28.06.2001 · Die europäische Internet-Domain ".eu" hat nun auch grünes Licht vom Ministerrat, doch noch gibt es keinen Betreiber.
Von Alexander SvenssonAuf seiner Tagung in Luxemburg hat der EU-Ministerrat den Plänen der Kommission für eine europäische Internet-Domain ".eu" zugestimmt. Der zuständige EU-Kommissar Erkki Liikanen hofft auf einen Start Anfang nächsten Jahres. Das Europäische Parlament muss noch zustimmen, das scheint aber Formsache zu sein. Gravierender ist, dass bislang unklar ist, wer die Domain technisch betreiben soll - und nach welchen Regeln. Es herrscht ein Wirrwarr der Interessengruppen.
Mit der Entscheidung über ".eu" haben sich die EU-Staaten nicht leicht getan: Schon bei den bestehenden Länderdomains wie ".de" und ".fr" gibt es teils strenge und stark regulierte, teils offene und prüfungsfreie Vergabeverfahren. Während sich einige Staaten wie Frankreich für eine stärker regulierte .eu-Domain eingesetzt hatten, wollten viele Unternehmen ein möglichst unbürokratisches Verfahren. Einige Firmen drohten sogar damit, die .eu-Domain notfalls auch ohne Zustimmung der europäischen Institutionen bei der Internetverwaltung Icann zu beantragen.
Unübersichtlichkeit statt Koordination
Icann hatte bereits im September 2000 grundsätzlich grünes Licht für die Einrichtung von ".eu" als Quasi-Länderdomain gegeben. Wenn das Parlament wie erwartet im Juli den Plänen zustimmt, ist allerdings erst die zweite von drei Hürden für die .eu-Domain geschafft: Noch ist nicht klar, wer die Domain tatsächlich technisch verwalten wird. Firmen, die .eu-Domainnamen verkaufen wollen, gibt es zwar bereits in mehreren europäischen Ländern. Die Domain-Datenbank (Registry) selbst soll aber von einer Non-Profit-Organisation betrieben werden, wie es bei vielen Länderdomains der Fall ist.
Zur Koordination haben sich die potenziellen .eu-Anbieter in verschiedenen Grüppchen organisiert, über die der Überblick allerdings allmählich verloren geht: Nach EC-PoP, CO-EUR, EUPOC und einem namenlosen irischen Konsortium will nun eine Initiative namens CANeu die interessierten Parteien Mitte Juli in Brüssel an einen Tisch bringen. Dort soll eine Vereinigung entstehen, die die Interessen der europäischen Netzgemeinde gegenüber Icann und EU-Kommission vertritt.
.eu soll E-Commerce fördern
Um den Betrieb der Domain tatsächlich Anfang 2002 zu beginnen, müsste ein ausgearbeiteter Vorschlag bis zum Icann-Treffen im November vorliegen. Der Internet-Aktionsplan von Kommission und Rat hatte ".eu" bereits für Ende 2000 angekündigt, um damit die Schaffung eines Binnenmarktes für E-Commerce zu fördern. Währenddessen werden die von Icann beschlossenen neuen Domains ".biz" und ".info" bereits im Herbst den regulären Betrieb aufnehmen.