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Interview mit Geert Wilders : „Eine Waffe im Krieg der Islamisierung“

  • Aktualisiert am

Vorsitzender der Partei für die Freiheit, Geert Wilders, im Haager Parlament Bild: Daniel Pilar

Der niederländische Abgeordnete Geert Wilders bezeichnet im F.A.Z.-Interview den Islam als eine totalitäre Ideologie, für den Religionsfreiheit nicht anwendbar sei. Mit seiner „Partei für Freiheit“ fordert einen Stopp der Einwanderung aus muslimischen Ländern.

          „Für die Niederlande“ lautet der Slogan der „Partei für die Freiheit“ für die Europawahl. Im Gespräch mit Andreas Ross spricht sich der niederländische Abgeordnete und Parteigründer Geert Wilders dafür aus, die Einwanderung aus muslimischen Ländern zu stoppen. Den Islam nennt er eine totalitäre Ideologie, für die Religionsfreiheit nicht anwendbar sei. Aus Umfragen ging die PVV im März als stärkste Partei hervor; Wilders (Siehe auch: Geert Wilders: Von Islamisten bedroht, von vielen Niederländern verteidigt) strebt das Amt des Ministerpräsidenten im Nachbarland an.

          Herr Abgeordneter, fürchten Sie, dass die Wirtschaftskrise die Holländer von Ihnen und Ihrem Thema Islam ablenkt?

          Nein. Gerade sind wir ja laut Umfragen zur größten Partei geworden. Die Leute erkennen inzwischen, dass wir auch Ideen etwa zur Gesundheitsreform haben - oder zur Lösung der Wirtschaftskrise.

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          Die Koalition ringt ja noch um eine Antwort auf die Krise. Wie lautet Ihre?

          Das Kabinett leistet sich verrückte linke Hobbys: Wir zahlen Milliarden für sogenannte Problemviertel in unseren Städten, überweisen Milliarden an Entwicklungshilfe, geben weitere Milliarden an die Europäische Union, lassen uns Einbürgerungskurse eine halbe Milliarde Euro im Jahr kosten und den öffentlichen Rundfunk noch einmal so viel. Man kann problemlos Dutzende Milliarden einsparen, ohne dem Durchschnittsbürger weh zu tun. Dann müssen Steuern gesenkt und das Defizit vermindert werden.

          Sie zählen die EU zu den „verrückten linken Projekten“. Hat nicht der Euro Ihr Land gerettet? Viele sagen, die Niederlande seien mit ihren Großbanken eine Art größeres Island . . .

          Wir sind für den Euro. Wir wollen eine EU, die sich nur noch um die Wirtschafts- und Währungspolitik kümmert. Aber unser Geld geht ja nicht an die Europäische Zentralbank, sondern an die Bürokratie des Superstaats, der aufgebaut wird. Von den sieben Milliarden Euro, die wir Europa überweisen, bekommen fünf die Bauern in Polen, Frankreich oder Portugal, oder man baut schöne Straßen in Rumänien und Griechenland damit. Wir wollen, dass Rumänien und Bulgarien die EU verlassen. Und die Kompetenzen der EU jenseits der Wirtschafts- und Währungspolitik müssen an die Nationalstaaten repatriiert werden.

          Auch Themen wie Terrorabwehr oder Einwanderungskontrolle?

          Da brauchen wir nur eine Zusammenarbeit nach einem multilateralen Vertrag - mit einem Vetorecht für jedes Parlament.

          Planen Sie für Ihre erste Europawahl eine Kampagne gegen Europa wie 2005 vor dem EU-Referendum?

          Unser Slogan lautet „Für die Niederlande“. Wir sagen den Leuten, dass der europäische Superstaat jetzt doch kommt, denn der Vertrag von Lissabon unterscheidet sich kaum von der geplanten Verfassung. Wir wollen die EU nicht verlassen. Aber wir wollen unser Geld und unsere Macht zurück. Das zieht viele Leute an.

          Welchen europäischen Politikern fühlen Sie sich verbunden?

          Margaret Thatcher. Sympathisch ist mir auch Pia Kjaersgaards Dänische Volkspartei. Mit wem wir im Europäischen Parlament zusammenarbeiten, entscheiden wir aber erst nach der Wahl.

          Können Sie sich ein Bündnis mit den österreichischen Freiheitlichen, dem französischen Front National oder dem belgischen Vlaams Belang vorstellen?

          Auf keinen Fall arbeiten wir mit Parteien wie dem Front National, der rumänischen Tudor-Partei oder mit Alessandra Mussolinis Leuten zusammen. Die sind 100 Kilometer weit weg von uns.

          Vlaams Belang, BZÖ oder FPÖ wären also mögliche Partner?

          Dazu sage ich jetzt nichts, um meine Verhandlungsposition nicht zu schwächen. Vielleicht werden wir auch einfach selbständig im Parlament sitzen. Von den 25 niederländischen Sitzen mögen wir zwei, drei oder vielleicht vier bekommen. Da sind wir selbst in einer Gruppe noch ein kleiner Spieler. Vielleicht lohnt es sich nicht, in einer Fraktionsgemeinschaft zu sitzen, wo man Gefahr läuft, sich mit den falschen Leuten zu umgeben.

          In Umfragen glänzen Sie, wenn Sie sich als Opfer darstellen können. Als die Staatsanwaltschaft jetzt Ermittlungen gegen Sie wegen Anstiftung zum Hass aufnahm und Ihnen dann auch noch die Einreise nach England verwehrt wurde, wurde Ihre PVV zur stärksten Kraft . . .

          Mir wäre es natürlich lieber gewesen, das Gericht hätte keine Ermittlungen angeordnet. Und ich habe nicht darum gebeten, dass mich die Briten abweisen.

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