http://www.faz.net/-gpf-7fu73
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 11.08.2013, 15:23 Uhr

Irak Anschläge fordern 120 Tote

Die Unruhen zwischen Suniten und Schiiten halten an. Im ganzen Land detonierten am Wochenende Bomben. Allein in Bagdad gab es hundert Tote.

© dpa Nach der Detonation einer Autobombe in Karbala im Süden des Iraks

Terroristen haben im Irak den Feiern zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan ein jähes Ende bereitet. Bei einer Serie von verheerenden Sprengstoffanschlägen und willkürlichen Feuerangriffen auf Zivilisten kamen am Wochenende nach Angaben von Krankenhausärzten und lokalen Medien mindestens 120 Menschen ums Leben. Zudem wurden etwa 300 Menschen verletzt.

Allein in Bagdad, wo insgesamt zehn Autobomben auf Märkten und vor öffentlichen Gebäuden detonierten, zählte der Fernsehsender Al Baghdadija 98 Todesopfer. In der nördlichen Stadt Kirkuk wurden den Angaben zufolge 14 Menschen getötet, als eine Autobombe neben einer schiitischen Moschee explodierte. Weitere Sprengsätze detonierten in der Ortschaft Tus Chormato, die zur Provinz Salaheddin gehört, sowie in der südlichen Stadt Al Nasirija. Die meisten Anschläge trafen am Samstag die Bewohner schiitischer Wohnviertel.

25484451 © AFP Vergrößern Verwüstung nach einem Selbstmord-Anschlag in Tus Chormato im Norden des Landes

Am Sonntag detonierten weitere Sprengsätze, während in Bagdad darüber diskutiert wurde, wer die politische Verantwortung für die Fehler im Sicherheitsapparat trägt. Eine Bombe tötete drei Soldaten während einer Militäroperation in der Stadt Al Hilla, 100 Kilometer südlich von Bagdad. In Balad wurden nach Informationen der Agentur Burathanews am Sonntag zwei schiitische Zivilisten erschossen. Die Regierung hatte vergangene Woche erklärt, es seien besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, um Anschläge während der Feiertag zu verhindern.

Die Vereinigten Staaten, die 2003 den irakischen Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, verurteilten die Anschläge. Die Sprecherin des Außenministeriums, Jen Psaki, sagte, die Anschläge hätten sich gegen Familien gerichtet, die das Fest des Fastenbrechens feierten. „Die Terroristen, die diese Taten begangen haben, sind Feinde des Islam und ein gemeinsamer Feind der Vereinigten Staaten, des Iraks und der internationalen Gemeinschaft.“

© AP, reuters Irak: Anschlagserie fordert Dutzende Tote

Der Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten war nach dem Abzug der amerikanischen Truppen vor eineinhalb Jahren wieder eskaliert. Viele sunnitische Muslime, die unter Saddam der Elite angehörten, fühlen sich von der Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki benachteiligt.

Mehr zum Thema

Quelle: dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ansbach nach dem Anschlag Kopfsteinpflaster, Geranien und Terror

Mit dem Selbstmordanschlag eines abgewiesenen Flüchtlings ist der internationale Terrorismus nach Ansbach gekommen. Wie gehen die Bewohner des mittelfränkischen Städtchens damit um? Mehr Von Mona Jaeger, Ansbach

25.07.2016, 22:50 Uhr | Politik
Ansbach Generalbundesanwalt übernimmt Ermittlungen zu Anschlag

Beamte der Bundesanwaltschaft haben die Ermittlungen aufgenommen. Viele Menschen wurden bei dem Anschlag teilweise schwer verletzt. Die Ansbacher kehren nur langsam wieder zur Normalität zurück. Mehr

26.07.2016, 16:06 Uhr | Politik
Pressestimmen So denkt Europa über die Gewaltserie in Deutschland

Orte wie Ansbach, Reutlingen und Würzburg sind nun im Ausland ein Begriff. Die europäische Presse blickt mit Anteilnahme auf Deutschland, kritisiert aber auch übertriebene Reaktionen. Mehr

26.07.2016, 07:48 Uhr | Politik
Nominierung der Demokraten Unruhe in Philadelphia

Unmittelbar vor Beginn des Nominierungsparteitags der Demokraten stehen Hillary Clintons Partei schwierige Tage bevor. Gehackte E-Mails sorgen für einen Rücktritt und Anhänger von Bernie Sanders sind sauer. Unser Reporter Simon Riesche berichtet aus Philadelphia, wo offen ausgetragene Kämpfe ohnehin eine Art Kulturerbe sind. Mehr Von Simon Riesche

25.07.2016, 08:42 Uhr | Politik
Anschlag in Nordfrankreich Attentat mit Fußfessel

Einer der Täter in der Kirche ist zweimal daran gescheitert, nach Syrien zu reisen. Nicht nur den französischen Behörden war er schon bekannt, bevor er in der Normandie morden konnte. Mehr

26.07.2016, 23:43 Uhr | Politik

Deutsche Utopie

Von Jasper von Altenbockum

Jetzt werden wieder die alten Hüte der Asyldebatte hervorgekramt. An der Terrorgefahr wird sich aber nichts ändern. Wer das Asylrecht perfektionieren will, bastelt an einer Utopie. Mehr 92

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden