18.04.2001 · Viele Ministerien haben die Anmeldung eingängiger Domain-Namen schlicht verschlafen.
Von Peter SchumacherEine E-Mail von scharping@verteidigungsministerium.de kommt ganz bestimmt nicht vom Bundesverteidigungsminister. Und unter www.verteidigungsministerium.de gibt es nicht etwa Infos für Soldaten und Rekruten, sondern für Wehrdienstverweigerer.
Die Domain gehört nicht Rudolf Scharpings Ministerium, sondern dem Auszubildenden Marian Mueller. Und der bietet auf der Seite jede Menge praktische Tipps, wie junge Männer den Wehrdienst verweigern können: Vom Musterschreiben an das Kreiswehrersatzamt bis zu Hinweisen für die Suche nach Zivi-Stellen. Dem Bundesministerium für Verteidigung gefällt das gar nicht, es will die Domain für sich haben und klagt auf Herausgabe der Kennung. Die Hardthöhe ist nicht das einzige Ministerium, das versäumt hat, sich einprägsame Domains zu sichern. Eine ganze Reihe von Ministerien verbirgt sich im Internet lieber hinter kryptischen Kürzeln wie bmj.bund.de (Justizministerium), bmbf.de (Bildung und Forschung) oder bmfsfj.de (Familie, Senioren, Frauen und Jugend).
Klage angedroht
Wer es unter „justizministerium.de“ versucht, findet immerhin eine private Homepage, die zu den Justizbehörden von Bund und Ländern weiterleitet. Ähnlich ist es bislang bei „wirtschaftsministerium.de“. Nachdem das Ministerium mit Klage gedroht hat, soll die Domain nun an Berlin übergeben werden.
Auch in anderen Ministerien wurde die Anmeldung der einschlägigen Domain offenbar verschlafen: „aussenministerium.de“, „frauenministerium.de“, „gesundheitsministerium.de“, „verkehrsministerium.de“ oder „kulturministerium.de“ liegen in privaten Händen, Inhalte gibt es nicht. Hinter „bauministerium.de“ verbirgt sich eine private Spaß-Seite. „landwirtschaftsministerium.de“ und „arbeitsministerium.de“ führen zu einem IT-Nachrichtendienst. Immerhin: Über„sozialministerium.de“ gelangt man tatsächlich zu einem Sozialministerium - allerdings zum baden-württembergischen.
Noch freie Domains
Im Innen- und im Umweltministerium waren die Beamten dagegen fix: Die entsprechenden Domains führen tatsächlich zum erwartbaren Ziel. Und auch im neu aufgestellten Verbraucherschutzministerium haben die zuständigen Mitarbeiter reagiert, wenn auch nicht schnell genug: Über „verbraucherministerium.de“ kommen Surfer zum Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Die Adresse „verbraucherschutzministerium.de“ hat sich dagegen rechtzeitig ein privater Nutzer gesichert.
Noch zu haben sind die Domains „jugendministerium.de“, „agrarministerium.de“, „seniorenministerium.de“, „forschungsministerium.de“, „wohnungsministerium.de“, „umweltschutzministerium.de“ und „entwicklungshilfeministerium.de“.
„verteidigungsministerium.de“ im August vor Gericht
Die einzige der privat angemeldeten Seiten mit Inhalten, die etwas mit dem Domainnamen zu tun hat, ist verteidigungsministerium.de. Trotzdem gibt es keine Verwechslungsgefahr: Wer auf die Seite klickt, wird deutlich darauf hingewiesen, dass er nicht bei der Bundeswehr-Behörde gelandet ist. Wer wirklich zu Scharping und seinen Kameraden will, kommt per Link weiter. Das wird auch in den kommenden Monaten noch so bleiben: Der Streit um „verteidigungsministerium.de“ wird erst am 14. August vor dem Landgericht Hannover verhandelt.