatschef und Al Qaida nicht bestätigt haben. Auf Nachfrage sagte er: „Soweit ich weiß, habe ich keine starken Beweise für eine Verbindung gesehen.“ Eine Bedrohung der Vereinigten Staaten durch die angeblichen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins sowie seine Zusammenarbeit mit internationalen Terroristen hatten Rumsfeld und Präsident George W. Bush als Gründe für den Irak-Krieg angeführt.

Bremer: Wir hatten nie genügend Truppen im Irak

Unterdessen hat der frühere amerikanische Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, schwere Vorwürfe gegen das Pentagon erhoben. Es seien zu keiner Zeit ausreichend Bodentruppen entsandt worden, um den Irak nach dem Sturz Saddam Husseins zu befrieden. Als er im Mai 2003 nach Bagdad gekommen sei, habe er dort erschreckende Plünderungen und eine sehr unsichere Lage vorgefunden, sagte er am Montagabend vor Versicherungsmanagern. „Wir haben einen hohen Preis dafür bezahlt, daß wir die Gewalt nicht stoppen konnten. Dadurch wurde eine Atmosphäre der Gesetzlosigkeit geschaffen.“

Bremer kehrte im Juni in die Vereinigten Staaten zurück, nachdem er die Souveränität an eine irakische Übergangsregierung zurückgegeben hatte. Ähnliche Vorwürfe wie der Exstatthalter erhob auch der frühere Generalstabschef Shinseki, allerdings schon im März 2003. Er forderte die Entsendung von mehreren Hunderttausend Soldaten, um das Land nach dem Krieg zu stabilisieren. Seine Einschätzung wurde damals von Verteidigungsminister Rumsfeld zurückgewiesen.

Bodentruppen und Bomben

Die amerikanischen Streitkräfte haben unterdessen am späten Montag abend abermals Luftangriffe gegen Ziele in der Bagdader Armen-Vorstadt Sadr City geflogen. Wie der britische Fernsehsender BBC berichtete, seien auch Bodentruppen eingesetzt worden. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Am Montag waren bei drei Autobombenanschlägen im Irak mindestens 18 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Allein in der irakischen Hauptstadt Bagdad starben bei zwei Explosionen in einer Stunde mindestens 13 Menschen, mehr als 100 weitere wurden verletzt.

In der nordirakischen Stadt Mossul rissen zwei Selbstmordattentäter drei Passanten in den Tod, als ihr Fahrzeug offenbar vorzeitig nahe einer Schule detonierte. Eigentliches Ziel sei vermutlich ein amerikanischer Militärkonvoi gewesen, berichteten Augenzeugen. Neun weitere Menschen, darunter drei Kinder, seien verletzt worden, sagten Krankenhausärzte.

In Bagdad explodierte eine Autobombe vor einem Rekrutierungsbüro der irakischen Armee in der Nähe eines Zugangs zur stark bewachten „Grünen Zone“, in der sich die irakische Übergangsregierung und die amerikanische Botschaft befinden. Krankenhausärzte berichteten von mindestens 12 Toten und mehr als 80 Verletzten. Die Opfer waren vornehmlich junge Männer, die vor dem Büro um Arbeit anstanden.

Polen kündigt Truppenabzug an

In der Nähe eines von Ausländern bewohnten Hotels im Zentrum von Bagdad sprengte sich ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter in die Luft, als eine amerikanische Patrouille vorbeifuhr. Der arabische Nachrichtensender Al Arabija sprach von einem Toten und 22 Verletzten. Wie das amerikanische Militär erklärte, kamen Soldaten bei dem Vorfall nicht zu Schaden.

Der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski kündigte in einem in der Zeitung „Gazeta Wyborcza“ veröffentlichten Interview den Abzug polnischer Truppen aus dem Irak für Ende 2005 an. Bei einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac in Paris bestätigte der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski am Montag entsprechende Überlegungen.

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