03.02.2003 · Die Strategie Saddam Husseins, der mit seiner Theorie von der „imperialistischen Aggression gegen alle Araber“ versucht hatte, die Unterstützung der Araber zu gewinnen, ist nicht aufgegangen.
Obwohl die Vereinigten Staaten ihre Kriegsvorbereitungen in der Golfregion schon fast abgeschlossen haben, sind die Anti-Kriegs-Demonstrationen in der arabischen Welt bislang nicht größer als etwa in Deutschland oder Italien. Und die arabischen Führer werfen dem irakischen Präsidenten in seiner Auseinandersetzung mit Washington und den UN-Waffeininspekteuren sogar Knüppel zwischen die Beine - so sieht es zumindest die Führung in Bagdad.
Daumenschrauben
Tatsächlich versuchen die Araber, Saddam Hussein Daumenschrauben anzulegen, indem sie ihm einen Großteil der Verantwortung für die derzeitige Krise geben, allen voran die einflussreichen Regionalmächte Ägypten und Saudi-Arabien. Für diese Haltung der arabischen Führer gibt es nach Auffassung politischer Beobachter in der Region vor allem zwei Gründe: Erstens haben viele arabische Regierungen noch eine alte Rechnung mit dem Machthaber am Tigris offen, allen voran das 1990 von Saddam vertriebene kuwaitische Herrscherhaus und die saudische Königsfamilie, deren Staatsgebiet die Iraker im Golfkrieg mit Scud-Raketen beschossen hatten. Zweitens glauben die arabischen Führer, dass es ihnen eher gelingen könnte, auf das mit dem Rücken zur Wand stehende irakische Regime Druck auszuüben, als die Regierung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush von ihrem Kriegskurs abzubringen. Dabei sind sie überzeugt, dass es Bush im Irak weder um die Eindämmung des Terrorismus noch um Demokratisierung geht, sondern um knallharte wirtschaftliche und geopolitische Interessen.
Politik der Transparenz
„In der kommenden Phase wird alles davon abhängen, wie sich die Regierung in Bagdad verhält und inwieweit sie eine Politik der Transparenz verfolgen wird, um dem irakischen Volk neues Leid in einem Krieg zu ersparen“, erklärt der ägyptische Präsident Husni Mubarak in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Kairoer Zeitung „Al Gumhuria“. Die regierungsnahe Zeitung fordert den irakischen Präsidenten unterdessen auf, seine realitätsferne Kriegsrhetorik aufzugeben und Drohungen wie „wir werden eine Million amerikanische Soldaten töten“ künftig zu unterlassen.
Geheimdienstinformationen
Gleichzeitig beteiligt sich Chefredakteur Samir Ragab selbst an den Spekulationen über einen wahrscheinlichen Kriegsverlauf: "Geheimdienstinformationen bestätigen, dass der Widerstand der irakischen Armee (nach einem Angriff) innerhalb weniger Stunden in sich zusammenbrechen wird.“ Doch auch, wenn keiner Saddam politisch unter die Arme greifen will - einig sind sich die Araber bislang nur in ihrem Widerstand gegen einen Krieg, der die politische Landkarte der ganzen Region verändern könnte. Wie und zu welchem Preis dieser Krieg noch verhindert werden könnte, darüber wird noch gestritten.
Neue UN-Resolution?
Während einige Staaten eine neue UN-Resolution wollen, die einen Krieg ausschließt, falls Saddam Hussein ins Exil geht oder von seinen Getreuen gestürzt wird, wollen andere Regierungen mit solchen Plänen nichts zu tun haben - zumindest offiziell nicht. „Ich will in dieser Phase nicht ins Detail gehen, aber dieses Thema steht nicht auf der Tagesordnung“, sagte Jordaniens Außenminister Marwan el Muaschir.
Arabisches Treffen
Nach langem Tauziehen haben sich die Staaten der Arabischen Liga jetzt doch noch darauf geeinigt, zumindest ein außerordentliches Außenministertreffen für Mitte Februar anzuberaumen. Möglicherweise wollen sie auch ihren für Ende März in Bahrain vorgesehenen Gipfel vorverlegen. „Doch weder die eine noch die andere Entscheidung wird die Araber einer Lösung näher bringen“, schreibt die Kairoer Zeitung „Egyptian Gazette“ und zählt die Versäumnisse der vergangenen Wochen auf: „Machtlos stehen die Araber im Abseits. Sie haben es versäumt, auf die französisch-deutsche Ablehnung gegen die amerikanischen Kriegspläne aufzubauen. Auch haben sie kein Kapital aus der weltweiten Anti-Kriegs-Welle geschlagen.“