23.09.2002 · Möllemann-Intimfeind Walter Döring hält den Sonderwahlkampf in Düsseldorf für den Grund für die FDP-Niederlage.
Walter Döring, Vorsitzender der FDP in Baden-Württemberg und Wirtschaftsminister in Stuttgart, ist der ärgste und längste Intimfeind von Jürgen Wilhelm Möllemann. Doch Döring galt als stellvertretender Bundesvorsitzender lange auch als Kritiker der FDP-Strategie. FAZ.NET sprach mit ihm über die Ursachen dafür, dass aus dem Projekt 18 noch nicht einmal acht Prozent wurden.
Der Faktor Möllemann wird bei der FDP als Grund für die herbe Wahlniederlage angeführt. Muss der nordrhein-westfälische Landeschef jetzt als Blitzableiter herhalten?
Es war schon so, dass es im Zieleinlauf mehr als nur schmerzhaft war, wie er uns die Beine weggehauen hat. Möllemanns Verfehlungen im Wahlkampf haben uns ganz erheblich geschadet. Ich hoffe, dass er nun der Aufforderung des Bundesvorsitzenden und des Präsidiums nachkommt und seinen Stellvertreterposten abgibt.
Wie erklären Sie sich dann, dass die Liberalen in Nordrhein-Westfalen deutlich besser als die Gesamtpartei abgeschnitten haben?
NRW ist der Landesverband des Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle. Dass dieser Landesverband besser abschneidet, ist völlig normal.
Sie regieren selbst in Stuttgart in einer Koalition mit der CDU. Halten Sie es im Rückblick nicht doch für falsch, im Bund auf eine Koalitionsaussage verzichtet zu haben?
Ich glaube, dass wir uns das etwa in Baden-Württemberg noch genau anschauen müssen. Dort haben wir bei den Erststimmen überall zugelegt. Nach den Gründen müssen wir suchen. Mir liegt es fern, jetzt Besserwissereien oder Schuldzuweisungen zu verbreiten. Die FDP hat alle Strategieentscheidungen einstimmig getroffen.
Nicht aber die Wahlkampfführung. Da werden jetzt Stimmen laut, die sagen, Westerwelle hätte nach der Flut-Katastrophe sofort seine Guidomobiltour abbrechen sollen. War der Spaßwahlkampf verfehlt?
Das ist vielleicht ein Minipunkt, der mit dazu beigetragen hat. Viel gewichtiger war, dass wir in den Medien ein Aufeinandertreffen der Elefanten hatten. Und einer der Elefanten hat dann auch noch dazu aufgerufen, die Grünen zu unterstützen. Das haben wir noch nicht erlebt.
Wird es in vier Jahren noch einmal einen FDP-Kanzlerkandidaten geben?
Es wird eine starke FDP geben, die geschlossen hinter dem stehen wird, der dann antritt. Mit welcher Strategie wir das tun werden, kann man vier Jahre vorher nicht sagen.
Sie galten lange als Kritiker des Möllemannschen Projektes 18. Erst auf dem Mannheimer Parteitag vor vier Monaten sind Sie umgeschwenkt. Bereuen Sie das nun?
Selbst wenn, es bringt doch nichts.