01.08.2001 · FAZ.NET-Gespräch mit einem amerikanischen „Wedding Planner“ über Schwulen- und Lesben-Hochzeiten in Amerika.
Amerika ist in der Frage der gleichgeschlechtlichen Ehen ein konservatives Land. Nur in dem kleinen nördlichen Bundesstaat Vermont sind gesetzlich wirksame Ehen von Schwulen und Lesben möglich. Andererseits ist kaum ein Land so erfindungsreich wie die Vereingten Staaten, wenn es darum geht, Kundenwünsche auch von Minderheiten zu erfüllen.
Als die Schwulen- und Lesben-Ehe in Vermont am 1. Juli 2000 legalisiert wurde, boten sofort auf diese Zielgruppe spezialisierte Hochzeitsplaner ihre Dienste an - Profis, die für Paare die gesamte Hochzeit abwickeln. Jennifer Lopez zeigte in dem Film „Wedding Planner“, wie das geht:
Der Hochzeitsplaner versendet die Einladungskarten, berät bei Auswahl von Musik und Essen und schreibt sogar für die Brauteltern rührende Dankesreden. Wenn nun Schwulen und Lesben heiraten dürfen, fragt man sich, ob die eigentlich anders Hochzeit feiern, als es bisher schicklich war. FAZ.NET sprach mit Carrie Kowalski, 25. Sie arbeitet für eine Gay-Wedding-Agentur in Vermont.
Heiraten Schwule und Lesben anders als gemischtgeschlechtliche Paare?
Sie sind traditioneller, als man denken würde. Wenn sie bei uns anrufen, dann bestellen sie alles, was andere Paare auch bestellen: Fotografen, Hochzeitskleider undsoweiter. Die Frauen bevorzugen weiße Kleider mit Schleier, die Männer Smoking. Der einzige Unterschied ist, dass man zwei Smokings oder zwei Hochzeitskleider bestellt. Bis jetzt hatten wir nur einen Fall, wo ein Paar schrille Kostümierung verlangte. EInen Unterschied gibt es schon: Die Hochzeiten sind in der Regel kleiner als die heterosexueller Paare.
Welche Dienstleistungen umfasst Ihr Service?
Wir bieten ganze Pakete an. Wir veranschlagen drei Tage und zwei übernachtungen in Vermont. Wir suchen die Kirche und das Restaurant aus, wir vermitteln Fotografen. Und wir arbeiten mit Hochzeitsplanern zusammen, die die Betreuung am Ort übernehmen. Wir sind die Vermittler und stellen die nötigen Kontakte her.
Seit wann gibt es Ihre Firma?
Sie wurde vor einem Jahr gegründet.
Wenden sich auch Interessenten aus anderen Bundesstaaten an Sie?
Viele. Das Problem ist dann, dass sie hier einen amtlichen Trauschein bekommen, der aber in ihrem eigenen Bundesstaat nicht im selben Maße anerkannt wird wie hier. Immerhin hilft es ihnen bei Besuchsrechten in Krankheitsfällen. Der Trauschein von Vermont garantiert außerhalb von Vermont zwar nichts, aber er hilft.
Nimmt die Zahl schwuler und lesbischer Hochzeiten in Amerika zu?
Definitiv. Es spricht sich mehr und mehr herum, dass es in Vermont diese Möglichkeit gibt. Die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen ist im Laufe des letzten Jahres dauernd gestiegen. Jetzt wird ja auch in anderen Bundestaaten darüber diskutiert, die „Civil Union“ für gleichgeschlechtliche Paare zu genehmigen (in Kalifornien und Washington gab es Parlamentsdebatten zu der Frage, in Connecticut und Rhode Island Anhörungen über die „Civil Union“, d.Red.). Auch in den Medien taucht das Thema immer öfter auf.
Wie sieht es auf Bundesebene aus? Präsident Clinton unterschrieb 1996 ein Gesetz, das homosexuelle Ehen verbietet. Damit erlaubte er Bundesstaaten, die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen zu verweigern.
Andererseits steht es den Bundesstaaten frei, anders zu verfahren. Ich könnte mir vorstellen, dass es bald ein Bundesgesetz gibt, dass die gleichgeschlechtliche Ehe der gemischtgeschlechtlichen gleichstellt, so wie das in den Niederlanden und jetzt in Deutschland geschehen ist.
Auch unter dem jetzigen Präsidenten mit seinen eher konservativen Wertvorstellungen?
Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass das in dieser Legislaturperiode geschieht.