20.02.2003 · Die türkische Regierung blockiert weiter die Bemühungen der Vereinigten Staaten, mit der Stationierung Zehntausender Soldaten eine Nordfront für einen Krieg gegen Irak eröffnen zu können.
Die Türkei blockiert weiter die Bemühungen Washingtons, mit der Stationierung Zehntausender Soldaten eine Nordfront für einen Krieg gegen Irak eröffnen zu können.
Der Chef der türkischen Regierungspartei AKP, Tayyip Erdogan, wurde am Donnerstag mit den Worten zitiert, die Türkei werde der Stationierung amerikanischer Truppen nicht zustimmen, solange Washington keine schriftlichen Garantien über Ausgleichszahlungen abgäbe.
Powell rechnet mit Entscheidung
Dennoch erwarten die Vereinigten Staaten von der Türkei nach den Worten von Außenminister Colin Powell noch im Laufe des Donnerstags eine Antwort auf ihre Anfrage. „Ich erwarte, bis zum Ende des Tages eine Rückmeldung von ihnen zu bekommen", sagte Powell am Donnerstag in Washington. Washington würde der Türkei kein höheres Angebot über Ausgleichszahlungen für Kriegsschäden mehr vorlegen, sagte er. Powell fügte jedoch an, „es könnte andere kreative Dinge geben, die wir (für die Türkei) tun können", bei den Hilfszahlungen sei jedoch die Höchstgrenze erreicht.
Die Vereinigten Staaten hatten erklärt, dass sie ihr Angebot einer finanziellen Unterstützung von sechs Milliarden Dollar und zusätzlicher Kredite über bis zu 20 Milliarden Dollar nicht erhöhen würden. Die wirtschaftlich angeschlagene Türkei fordert amerikanischen Regierungskreisen zufolge Zahlungen von mehr als 30 Milliarden Dollar.
Kein Parlamentsbeschluss
Erdogan hatte zuvor der Tageszeitung „Yeni Saffak" gesagt, das türkische Parlament werde sich erst mit der Nutzung der türkischen Militärstützpunkte befassen, wenn es eine Einigung über Kompensationen für die wirtschaftlichen Folgen eines Irak-Kriegs gegeben habe. Die religiös-konservative AKP-Partei erklärte, am Freitag werde es keine Parlamentsabstimmung über die Truppenverlegung geben.
Nato-Generalsekretär George Robertson sagte nach einem Treffen mit Präsident George W. Bush in Washington, es gebe „starke Hinweise“ darauf, dass Irak im Falle eines Krieges die Türkei angreifen würde. Presseberichten zufolge verfolgen London und Washington detaillierte Pläne für einen Bodenkrieg in Irak, der mit einer Invasion von der südlichen Seeseite beginnen soll. Über eine zweite Front im Norden könnten amerikanische Soldaten von der Türkei aus nach Irak vorstoßen.