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Irak Mißhandlungsvorwürfe auch gegen Briten im Irak

01.05.2004 ·  Einen Tag nach der weltweiten Empörung über folternde amerikanische Soldaten im Irak sind schockierende Bilder auch von britischen Übergriffen aufgetaucht. Präsident Bush hat unterdessen die Mißhandlungen scharf verurteilt.

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Nur einen Tag nach weltweiter Empörung über folternde amerikanische Soldaten im Irak sind schockierende Bilder auch von britischen Übergriffen aufgetaucht.

Verteidigungsstaatssekretär Adam Ingram versprach am Samstag in London eine unabhängige Untersuchung. Der Oberkommandant des Heeres, General Sir Michael Jackson, sagte, die Schuldigen seien „nicht würdig, die Uniform der Königin zu tragen“. Premierminister Tony Blair ließ versichern, es gehe um einen Einzelfall. Doch wenn die Aussagen zweier Soldaten stimmen, kommen solche Mißhandlungen immer wieder vor.

„Daily Mirror“ berichtet von Übergriffen

Das Titelblatt der links orientierten Boulevardzeitung „Daily Mirror“ zeigte am Samstag einen britischen Soldaten, der auf den nackten Oberkörper eines jungen Mannes uriniert. Im Innenteil weitere Fotos: Ein Soldat stößt dem Gefangenen einen Gewehrkolben in die Genitalien, tritt ihm mit dem Schuh ins Gesicht und bedroht ihn mit vorgehaltenem Gewehr.

Die Zeitung bekam die Bilder nach eigener Darstellung von zwei Soldaten, von denen sich einer selbst an der Mißandlung beteiligt hatte. Nach ihren Angaben wurde der etwa 20 Jahre alte Iraker verdächtigt, ein Dieb zu sein. Acht Stunden lang sei er von britischen Soldaten in Basra gequält worden.

Mit Gewehrkolben hätten sie ihm den Kiefer gebrochen und ihm Zähne ausgeschlagen. „Sie waren drauf und dran, ihn zu töten“, wurde einer der beiden Soldaten zitiert, die das Blatt informiert haben. „No, Misten, no Mister“, habe er in gebrochenem Englisch gefleht.

Einer der Gründe für dieses brutale Vorgehen sei die Ohnmacht der irakischen Polizei. Wenn man einen Dieb auf die Wache bringe, werde dieser nach 20 Minuten wieder freigelassen. Deshalb zögen es die Briten vor, „ihnen auf unsere Weise eine Lektion zu erteilen. Vor allem jüngere Soldaten genossen außerdem ihre praktisch unumschränkte Macht im rechtsfreien Raum: „Man hat eine Knarre, und man ist das Gesetz.“

Dieses Verhalten habe dazu beigetragen, daß die Iraker die Briten nun als Feinde betrachteten: „Ich kann es gar nicht fassen, daß die Iraker so lange gebraucht haben, um sich zu wehren“, sagte einer der Soldaten.

Vorwürfe bereits früher aufgetaucht

Es ist nicht das erste Mal, daß solche Vorwürfe gegen britische Soldaten erhoben werden, nur sind bisher noch nie so schockierende Fotos an die Öffentlichkeit gelangt. Das Verteidigungsministerium prüft nach eigenen Angaben zurzeit acht Verdachtsfälle.

Nach einem Bericht der „Times“ haben sich die britischen Streitkräfte bei diesen Untersuchungen bisher nicht durch Schnelligkeit hervorgetan. So sei nach neun Monaten noch immer nicht darüber entschieden, ob acht Soldaten verfolgt würden, die nackte irakische Gefangene zur Nachstellung sexueller Handlungen gezwungen haben sollen. Die oppositionellen Liberaldemokraten kritisierten am Samstag, daß die Beschuldigten noch nicht einmal suspendiert worden seien.

Präsident Bush verurteilt amerikanische Übergriffe

Der amerikanische Präsident George W. Bush hat unterdessen die Mißhandlung irakischer Häftlinge durch amerikanische Soldaten scharf verurteilt. „Ich teile die tiefe Abscheu über die Art, wie die Häftlinge behandelt worden sind“. Diese Behandlung entspreche nicht dem Wesen der Amerikaner, so Bush.

Die amerikanische Regierung entschuldigte sich für die Mißhandlungen der irakischen Gefangenen. „Es tut uns sehr leid, daß dies Menschen angetan wurde und wir werden alles in unserer Macht stehende tun, damit sich so etwas nicht wiederholt“, sagte der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Richard Boucher.

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