Home
http://www.faz.net/-gpf-qws4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Irak Blutbad unter Kindern in Bagdad

13.07.2005 ·  Ein Selbstmordattentäter hat am Mittwoch in Bagdad mindestens 25 Menschen getötet und 70 verletzt, unter ihnen viele Kinder. Amerikanische Soldaten hatten Süßigkeiten an Kinder verteilt, als der Attentäter zuschlug.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Ein Selbstmordattentäter hat am Mittwoch mindestens 25 Menschen mit in den Tod gerissen - die meisten von ihnen waren irakische Kinder. Der Unbekannte verübte seine Tat, als amerikanische Soldaten gerade Süßigkeiten an die Kinder im östlichen Teil Bagdads verteilten. Mindestens ein Soldat wurde getötet. 70 Menschen wurden verletzt, auch darunter sind viele Kinder.

Ein Augenzeuge, der 25jährige Mohammed Ali Hamsa, berichtete, die Soldaten seien nach El-Dschedidah gekommen, um Bewohner vor einem möglicherweise bevorstehenden Anschlag zu warnen und Straßen abzusperren. Die Kinder seien zu den Soldaten gelaufen, die Süßigkeiten verteilt hätten. Plötzlich sei das Auto aus einer Seitenstraße hervorgeschossen, dessen Fahrer sich dann in die Luft sprengte.

Augenzeugenberichte

Viele der toten und verletzten Kinder wurden ins Kindi-Krankenhaus von Bagdad gebracht, wo sich verzweifelte Angehörige einfanden. Weinende Frauen schlugen sich zum Zeichen ihrer Trauer ins Gesicht und auf den Kopf. „Ich war zu Hause, als ich die Explosion hörte“, sagte Abu Hamed, dessen zwölfjähriger Sohn Mohammed bei dem Anschlag getötet wurde. „Ich rannte auf die Straße, um nach meinem Sohn zu schauen. Ich fand nur sein Fahrrad. Ich lief zum Krankhaus. In der Leichenhalle erkannte ich ihn an seinem Gesicht. Der übrige Körper war vollkommen verkohlt.“

Hussein Radi trauert um seinen elfjährigen Sohn. „Die, die das gemacht haben, sind keine Widerstandskämpfer, sondern Kriminelle“, sagte er. „Warum greifen sie unsere Kinder, Zivilisten, Iraker an?“, schrie Hassan Mohammed, der seinen 13jährigen Sohn Alaa verlor. Radi Hamuds 13jähriger Sohn hat den Anschlag überlebt, aber er hat beide Beine verloren.

Weiterer Anschlag

Bei einem weiteren Anschlag ebenfalls im Osten Bagdads wurde am Mittwoch ein weiteres Kind getötet: Aufständische zündeten eine Bombe, als eine amerikanische Patrouille passierte. Unterdessen wurden neue Vorwürfe gegen die irakischen Sicherheitskräfte bekannt. Am Morgen seien mehrere Häuser gestürmt worden, sagte ein Mitglied des Verbandes Sunnitischer Gelehrter.

Die 13 festgenommenen Personen seien zunächst gefoltert und dann die meisten von ihnen getötet worden. Unter ihnen soll sich auch ein sunnitischer Geistlicher befunden haben. An der Aktion seien dutzende Sicherheitskräfte des Innenministeriums beteiligt gewesen. Ein Mitarbeiter des Ministeriums sagte, der Vorfall werde untersucht.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Brandsatz Syrien

Von Günther Nonnenmacher

In Syrien ist ein voll entfalteter Bürgerkrieg im Gang. Assad geht mit aller Härte vor, weil er fürchtet, dass jedes Nachgeben als Zeichen der Schwäche gewertet wird. Die Opposition hofft, das Regime mit der Zeit zu zermürben. Dieser Konflikt könnte den gesamten Mittleren Osten in Brand setzen. Mehr 1