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Irak „Chemie-Ali“ gefaßt

21.08.2003 ·  Das amerikanische Militär hat den „Chemie-Ali“ bekannt gewordenen Cousin Saddam Husseins gefaßt. Der 65jährige Hassan al Madschid wird unter anderem für Giftgasangriffe gegen Kurden 1988 im Nordirak verantwortlich gemacht.

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Die amerikanischen Koalitionsstreitkräfte haben den schon totgeglaubten Cousin Saddam Husseins Ali Hassan al Madschid gefaßt, der als "Chemie-Ali" berüchtigt ist. Das teilte das Zentralkommando in Florida am Donnerstag mit. Madschid steht an fünfter Stelle der amerikanischen Liste der 55 meistgesuchten Vertreter des gestürzten Regimes.

Er wird unter anderem für Giftgasangriffe gegen Kurden 1988 im Nordirak verantwortlich gemacht. In Abbarah im Norden Iraks nahmen Soldaten bei einer Razzia in einem Bauernhaus, das angeblich einem Anhänger Saddams gehört, fünf Männer fest. Ein Informant hatte zuvor mitgeteilt, daß der gestürzte Diktator sich dort verborgen halte. Aber entweder war er schon geflüchtet, als die amerikanischen Soldaten den Bauernhof stürmten, oder die Truppen hatten falsche Informationen erhalten.

Amerikanische Soldaten nahmen außerdem in Baqouba, knapp 80 Kilometer nordöstlich von Bagdad, einen Mann fest, der verdächtigt wird, führendes Mitglied der paramilitärischen Truppe "Fedaijin Saddam" zu sein. Wie ein Militärsprecher mitteilte, habe Rashid Mohammed eine Namensliste bei sich gehabt, bei der es sich vermutlich um eine Todesliste handle. Außerdem bestehe der Verdacht, daß er versucht habe, eine 600 Mann starke Miliz feindlicher Kämpfer aufzubauen.

Madschid wird unter anderem für Giftgasangriffe gegen Kurden 1988 im Nordirak verantwortlich gemacht. Damals wurden 5.000 Kurden getötet. Er stand an fünfter Stelle der amerikanischen Liste der 55 meistgesuchten Vertreter des gestürzten Regimes.

Während des jüngsten Irakkrieges hatte Madschid die Verteidigung der Zwei-Millionen-Stadt Basra gelenkt und dabei manchen Widerstand gegen die fremden Truppen mit den ihm eigenen brutalen Methoden erzwungen. Zwischenzeitlich waren die Amerikaner und Briten davon ausgegangen, daß „Chemie Ali“ bei einem Bombenangriff getötet wurde.

Giftgas tötete 30 000 Menschen

In allen drei Kriegen am Golf hatte Majid eine hervorgehobene Stellung inne. Seinen wenig einnehmenden Spitznamen erhielt er, als er gegen Ende des von 1980 bis 1988 dauernden Krieges mit Iran Giftgas einsetzte, und zwar sowohl gegen die heranrückenden Perser als auch gegen die Kurden im Norden des Iraks. Bei diesen Angriffen wurden in dem Ort Halabdscha und zwei benachbarten Dörfern etwa 8.000 Zivilisten getötet. Insgesamt sollen durch Giftgas in diesem Krieg 30.000 Menschen umgebracht worden sein.

Die Kurden hatten aber auch noch andere Repressalien aus der Hand dieses Generals zu erdulden. Er leitete jene Programme, mit deren Hilfe Hunderttausende aus grenznah gelegenen kurdischen Dörfern "umgesiedelt" worden sind. Insgesamt wurden an die viertausend Dörfer evakuiert, ihre Bewohner in tiefergelegene Täler oder in die Wüstenregionen des südlichen Iraks deportiert. Das Regime deklarierte zumindest einen Teil dieser Aktionen als "Modernisierung und Entwicklung" der kurdischen Gebiete, denn man habe die Dörfler in moderne Siedlungen und Häuser gebracht.

General führte irakische Truppen nach Kuweit

Im Sommer 1990 rückten die Soldaten der Republikanischen Garde unter Führung von General Majid in Kuweit ein und besetzten das Land, bis es im Frühjahr des folgenden Jahres von einer Militärallianz unter Führung der Vereinigten Staaten befreit wurde. In der Zwischenzeit hatte der General offiziell als Gouverneur des besetzten Territoriums fungiert, das von der Regierung in Bagdad zur 19. Provinz des Iraks erklärt worden war. Unter dem Gouverneur Majid kam es zu zahlreichen Übergriffen und Gewalttaten gegen die kuweitische Bevölkerung.

Zwischen 1991 und 1995 war Majid Verteidigungsminister. Im Jahre 1996 erregte er Aufsehen, als er die Liquidierung zweier Verwandter, der beiden Schwiegersöhne Saddam Husseins, leitete. Hassan Kamil al Madschid und Saddam Kamil al Madschid, verheiratet mit den Saddam-Töchtern Rana und Raghad, waren im Jahr zuvor nach Amman geflüchtet und hatten dort Einzelheiten über das irakische Massenvernichtungsprogramm und die irakische Rüstung ausgeplaudert.

Eine repressive Stütze der Macht

Dabei hatte sich Hassan Kamil besonders exponiert. Beide Majids mißtrauten den bald darauf an ihr Ohr dringenden Zusicherungen aus Bagdad, es werde ihnen verziehen, wenn sie in die Heimat zurückkehrten, nicht genug und kehrten über die von Amman nach Bagdad führende Fernstraße in den Irak zurück.

Es war Ali Hassan al Madschid, der die beiden Rückkehrer für ihren Verrat bestrafen ließ. Ihr Palast wurde unter seinem Befehl angegriffen, die Schwiegersöhne getötet. Vorübergehend kam es sogar zu einem Zerwürfnis zwischen Saddam Hussein und seinen Töchtern.

Machtkämpfe innerhalb des Clans spielten offenbar bei dieser Femetat auch eine Rolle, da vor der Flucht der beiden Majids Udai Hussein, der ältere Sohn des Staatschefs, vor allem in Hassan Kamil einen mächtigen Rivalen gesehen hatte. Der "chemische Ali" gehörte zu den repressivsten Stützen des irakischen Machtapparates.

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