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Irak Kriegserklärung von Zarqawi

15.09.2005 ·  Einen Tag nach der blutigen Anschlagsserie im Irak kam es heute zu neuen Angriffen. Terrorführer Zarqawi soll den irakischen Schiiten den „totalen Krieg“ erklärt haben - als Reaktion auf die amerikanisch-irakische Offensive in Talafar.

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Bei einem Selbstmordanschlag in Bagdad sind am Donnerstag nach Berichten mindestens 20 Menschen getötet worden, darunter 15 Polizisten.

Wie der britische Sender BBC unter Berufung auf die Polizei berichtete, wurden 21 Menschen verletzt, als der Attentäter mit seinem Auto einen Polizeikonvoi rammte.

„Kriegserklärung“ von Zarqawi

Kurz vor Mittag detonierten dann im Abstand von nur einer Minute zwei weitere Autobomben, die ebenfalls von Selbstmordattentätern gezündet worden waren. Dabei wurden in der Nähe der ersten Anschlagsstelle mindestens neun weitere Polizisten getötet.

Einen Tag nach der blutigen Anschlagsserie im Irak kam es heute zu neuen Angriffen. Terrorführer Zarqawi soll den irakischen Schiiten den „totalen Krieg“ erklärt haben - als Reaktion auf die amerikanisch-irakische Offensive in Talafar.

Im Osten Bagdads kamen drei Zivilpersonen ums Leben, als eine am Straßenrand versteckte Bombe beim Vorbeifahren eines Busses mit Regierungsangestellten explodierte. Amerikanische Soldaten und irakische Polizisten fuhren später durch den Distrikt Doura und forderten die Anwohner auf, in ihren Häusern zu bleiben, da in der Gegend noch fünf weitere potentielle Attentäter unterwegs seien.

Der Chef des Terrornetzes „Al Qaida im Zweistromland“, der Jordanier Abu Mussab al Zarqawi, erklärte den im Irak lebenden Schiiten unterdessen angeblich den Krieg. Eine entsprechende Tonaufnahe wurde nach der seit Anfang des Jahres schwersten Anschlagserie im Irak, bei der am Mittwoch bis zu 150 Menschen getötet worden waren, im Internet veröffentlicht.

Reaktion auf Talafar-Offensive

Darin erklärt eine Männerstimme allen Schiiten im Irak den „totalen Krieg“. Eine Bestätigung, daß es sich tatsächlich um Al Zarqawis Stimme handelt, gab es zunächst nicht. Die Extremisten stellten die Anschläge als Reaktion auf die amerikanisch-irakische Offensive gegen Aufständische in Talafar im Nordirak dar.

In der Tonbandaufzeichnung sagte der als Zarqawi eingeführte Sprecher, seine Kämpfer würden jeden Iraker angreifen, der der Kollaboration bei der von den Vereinigten Staaten geführten Militäraktion verdächtigt werde. „Wenn es bewiesen ist, daß ein Mitglied der irakischen Nationalgarde, der Polizei oder der Streitkräfte ein Agent der Kreuzfahrer ist, wird er getötet, und sein Haus wird niedergerissen oder abgebrannt, nachdem alle Frauen und Kinder herausgeholt wurden“, heißt es in der Erklärung.

Innermuslimische Front?

Der Konflikt zwischen Schiiten und sunnitischen Aufständischen hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt. Einflußreiche Schiiten-Parteien wollen in der künftigen Verfassung, über die die Iraker in einem Monat abstimmen sollen, für den Süden des Landes eine Autonomieregelung - ähnlich die der Kurden im Norden - verankern. Viele Sunniten fürchten eine Abkopplung dieser Landesteile, die den Ölreichtum Iraks beherbergen.

Dem Terroristenführer Zarqawi waren schon früher schiitenfeindliche Äußerungen zugeschrieben worden. Dies unterscheidet ihn vom Anführer des Al-Qaida-Terrornetzes, Usama bin Ladin, der sich trotz seiner extremistischen Auslegung des sunnitischen Islam bisher nicht hat dazu hinreißen lassen, eine zusätzliche innermuslimische Front gegen die Schiiten zu eröffnen.

Neue Zusammenstöße

In Ramadi kam es unterdessen zu Zusammenstößen zwischen amerikanischen und irakischen Truppen und Aufständischen. Nach Polizeiangaben starben dabei mindestens zwei Zivilisten. In der nordirakischen Stadt Kirkuk tötete eine Straßenbombe zwei Polizisten.

Ein weiterer Polizist kam bei einem Angriff auf eine Wache in Bakuba ums Leben. In der Stadt Falludscha starben zwei irakische Soldaten, als ein Angreifer eine Handgranate auf eine Patrouille warf.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/Reuters/AP
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