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Irak-Debatte Chronik der Irak-Affäre

19.07.2003 ·  Mit dem Selbstmord des britischen Biowaffenexperten David Kelly hat die Affäre um fragwürdige Geheimdienstinformationen über irakische Waffenprogramme ihren einstweiligen Höhepunkt erreicht. Eine Chronik.

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Mit dem Selbstmord des britischen Biowaffenexperten David Kelly hat die Affäre um fragwürdige Geheimdienstinformationen über irakische Waffenprogramme ihren einstweiligen Höhepunkt erreicht. Kelly gilt als mögliche Quelle für Medienberichte, wonach die Regierung in London wider besseres Wissen dubiose Informationen zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs verwendet haben soll. Den Stein ins Rollen brachte ein Bericht der BBC. Eine Chronik der Ereignisse:

29. Mai: Der BBC-Verteidigungsexperte Andrew Gilligan berichtet in Radio 4, ein Regierungsdossier zu Irak vom September sei gegen den Einspruch der Geheimdienste dramatisiert worden. Dazu sei die Behauptung hineingeschrieben worden, Irak könne binnen 45 Minuten Massenvernichtungswaffen aktivieren. Als Quelle nennt Gilligan einen „ranghohen“ Vertreter der britischen Regierung.

1. Juni: Gilligan schreibt in der „Mail on Sunday“, der umstrittene Zusatz sei auf Veranlassung von Alastair Campbell verwendet worden, dem Kommunikationschef von Premierminister Tony Blair.

19. Juni: Gilligan wird vom Auwärtigen Ausschuß des britischen Parlaments gehört und wiederholt seine Angaben.

25. Juni: Campbell weist die Beschuldigungen vor dem Parlamentsausschuß zurück und fordert eine Entschuldigung der BBC.

27. Juni: Die BBC lehnt eine Entschuldigung ab und stellt sich hinter Gilligans Bericht.

7. Juli: Der Auswärtige Ausschuß veröffentlicht seinen Bericht, in dem die Londoner Regierung und Campbell vom Vorwurf der Manipulation entlastet werden. Zugleich heißt es, sie hätten „unzuverlässige“ Informationen verwendet.

9. Juli: Das britische Verteidigungsministerium nennt Kelly als mögliche Quelle für den BBC-Bericht.

15. Juli: Kelly sagt vor dem Parlamentsausschuß, er halte sich nicht für die „Hauptquelle“ des BBC-Berichts. Er räumt ein, Gilligan eine Woche vor dessen Veröffentlichungen getroffen zu haben. Kellys Frau sagt später, der scheue Waffenexperte habe sich im Kreuzfeuer der Fragen stark unter Druck gefühlt.

17. Juli: In einer nicht-öffentlichen Sitzung steht Gilligan erneut den Parlamentariern Rede und Antwort. Mitglieder des Ausschusses äußern anschließend Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Journalisten, der im Vergleich zu seinen ursprünglichen Behauptungen zurückgerudert sei.

Am Nachmittag verläßt Kelly sein Haus in Oxfordshire. Am Abend gibt seine Familie eine Vermißtenmeldung auf.

18. Juli: In einem Waldstück acht Kilometer von seinem Haus entfernt wird Kelly mit aufgeschnittener Pulsader tot aufgefunden.

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Von Günther Nonnenmacher

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