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Irak Freigelassene Journalistin von Amerikanern verletzt

05.03.2005 ·  Drama um die im Irak entführte italienische Journalistin Giuliana Sgrena: Kurz nach ihrer Freilassung am Freitag geriet sie unter den Beschuß amerikanischer Soldaten und wurde verletzt. Silvio Berlusconi verlangt eine Erklärung von den Amerikanern.

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Das Fahrzeug der im Irak nach einmonatiger Geiselhaft freigelassenen italienischen Journalistin Giuliana Sgrena ist am Freitag auf dem Weg zum Flughafen von amerikanischen Soldaten beschossen worden.

Sgrena sei verletzt und ein italienischer Geheimdienstmitarbeiter, der bei den Verhandlungen zur Freilassung Sgrenas geholfen habe, getötet worden, sagte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Freitag abend. Damit bestätigte der italienische Regierungschef die Angaben der Zeitung „Il Manifesto“, für die Sgrena arbeitet. Die amerikansiche Armee im Irak bestätigte zunächst lediglich die Informationen, ohne eine Erklärung zu geben, wie es zu dem Zwischenfall kommen konnte.

Der Konvoi sollte die italienische Journalistin nach ihrer Freilassung zum Bagdader Flughafen bringen. Berlusconi sagte, nach dem Zwischenfall habe seine Regierung den amerikanischen Botschafter in Rom einbestellt. Nachrichtenagenturen meldeten, Sgrena sei mit einer Schulterverletzung in ein Krankenhaus gebracht worden.

Die Amerikaner eröffneten das Feuer

„Sie war zusammen mit drei Leuten der italienischen Sicherheitskräfte in einem Auto auf dem Weg zum Flughafen. Amerikanische Truppen haben das Feuer eröffnet“, teilte die Zeitung „Il Manifesto“ mit, für die Sgrena tätig ist. Die italienische Nachrichtenagentur Apcom meldete, ein gepanzertes Fahrzeug der amerikanischen Streitkräfte habe irrtümlich auf den Wagen gefeuert, in dem Sgrena saß. Laut „Il Manifesto“ wurde bei dem Beschuß des Konvois der Leiter der italienischen Spezialkräfte im Irak, Nicola Calibari, getötet.

Der Zwischenfall trug sich an einer Straßensperre auf dem Weg zum Flughafen zu, wo die italienische Regierung ein Flugzeug für Sgrena bereitgestellt hatte. Wie es zu dem Beschuß kommen konnte, blieb zunächst unklar.

Frei nach einem Monat

Das Ende der Geiselnahme, die am 4. Februar in Bagdad begonnen hatte, wurde in Italien mit großer Freude aufgenommen. Sgrenas Vater Franco war so überwältigt, daß er die Hilfe eines Arztes benötigte. „Dies ist ein außergewöhnlicher Tag“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Ansa.

Die „Il Manifesto“-Mitarbeiter in Rom stießen mit Champagner auf das Ereignis an. „Wir können nicht erwarten, sie endlich wiederzusehen, sagte Redakteur Tommaso Di Francesco. Der italienische Außenminister Gianfranco Fini zeigte sich „hoch erfreut und sehr zufrieden“.

Der italienische Staatschef Carlo Azeglio Ciampi hatte am Freitag abend in Rom bestätigt, daß Giuliana Sgrena nach einem Monat in der Gewalt ihrer Entführer wieder frei sei. Unter welchen Umständen sie frei kam, war zunächst unklar. In einem am Abend vom arabischen Fernsehsender Al Dschazira ausgestrahlten Video bedankte sich Sgrena bei ihren Entführern für die „gute Behandlung“ während ihrer Gefangenschaft.

Auch Sgrenas Arbeitgeber, die linksgerichtete Zeitung „Il Manifesto“, gab unter Berufung auf den italienischen Geheimdienst die Freilassung der 56jährigen bekannt; Kollegen reagierten mit Jubel und Freudentränen auf die Nachricht von der Freilassung.

In Bagdad entführt

Sgrena arbeitet auch für die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“. Am 16. Februar veröffentlichten die Entführer ein Videoband, auf dem die sichtlich gezeichnete Sgrena unter Tränen um ihr Leben und um den Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak bat. Vor zwei Wochen hatte in Rom eine halbe Million Menschen für die Freilassung der Journalistin demonstriert.

In der vergangenen Woche hatte der italienische Staatspräsident Ciampi an die Entführer appelliert, Sgrena unverzüglich freizulassen. Davor hatten mehrere hunderttausend Menschen in Rom mit einem Protestmarsch ihre Solidarität mit Sgrena bekundet. Die Entführer hatten den Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak gefordert. Die Regierung lehnte dies jedoch ab.

„Bewegt und glücklich“

Ciampi dankte allen, die zur Freilassung Sgrenas beigetragen hätten. Näheres zu den Umständen ihrer Befreiung und zu ihrer Zeit in Geiselhaft wurde zunächst nicht bekannt. „Ich bin sehr bewegt und glücklich“, sagte die italienische Vize-Außenministerin Margherita Boniver in einer ersten Reaktion. Sgrena wurde von ihren Entführern verschleppt, nachdem sie eine Moschee in Bagdad aufgesucht hatte, in der Flüchtlinge aus Falludscha Unterschlupf gefunden hatten.

Zu ihrer Entführung hatten sich verschiedene Gruppen bekannt, ohne daß die Echtheit der Bekennerschreiben nachgewiesen werden konnte. Auch über mögliche Forderungen der Entführer wurde nichts bekannt.

Italien hat 3000 Soldaten in den Irak entsandt. Die linksgerichtete Zeitung „Il Manifesto“, für die Sgrena seit 1988 arbeitet, hatte die Beteiligung Italiens am Irak-Krieg stets kritisiert.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters, AFP, AP
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