13.09.2004 · Mit Luftangriffen versuchen die amerikanischen Streitkräfte, den Widerstand in Falludscha zu brechen. Dabei starben mindestens sieben Menschen. Am Sonntag hatte es bei einer Serie von Gewalttaten etwa 70 Tote gegeben.
Die amerikanische Luftwaffe hat am frühen Montag morgen Ziele in der sunnitischen Aufstandshochburg Falludscha bombardiert. Dabei starben mindestens sieben Menschen, zehn weitere wurden verletzt, teilten Krankenhausärzte in der Stadt mit.
Die Bomben schlugen in dem selben Viertel ein, in dem auch das Krankenhaus liegt. Die Amerikaner bombardierten damit erstmals seit Monaten Ziele in der Innenstadt. Bislang richteten sich die Luftangriffe gegen mutmaßliche Terroristen-Verstecke vor allem an der südlichen und östlichen Peripherie von Falludscha.
Erste Großoffensive war gescheitert
Das amerikanische Militär hatte im April versucht, die Widerstandshochburg 70 Kilometer westlich von Bagdad unter seine Kontrolle zu bringen. Eine entsprechende Großoffensive wurde abgebrochen, nachdem mehrere Hundert Iraker, die meisten davon Zivilisten, getötet worden waren.
Nach einem Waffenstillstand übernahmen ehemalige Armee-Offiziere das Kommando. Die von ihnen gebildete sogenannte Falludscha-Brigade konnte sich aber nie richtig durchsetzen und wurde vergangene Woche aufgelöst. Praktisch kontrollieren Aufständische, radikale Geistliche und Extremisten die Stadt.
Etwa 70 Tote am Sonntag
Am Sonntag hatte es im Irak eine Serie von Gewalttaten mit Dutzenden Toten gegeben. Der britische Sender BBC sprach unter Berufung auf offizielle irakische Angaben von etwa 70 Toten. Auch mehr als zwei Monate nach der Machtübergabe an die irakische Übergangsregierung haben weder die irakischen Sicherheitskräfte noch die amerikanischen Truppen die Lage in der Hauptstadt unter Kontrolle.
Der amerikanische Außenminister Colin Powell sagte, die Koalitionstruppen machten im Irak eine „schwierige Zeit“ durch. Doch werde der Aufstand bis zu den für Januar 2005 geplanten Wahlen „unter Kontrolle“ gebracht werden. Das sei keine „unmögliche Aufgabe“, betonte Powell.
Allein im Stadtzentrum von Bagdad starben nach amerikanischen Angaben bei Kämpfen zwischen Soldaten und Aufständischen am Sonntag etwa 30 Menschen, Dutzende seien verletzt worden. In Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad, griffen die Rebellen an mehreren Stellen amerikanische Verbände an, berichteten Augenzeugen. Nach Angaben von Krankenhausärzten wurden dabei 11 Menschen getötet und 41 verletzt.
Nach der Entführung zweier Italienerinnen im Irak reist der römische Außenminister Franco Frattini zu Gesprächen an den Golf. Erste Station seiner Reise sei am Montag Kuwait, teilte das Außenministerium in Rom am Sonntag mit. Dort spreche er mit Regierungsstellen sowie mit religiösen Vertretern, hieß es. Ziel sei die Freilassung der beiden Frauen. Einzelheiten wurden nicht genannt. Die beiden Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation sind seit Dienstag entführt. Die mutmaßlichen Entführer verlangen auf Islamisten-Seite im Internet den sofortigen Abzug der italienischen Soldaten aus dem Irak. Zehntausende Menschen demonstrierten am Wochenende in Italien gegen Terrorismus und für die Freilassung der beiden Frauen.