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Irak-Krieg 19. Tag: Amerikaner zermürben Bagdad

07.04.2003 ·  Amerikanische Truppen sind weit ins Zentrum Bagdads vorgedrungen und haben den Hauptpalast Saddam Husseins in Besitz genommen. Parallel zum Vorstoß in Bagdad rückten britische Truppen in Basra ins Stadtzentrum vor.

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7. April. Amerikanische Truppen sind am Montag weit ins Zentrum Bagdads vorgedrungen und haben einen oder zwei Präsidentenpaläste sowie andere Objekte des Regimes zumindest vorübergehend in Besitz genommen. In der Nähe des Informationsministeriums und des Al-Raschid-Hotels westlich des Tigris gab es nach Berichten von Journalisten heftige Feuergefechte mit irakischen Kräften.

Die Kämpfe, die am Morgen begonnen hatten, dauerten am späten Nachmittag weiter an. Mehr als sechzig Panzer und vierzig Schützenpanzer sollen nach unbestätigten Angaben an der Aktion eines Verbandes der 3. Infanteriedivision beteiligt gewesen sein. Vom südöstlichen Stadtrand her drangen Einheiten des Marineinfanterie-Korps vor.

Deutscher und spanischer Journalist kommen ums Leben

Beim dem Versuch, einen Kanal zu überwinden, wurden zwei amerikanische Soldaten durch Artilleriebeschuß in ihrem gepanzerten Fahrzeug getötet. Nicht ausgeschlossen wird, daß die Geschosse aus einem amerikanischen Geschütz abgefeuert wurden. Bei einem irakischen Raketenangriff südlich von Bagdad sind ein deutscher und ein spanischer Journalist ums Leben gekommen. Bei dem Angriff seien auch zwei amerikanische Soldaten getötet worden, sagte ein Sprecher der Streitkräfte.

Die überfallartigen Aktionen zeigten, sagte Brigadegeneral Vincent Brooks vor Journalisten im provisorischen Hauptquartier in Doha, daß die amerikanischen Truppen in Teilen Bagdads nach eigenem Gutdünken operieren und selber Zeitpunkt und Ort ihres Vorgehens bestimmen könnten. Die irakische Führung sei nicht mehr in der Lage, eine organisierte Verteidigung der Hauptstadt aufrechtzuerhalten. Es gebe jedoch andere Gebiete, etwa im Nordosten, wo die Kontrolle über die Zivilbevölkerung durch Mitglieder der Baath-Partei und bewaffnete Anhänger des Systems noch gewährleistet sei.

Basra: Britische Truppen rücken ins Stadtzentrum vor

Parallel zu dem Vorstoß in Bagdad rückten britische Truppen in Basra ins Stadtzentrum vor. Rund 700 Soldaten der "Desert Rats" stießen dabei aber weiter auf vereinzelten Widerstand. Mindestens drei britische Soldaten wurden getötet. Ein Teil der Einwohner begrüßte die Briten mit Jubel, andere plünderten das Mobiliar einer Bank und des Sheraton-Hotels.

Im Herzen Bagdads konnten amerikanische Truppen den Neuen Präsidentenpalast einnehmen. Das prächtig ausgestattete Gebäude, in dem es ein Befehlszentrum gegeben haben soll, war schon bei früherer Gelegenheit aus der Luft angegriffen und zum Teil zerstört worden. Amerikanische Truppen richteten dort einen Sammelpunkt für Kriegsgefangene ein. Mitglieder des Regimes wurden in dem Palast oder in anderen Gebäuden dort nach Angaben von General Brooks nicht angetroffen. Kampfflugzeuge und Hubschrauber unterstützen die Kämpfe der amerikanischen Bodentruppen aus der Luft.

Während der Gefechte auf der anderen Seite des Flusses stellte sich der irakische Informationsminister Muhammad Sajd al Sahaf auf dem Dach des Palästina-Hotels, wo viele ausländische Journalisten wohnen, den Fernsehkameras und behauptete, die Amerikaner seien bei ihren Angriffen auf die Stadt vernichtend geschlagen worden. Bagdad sei eine sichere Festung und groß.

Vereinzelter Widerstand

Weitere Erfolge der amerikanischen Truppen wurden auch aus anderen Städten des Iraks gemeldet. Obwohl es noch vereinzelten Widerstand gebe, seien Städte wie Kerbela und Nadschaf weiter im Süden jetzt zum größten Teil unter der Kontrolle der Koalitionskräfte, sagte Brooks.

Am internationalen Flughafen von Bagdad, den die Amerikaner Ende letzter Woche eingenommen hatten, kam es am Montag wieder zu Kämpfen. Im Norden, an der Grenze zu den autonomen Kurdengebieten, wurden die Luftangriffe auf irakische Stellungen weiter fortgesetzt.

Meldungen, daß in Basra die Leiche eines engen Vertrauten Saddam Husseins gefunden worden sei, wollte General Brooks nicht bestätigen. Die britische Regierung sagte, sie habe deutliche Hinweise darauf, daß der irakische Militärkommandeur und Cousin von Präsident Saddam Hussein, Ali Hassan al Majid, bei Luftangriffen auf Basra getötet wurde. "Soweit es Majid betrifft, haben wir starke Hinweise darauf, daß er getötet worden ist", sagte der britische Verteidigungsminister Hoon.

"Außergewöhnlichen Funde"

Amerikanische Truppen entdeckten im Süden Iraks nach eigenen Angaben möglicherweise ein Chemiewaffenlager. "Wir reden hier von einem Fundort möglicher Massenvernichtungswaffen", sagte Major Ross Coffman am Montag auf dem Flughafen von Bagdad. Das mögliche Lager sei in der Nähe der Stadt Hindija, etwa 100 Kilometer südlich von Bagdad, entdeckt worden. Dagegen sagte General Brooks, es habe bislang keine "außergewöhnlichen Funde" gegeben: "Wir suchen immer noch."

Kurdische Kreise in Teheran berichteten von der Kapitulation von 128 irakischen Offizieren und Soldaten bei Kirkuk im Nordirak. Erste Truppenverbände der irakischen Opposition sind nach Angaben des amerikanischen Vize-Generalstabschefs General Peter Pace jetzt im Irak im Einsatz. Medien berichteten, so kämpfte bereits das 1. Bataillon des oppositionellen Irakischen Nationalkongresses zusammen mit amerikanischen Truppen in der Nähe der zentralirakischen Stadt Nassirija.

Quelle: Bc. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2003, Nr. 83 / Seite 1
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