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Veröffentlicht: 16.04.2003, 15:01 Uhr

Irak Amerikaner verhaften Terroristenchef Abu Abbas

Ein amerikanisches Spezialkommando hat in Bagdad den Drahtzieher der Entführung des Kreuzfahrtschiffes „Achille Lauro“ im Jahr 1985 gefasst.

© dpa In Italien in Abwesenheit verurteilt: Abu Abbas (Archiv)

Der Drahtzieher der Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffes „Achille Lauro“ vor fast 20 Jahren ist in Bagdad von amerikanischen Spezialtruppen gefasst worden. Das amerikanische Zentralkommando bestätigte am Dienstag, Mohammed Abbas, Chef der Palästinensischen Befreiungsfront (PLF), sei in der Nacht zuvor im Süden Bagdads festgenommen worden.

Abu Abbas, wie er genannt wird, lebte unter dem Schutz des gestürzten Machthabers Saddam Hussein in der irakischen Hauptstadt. Die „Achille Lauro“ war im Oktober 1985 vor der ägyptischen Küste entführt worden. Der amerikanische Passagier Leon Klinghoffer wurde während der Entführung wegen seiner jüdischen Herkunft ermordet. Der 69 Jahre alte Rollstuhlfahrer wurde erschossen und über Bord geworfen. Die italienische Regierung will daher die Auslieferung Abbas beantragen. Dies kündigte Justizminister Roberto Castelli am Mittwoch in Rom an. Es sei jedoch noch zu klären, an welches Land der Auslieferungsantrag gerichtet werden müsse, sagte Castelli.

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„Sieg im Kampf gegen Terror“

Die Festnahme Abbas „stellt einen weiteren Sieg im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus dar“, erklärte das amerikanische Zentralkommando. Ein Regierungsbeamter in Washington sagte, die Soldaten hätten drei Gebäude durchsucht und jemenitische und jordanische Reisedokumente beschlagnahmt. Vor einer Woche hatte ein Militärsprecher bekannt gegeben, dass amerikanische Soldaten im Osten Bagdads eine Waffenfabrik ausgehoben hätten, in der auch PLF-Kämpfer ausgebildet worden seien. Nach Ansicht des palästinensischen Politikers Sajeb Erekat muss Abbas indes sofort frei gelassen werden. Erekat sagte, Washington hätte „kein Recht, ihn gefangen zu halten“. Nach dem israelisch-palästinensischen Zwischen-Abkommen von Oslo 1993 seien alle Führungsmitglieder der PLO rückwirkend amnestiert worden seien.

Die 1976 gegründete pro-irakische PLF gehört zur Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) von Palästinenserführer Jassir Arafat, lehnte aber den zeitweiligen Friedenskurs von dessen Fatah-Organisation entschieden ab. Ein früherer irakischer Geheimdienstoffizier, der 1993 ein Attentat auf den damaligen amerikanischen Präsidenten George Bush geplant haben soll, floh bei dem Einsatz des Spezialkommandos nach Syrien. Faruk Hidschasi, der zuletzt Botschafter in Tunesien war, sei an Bord einer Verkehrsmaschine in Damaskus angekommen, sagte ein amerikanischer Regierungsbeamter. Aus amerikanischen Regierungskreisen verlautete, auch Abbas habe möglicherweise vergeblich versucht, sich nach Syrien abzusetzen. Washington erhöht derweil den den Druck auf die Regierung in Damaskus.

Araber planen UN-Resolution

Die amerikanische Regierung sieht nach den Worten von Außenminister Colin Powell die Politik Irans und Syriens mit Sorge, habe aber keine Pläne, die beiden Länder anzugreifen. „Es gibt keine Liste, es gibt derzeit keinen Kriegsplan, um jemand anderen anzugreifen, sei es um deren Führung zu stürzen oder um demokratische Werte einzusetzen“, sagte er. Washington habe allerdings sowohl Syrien als auch dem Iran seine Besorgnis mitgeteilt. Nach der Entmachtung von Iraks Präsident Saddam Hussein hatten die Vereinigten Staaten Syrien vorgeworfen, über Chemiewaffen zu verfügen und regierungstreuen Irakern Unterschlupf zu gewähren.

Als Reaktion auf die jüngsten amerikanischen Vorwürfe an Syrien wollen arabische Staaten am Mittwoch einen Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat einbringen, der den Nahen Osten zur Massenvernichtungswaffen-freien Zone erklärt. Der syrische UN-Botschafter Faissal Mekdad sagte nach einer nicht-öffentlichen Sitzung in New York, Israel sei das einzige Land in der Region, das Massenvernichtungswaffen besitze. Deshalb verstehe man die Vorwürfe der Vereinigten Staaten an die Regierung in Damaskus nicht.

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Von Günter Bannas

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Quelle: wahlrecht.de
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