17.12.2007 · Mit der Übergabe der Provinz Basra an die irakische Regierung haben die Briten ihr militärisches Engagement praktisch beendet. Mit Ruhm beladen kehren die Truppen nicht nach Hause zurück.
Von Günther NonnenmacherSeit geraumer Zeit haben sich Taktik und Strategie der Amerikaner und Briten im Irak auseinanderentwickelt: Während die amerikanischen Truppen im Irak seit dem Frühjahr um 30.000 Soldaten verstärkt wurden mit dem Ziel, in den umkämpften Regionen und Städten - vor allem in Bagdad - mehr Präsenz zu zeigen, haben die Briten ihre Truppenstärke stetig reduziert und die verbleibenden Soldaten immer weiter in befestigte Stützpunkte zurückgezogen.
Mit der Übergabe von Basra, der letzten der ursprünglich vier von ihnen verwalteten Provinzen, an die irakische Regierung haben die Briten einen Schlussstrich unter ihr militärisches Engagement gezogen, auch wenn letztlich noch 2500 britische Soldaten in Basra bleiben werden - zur Ausbildung irakischer Streitkräfte und als Eingreiftruppe in Notfällen oder Krisen.
Die Verschiedenheit der Vorgehensweise lässt sich mit der unterschiedlichen Lage im Süden und im Norden begründen. Die Briten waren zuständig für eine fast durchgängig von Schiiten bewohnte Region. Die Amerikaner haben es mit den Landesteilen zu tun, in dem es sunnitisch geprägte Städte gibt, die teilweise unter der Herrschaft von Terroristen der Al Qaida standen, und mit Provinzen, darunter Bagdad selbst, in denen Sunniten und Schiiten ineinander verkeilt sind. Dazu kommt das vergleichsweise ruhige Kurdengebiet im Norden. Aber diese Unterschiede erklären nicht alles. Die britischen Generale haben früh daran gezweifelt, dass die Präsenz von Besatzungstruppen friedensstiftend oder beruhigend wirke. Die Amerikaner setzen auf ein langfristiges militärisches Engagement - auch wenn die zur Verstärkung entsandten Truppen jetzt wieder abzuziehen beginnen. Welche Strategie klüger ist, wird man demnächst wissen.
Außenminister Miliband gab zu, dass er den Irakern kein Land übergebe, „in dem Milch und Honig fließen“. Das nennt man „understatement“. Im irakischen Süden bekämpfen sich schiitische Milizen untereinander, darunter auch solche, die von Teheran gesteuert werden. Sie haben die Briten faktisch vertrieben. Ob die Zentralregierung den Süden von nun an tatsächlich verwalten kann oder ob die Iraner ihren Einfluss in diesem ölreichen Gebiet noch verstärken werden, ist eine offene Frage. Mit Ruhm beladen kehren die britischen Truppen jedenfalls nicht aus der irakischen „mission impossible“ zurück.