Home
http://www.faz.net/-gpf-p90x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Irak Mehr als 50 Tote bei amerikanischen Angriffen im Irak

09.09.2004 ·  Bei einer amerikanischen Offensive gegen mutmaßliche Aufständische sind im Irak mehr als 50 Menschen getötet worden. Die amerikanische Luftwaffe bombardierte die Rebellenhochburgen Falludscha und Tal Afar.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Das amerikanische Militär hat seine Angriffe auf irakische Rebellenhochburgen fortgesetzt. Bei Luftangriffen auf die Städte Falludscha und Tal Afar wurden mehr als 50 Menschen getötet.

Bei heftigen Gefechten um die Stadt Tal Afar etwa 100 Kilometer östlich der syrischen Grenze wurden nach Behörenangaben 22 Rebellen getötet und etwa 70 weitere verwundet. Tal Afar gilt als Rückzugsgebiet ausländischer Kämpfer. Es habe sich um einen Angriff auf eine Basis des jordanischen Extremisten Abu Mussab al-Zarkawi mit Kontakten zu Al Qaida gehandelt, erklärte das Militär. Angaben über Opfer unter den amerikanischen Truppen oder den irakischen Sicherheitskräfte lagen nicht vor.

Anlaufstelle für ausländische Kämpfer

Das Militär bezeichnete die Offensive bei Tal Afar im Norden des Irak als eine Reaktion auf wiederholte Angriffe von Terroristen. Die Stadt sei eine Anlaufstelle für ausländische Kämpfer, die die irakischen Sicherheitskräfte in den vergangenen Wochen immer wieder zurückgedrängt und auch die amerikanische Truppen wiederholt angegriffen hätten. Auch viele Zivilisten seien Opfer dieser Anschläge geworden.

Ein Mitarbeiter der regionalen Gesundheitsbehörde beschrieb die Situation um Tal Afar als kritisch. „Wegen der anhaltenden Kämpfe gelangen weder Krankenwagen noch medizinische Versorgung nach Tal Afar". Schon Anfang September waren bei heftigen Kämpfen in Tall Afar rund zwanzig Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. In der 150.000-Einwohner-Stadt wohnen mehrheitlich Schiiten.

25 Millionen Dollar Kopfgeld

Die dritte Nacht in Folge bombardierte die Luftwaffe das von Rebellen kontrollierte Falludscha südlich von Bagdad. Ziel des Luftangriffs in Falludscha war dem Militär zufolge ein Gebäude, in dem sich drei Terroristen aufgehalten hätten. „Drei Verbündete Al Zarkawis sollen Berichten zufolge zurzeit des Angriffs in der Gegend gewesen sein. Es waren keine anderen Personen während des Angriffs dort", hieß es in der Erklärung.

Die Vereinigten Staaten machen Al Zarkawi für eine Reihe von Selbstmordanschlägen und der Ermordung mehrerer ausländischer Geiseln verantwortlich. Er soll enge Verbindungen zur Al-Qaida-Organisation Usama bin Ladins haben. Die amerikanische Regierung hat 25 Millionen Dollar Kopfgeld auf ihn ausgesetzt.

Auf einer Internetseite tauchte ein Schreiben auf, in dem Al Zarkawis Gruppe mit Vergeltungsschlägen für ihre getöteten Anhänger droht. „Vier Mudschahedin wurden zu Märtyrern während des Bombenangriffs auf Falludscha", heißt es darin. „Dieser Angriff wird nicht ohne starke Antwort bleiben.“

Kämpfe in Samarra

Auch in der von sunnitischen Rebellen kontrollierten Stadt Samarra, rund 100 Kilometer nördlich von Bagdad, nahm das amerikanische Militär die Kämpfe wieder auf. Eigenen Angaben zufolge rückten Soldaten in die Stadt ein, um dort einen Übergangsbürgermeister sowie einen Stadtrat einzusetzen.

„Irakische Sicherheitskräfte und die Multinationale Truppen werden Verkehrskontrollpunkte in der Stadt einrichten und - als Zeichen des guten Willens - die Samarra-Brücke für den Zivilverkehr öffnen", hieß es in der Erklärung. In den vergangen zwei Monaten hatten sich die Truppen aus der Stadt ferngehalten und ihre Panzer und Flugzeuge vor der Stadtgrenze stationiert.

Sadrs Büro durchsucht

Irakische Sicherheitskräfte haben die Büroräume des radikalen Schiitenpredigers Muqtada Sadr in Nadschaf durchsucht. Dabei seien Waffen beschlagnahmt worden, teilte die Polizei mit. Die Durchsuchung sei von sechs Offizieren der Nationalgarde und ihrem Kommandeur vorgenommen worden.

Nach Angaben des Vizegouverneurs von Nadschaf, Tallal Billal, hatten Sadrs Mitarbeiter zuvor ihren Widerstand gegen die Durchsuchung aufgegeben. „In Gesprächen wurde eine Einigung erzielt, und die Durchsuchung konnte stattfinden“, sagte Billal. „Die Mitarbeiter des Büros haben sich kooperativ gezeigt.“ Welche Art von Waffen gefunden wurde, teilten die Behörden nicht mit.

Auch zwei Tage nach der Entführung zweier Italienerinnen aus Bagdad gab es keine Bekennerschreiben von möglichen Entführern. Die Staatssekretärin des italienischen Außenministeriums, Margherita Boniver, brach am Donnerstag zu einer Nahostreise auf, um die Bemühungen zur Freilassung der beiden Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation im Irak voranzutreiben. Der irakische Präsident Ghazi el Jawar will am Freitag mit dem italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi in Rom zusammentreffen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters, AP und dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Brandsatz Syrien

Von Günther Nonnenmacher

In Syrien ist ein voll entfalteter Bürgerkrieg im Gang. Assad geht mit aller Härte vor, weil er fürchtet, dass jedes Nachgeben als Zeichen der Schwäche gewertet wird. Die Opposition hofft, das Regime mit der Zeit zu zermürben. Dieser Konflikt könnte den gesamten Mittleren Osten in Brand setzen. Mehr 1