Home
http://www.faz.net/-gpf-7fu73
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Irak Anschläge fordern 120 Tote

Die Unruhen zwischen Suniten und Schiiten halten an. Im ganzen Land detonierten am Wochenende Bomben. Allein in Bagdad gab es hundert Tote.

© dpa Vergrößern Nach der Detonation einer Autobombe in Karbala im Süden des Iraks

Terroristen haben im Irak den Feiern zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan ein jähes Ende bereitet. Bei einer Serie von verheerenden Sprengstoffanschlägen und willkürlichen Feuerangriffen auf Zivilisten kamen am Wochenende nach Angaben von Krankenhausärzten und lokalen Medien mindestens 120 Menschen ums Leben. Zudem wurden etwa 300 Menschen verletzt.

Allein in Bagdad, wo insgesamt zehn Autobomben auf Märkten und vor öffentlichen Gebäuden detonierten, zählte der Fernsehsender Al Baghdadija 98 Todesopfer. In der nördlichen Stadt Kirkuk wurden den Angaben zufolge 14 Menschen getötet, als eine Autobombe neben einer schiitischen Moschee explodierte. Weitere Sprengsätze detonierten in der Ortschaft Tus Chormato, die zur Provinz Salaheddin gehört, sowie in der südlichen Stadt Al Nasirija. Die meisten Anschläge trafen am Samstag die Bewohner schiitischer Wohnviertel.

25484451 © AFP Vergrößern Verwüstung nach einem Selbstmord-Anschlag in Tus Chormato im Norden des Landes

Am Sonntag detonierten weitere Sprengsätze, während in Bagdad darüber diskutiert wurde, wer die politische Verantwortung für die Fehler im Sicherheitsapparat trägt. Eine Bombe tötete drei Soldaten während einer Militäroperation in der Stadt Al Hilla, 100 Kilometer südlich von Bagdad. In Balad wurden nach Informationen der Agentur Burathanews am Sonntag zwei schiitische Zivilisten erschossen. Die Regierung hatte vergangene Woche erklärt, es seien besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, um Anschläge während der Feiertag zu verhindern.

Die Vereinigten Staaten, die 2003 den irakischen Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, verurteilten die Anschläge. Die Sprecherin des Außenministeriums, Jen Psaki, sagte, die Anschläge hätten sich gegen Familien gerichtet, die das Fest des Fastenbrechens feierten. „Die Terroristen, die diese Taten begangen haben, sind Feinde des Islam und ein gemeinsamer Feind der Vereinigten Staaten, des Iraks und der internationalen Gemeinschaft.“

Allein in Bagdad explodierten am Samstag zwölf Autobomben. Hintergrund der Anschläge sind wachsende Spannungen zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden. Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© AP, reuters Vergrößern Irak: Anschlagserie fordert Dutzende Tote

Der Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten war nach dem Abzug der amerikanischen Truppen vor eineinhalb Jahren wieder eskaliert. Viele sunnitische Muslime, die unter Saddam der Elite angehörten, fühlen sich von der Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki benachteiligt.

Mehr zum Thema

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Terror im Irak IS-Miliz nimmt Bagdad ins Visier

Dutzende Tote bei Anschlägen in Bagdad und Kämpfe westlich der irakischen Hauptstadt lassen die Sorge vor einem Vorrücken des Islamischen Staats wachsen. Mehr Von Markus Bickel

17.10.2014, 13:13 Uhr | Politik
Über 50 Tote bei Anschlägen in Bagdad

In der irakischen Hauptstadt sind mehrere Sprengsätze in vorwiegend von Schiiten bewohnten Vierteln detoniert. Zu den Gewalttaten am Mittwoch bekannte sich zunächst niemand. Mehr

07.08.2014, 14:28 Uhr | Politik
Kampf um Kobane Türkei will Peschmerga-Kämpfern Durchreise erlauben

Während amerikanische Flugzeuge Waffen an die Verteidiger der Stadt Kobane liefern, schließt die Türkei entsprechende Unterstützung weiter aus. Peschmerga-Kämpfern aus dem Irak will Ankara nun aber die Durchreise in die umkämpfte Stadt erlauben. Mehr

20.10.2014, 13:16 Uhr | Politik
Kampf gegen Dschihadisten: Iraks Regierung setzt auf Schiiten-Milizen

Seit sunnitische Extremisten große Teile des Zweistromlandes unter ihre Kontrolle gebracht haben, kämpft die Regierung in Bagdad auch gemeinsam mit schiitischen Milizen gegen die Dschihadisten. Doch das martialische Auftreten der Milizen birgt neue Probleme. Mehr

03.07.2014, 15:11 Uhr | Politik
Machtkampf im Jemen Dutzende Tote bei Anschlägen von Al Qaida

Im Jemen sind mindestens 33 Menschen bei Anschlägen von Al Qaida gestorben. Die Terrorgruppe kämpft mit schiitischen Rebellen um die Macht. Auf welcher Seite die lokale Stämme stehen, ist unübersichtlich. Mehr

20.10.2014, 21:37 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.08.2013, 15:23 Uhr

Anarchie oder Diktatur

Von Rainer Hermann

Der „Arabische Frühling“ ist gescheitert. Der Nahe Osten ist entgegen aller Hoffnung weder demokratisch noch stabil. Die Möglichkeiten lauten nun Anarchie oder Diktatur. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden