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Irak Nach Anschlag auf Goldene Moschee drohen Unruhen

22.02.2006 ·  Nach dem Anschlag auf eines ihrer wichtigsten Heiligtümer in Samarra üben irakische Schiiten anscheinend Vergeltung: In Bagdad wurden fünf sunnitische Moscheen angegriffen. Höchste schiitische Würdenträger rufen zur Mäßigung auf.

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Nach dem Sprengstoffanschlag auf eines der wichtigsten Heiligtümer der schiitischen Muslime, die Goldene Moschee in Samarra, droht im Irak eine Welle von Gegengewalt. Mehrere sunnitische Moscheen sollen angegriffen worden sein, Würdenträger rufen zur Mäßigung auf.

Der höchste schiitische Würdenträger des Iraks, Ayatollah Ali Sistani, mahnte seine Landsleute zur Ruhe und rief eine siebentägige Trauer aus. Sistani untersage es seinen Anhängern, als Vergeltung für den Anschlag sunnitische Heiligtümer anzugreifen, erklärte einer seiner Mitarbeiter am Mittwoch in Nadschaf. Die Iraker sollten „einen kühlen Kopf bewahren“ und nicht nach Samarra fahren. Auch der Schiitenführer Muqtada Sadr, der vor allem bei jungen Leuten in der Hauptstadt Bagdad großen Einfluß hat, rief zur Ruhe auf, wie der Fernsehsender Al Irakia berichtete.

Fünf sunnitische Moscheen angegriffen

Aus dem irakischen Innenministerium verlautete, daß Unbekannte als Vergeltung fünf sunnitische Moscheen in Bagdad angegriffen hätten. Ein Büro der sunnitischen Islamischen Partei im Süden der Hauptstadt wurde nach Angaben der Polizei in Brand gesteckt. Ein Kabinettsmitglied sagte, die irakischen Sicherheitskräfte hätten in Samarra drei Verdächtige festgenommen, die derzeit befragt würden. Die Armee schickte 500 Soldaten in sunnitische Stadtteile, um Angriffe auf deren Moscheen zu verhindern.

Auch in der südirakischen Stadt Basra ereignete sich nach Berichten von Zeugen eine Explosion. Angaben über Opfer oder Ausmaß des Schadens an dem Gotteshaus lagen zunächst nicht vor. Zum Zeitpunkt der Detonation hatten aufgebrachte Schiiten vor der sunnitischen Al-Aschra-al-Mubaschar-Moschee gegen die Sprengung des schiitischen Schreins in Samarra demonstriert.

Ruf nach Rache

Dort hatten Extremisten am Mittwoch eines der wichtigsten Heiligtümer der schiitischen Muslime in die Luft gesprengt. Die Hälfte der sechs Meter hohen vergoldeten Kuppel des Schreins des Imams Ali al Hadi wurde nach Polizeiangaben zerstört. Sofort strömten Hunderte aufgebrachte Menschen zu dem Mausoleum und forderten lautstark, daß es für die Täter keine Gnade geben dürfe. Im ganzen Land gingen zigtausende Schiiten auf die Straßen, um gegen den Terror zu protestieren.

Die Polizei nahm unterdessen zehn Verdächtige fest. Das sagte der nationale Sicherheitsberater der irakischen Regierung, Muwaffak al Rubai, dem Nachrichtensender Al Arabija. Das amerikanische Militär erklärte, der Fall werde untersucht. Soldaten durchkämmten die anliegenden Häuser nach Verdächtigen. Fünf für die Sicherheit des Schreins verantwortliche Polizisten wurden verhört.

Täter trugen Uniformen

Nach Angaben von Augenzeugen hatten bewaffnete Männer am frühen Morgen die Wächter vor dem Schrein überwältigt und gefesselt. Die Täter sollen Uniformen der Nationalgarde getragen haben. Dann hätten sie den Sprengsatz plaziert, hieß es. Menschen kamen bei dem Anschlag nach ersten Informationen nicht zu Schaden, es wird aber nicht ausgeschlossen, daß die Trümmer mehrere Personen unter sich begruben.

Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari setzte eine dreitägige Staatstrauer in Kraft. Präsident Dschalal Talabani verurteilte die Tat und rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Die Absicht der Extremisten sei es, die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zu torpedieren, sagte der Präsident.

Ziel von Pilgern aus aller Welt

In dem Schrein sind zwei namhafte schiitische Imame begraben. Er wird jedes Jahr von Tausenden schiitischer Pilger aus aller Welt besucht. (Siehe auch: Hintergrund: Die Goldene Moschee in Samarra) Samarra liegt 125 Kilometer nördlich von Bagdad und damit an der Spitze des sogenannten sunnitischen Dreiecks.

Bei einem zweiten Anschlag nahe der südirakischen Stadt Kut wurden am Mittwoch zwei Jungen getötet und vier verletzt. Der Sprengsatz detonierte vor einer Grundschule in der vorwiegend schiitischen Region, wie die Polizei mitteilte. In der nördlichen Stadt Mukdadija verübten Aufständische ein Attentat auf den Richter Abdul Ridha Hussein Kadhim. Er überlebte verletzt, vier seiner Leibwächter wurden getötet. In Baquba im Nordwesten fielen zwei Polizisten einem Angriff zum Opfer. Erst am Montag und Dienstag hatten mehrere Anschläge den Irak erschüttert. (Video: Mehr als 20 Tote bei Bombenanschlag)

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