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Kommentar zur Bundeswehr : Investitionen in Ausrüstung zahlen sich aus

Eine deutsche Patriot-Kampfstaffel überquert auf einem amphibischen Brücken- und Übersetzfahreug einen Fluss in Norwegen. Die Nato-Operation „Trident Juncture“ stand unter der Führung eines deutschen Generals. Bild: dpa

Die Bundeswehr bessert ihren schlechten Ruf wieder auf: Während des Nato-Manövers in Norwegen schlugen sich die deutschen Truppen gut.

          In Norwegen erlebt die Bundeswehr dieser Tage ihre Auferstehung aus Ruinen. Annähernd zehntausend Soldatinnen und Soldaten der deutschen Streitkräfte beteiligen sich am größten Nato-Manöver seit Jahrzehnten. Die Übung ist ein überfälliges Lebenszeichen der Bundeswehr, aber auch der Nato. Ohnmächtig hatte die Allianz zusehen müssen, wie Russland dazu überging, sich mit Gewalt auf der Krim und in der Ost-Ukraine sein altes Imperium zurückzuholen und dabei seine westlichen Nachbarn einzuschüchtern. Dazu gehören die baltischen Staaten und auch Polen. Mit Großübungen und Provokationsflügen entlang der baltischen und skandinavischen Lufträume bestärkte Russland seither altes Misstrauen. Der Westen reagierte politisch, die Nato symbolisch mit Begleitflügen und einigen hundert Soldaten im Baltikum. Die wären im Ernstfall kein echter Gegner.

          Doch nun hat das Bündnis etwas nachdrücklicher unterstrichen, dass es notfalls eine schlagkräftige Verteidigung aufbringen kann. Teil davon ist die vielgescholtene Bundeswehr. Im Zentrum der etwa 50.000 Nato-Kräfte stehen Angehörige einer deutschen Panzerbrigade und Truppen aus acht Nationen. Sie bilden die Schnelle Eingreiftruppe der Nato, das Kommando hat ein deutscher General. Im kommenden Jahr soll es so weit sei, dass der Verband innerhalb von zwei bis drei Tagen einsatzbereit ist. Wo immer es nötig wäre. Die Bundeswehr hat große Anstrengungen unternommen, um die Nato-Anforderungen zu erfüllen. Wieder einmal stand nicht alles in den eigenen Lagerhallen, was eine mechanisierte Brigade braucht. Wieder mussten Panzer und Laster bei anderen Truppenteilen ausgeliehen werden, wo nun der Übungsalltag leidet, schon wahr. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Denn notfalls kann Deutschland zur gemeinsamen Verteidigung wieder einen starken Beitrag leisten. Was in Norwegen unter Beweis gestellt wurde, geht sogar über das hinaus, was die good old Bundeswehr je konnte: nämlich die Fähigkeit, Truppen und Gerät über größere Distanz in den Einsatz zu bringen. Diese „strategische Verlegefähigkeit“ erfordert mehr Können und Kompetenzen, als früher mit dem Panzer über die Landstraße von Munster nach Fulda zu rasseln.

          Durch das Manöver in Norwegen ist die Bündnisverteidigung wieder ins Blickfeld gerückt. Dazu gehören Artillerie und Panzer, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe. Lauter Dinge also, die bis 2014 als überflüssig galten und deshalb bei der Bundeswehr vernachlässigt wurden. Zum Teil haben die Soldaten verlernt, im Verbund der Waffengattungen zu kämpfen. Auch das wurde in Norwegen geübt. Fünf Jahre nach dem Tiefstand macht sich bemerkbar, dass inzwischen Milliarden in die Ausrüstung investiert werden.

          Dabei geht es nicht um Hochrüstung: Deutschland hat seit 1990 neunzig Prozent seiner Panzer verschrottet oder verkauft. Aber dass sich die Soldaten die wenigen verbliebenen Fahrzeuge untereinander ausleihen mussten oder „bumm, bumm“ rufend über den Übungsplatz liefen, war ein unwürdiger Zustand.

          Die heutigen Investitionen dienen einem gut ausgestatteten Minimum. In Norwegen konnten Besucher und die befreundeten Streitkräfte erleben, wie die Truppe reagiert, wenn in Deutschland Politik und Vorgesetzte ihre Versprechen halten. Die Soldaten waren nämlich hochmotiviert und technisch versiert im Umgang mit ihrem Gerät. Wenn sich das herumspricht und das bestellte Material allmählich auch die Breite der Truppe erreicht, wird die Bundeswehr wieder zur zuverlässigen Institution. Eine schlechte Nachricht ist das eigentlich nur für die Feinde unserer Freiheit.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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